Roadtrip

Albanien – wir durchqueren ein Karstmassiv in einem Land, das nicht den besten Ruf genießt. Es soll gefährlich sein. Ist der Vorwurf berechtigt? Gelesen habe ich von wundervoller Landschaft und freundlichen Menschen – eine Wegbeschreibung von Meteora (GR) bis Himare (ALB)…

Mit blauem Himmel in den neuen Tag

Am Morgen werden wir von strahlendem Sonnenschein geweckt. Bisher haben wir die imposanten Klöster in trüben Himmelsgrau gesehen. Bei blauem Himmel sehen sie noch faszinierender aus. Eigentlich wollten wir sofort Richtung Albanien starten, aber es zieht uns noch einmal zurück zu den Klöstern von Meteora.

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RoadtripMegalo Meteora

RoadtripAgia Triada

RpadtripBlick in die Thessalische Ebene

Nach einer Stunde mit Stopp hier und dort heißt es dann doch endgültig: bye-bye Meteora.

RoadtripPanorama auf dem Weg zurück nach Kavala

Ioannina

In der Nähe von Ioannina befinden sich am Straßenrand viele kleine Verkaufsstände mit Obst, Gemüse und allerlei weiteren leckeren Waren. Wir halten und ich steige aus, Robert bleibt sitzen. Schnell, komme ich mit der älteren Dame ins Gespräch. Sie freut sich, dass ich griechisch spreche.

RoadtripObst aus eigenem Anbau

Sie drückt mir verschiedene Weintraubensorten, Äpfel, Birnen, Nüsse zum Probieren in die Hand und ich bin damit beschäftigt, es Robert weiter zu tragen. Alles schmeckt lecker, ich kann mich nicht entscheiden. Vom Feld in den Mund zu fähren Preisen. Und so werde ich Besitzer von 4 großen Beuteln, einer mit grünen Trauben, einer mit Rosetrauben, einer mit roten Trauben und einer mit riesigen frischen Walnüssen. „Aber, Mädchen, wie bekommt ihr die Nüsse auf?“, fragt mich die Griechin. Bevor ich zu Wort komme, hat sie meinen Nussbeutel schon wieder in der Hand. Sie knackt, mit ihren von der Arbeit schwieligen Händen, jede einzelne Nuss mit einem Stein und es gibt gleich noch 6 neue für 3 schlechte Nüsse hinzu.

RoadtripVorsichtig werden die Nüsse „vorgeknackt“

Eυχαριστώ πολύ – danke ich ihr. Nun aber weiter. Den angebotenen Kaffee im eigenen Haus gegenüber lehne ich freundlich ab.  Lächelnd reicht sie uns noch ein paar Äpfel durch das Fenster und winkt: „Kalo taxidi, na iste kala.“ (Gute Reise, lasst es Euch gut gehen) dann brausen wir Nüsse kauend davon.

Limni Pamvotida, auch Ioannina-See

Noch einmal halten wir an – Trauben & Käse Pause. Der Blick von hier oben auf den See ist einfach herrlich. Die gelb blühenden Büsche heben sich markant vom blauen Himmel ab.

RoadtripEs summt und riecht nach Sommer – wir haben den 1. Oktober

Der See mag 10 km lang und 3 km breit sein. Auf der Seite, auf der wir stehen, wird er von den steil abfallenden Bergen begrenzt, während sich westlich das Ackerland direkt an den See anschließt. Eine kleine Insel ist zu sehen, sowie die Stadt Ioannina. Auf der kleinen Insel hat einst Ali Pascha vor dem osmanischen Heer Zuflucht gefunden und wurde dort auch getötet.

RoadtripGegenüber befindet sich die Stadt Ioannina, am Fuße des Felsen vor uns befindet sich eine kleine Insel

…noch 60 km bis zur Grenze, wir sind gespannt.

RoadtripDer Regen hatte den Landy sauber gewaschen, aber nun hat er eine leichte Gebirgspatina von unserem Streifzug durch das Olympgebirge

Albanien wir kommen

Natürlich durften wir uns bei der Reiseplanung viele Kommentare zu Albanien anhören: viel zu unsicher, gefährlich, hoffentlich werdet ihr nicht ausgeraubt, schlechte Straßenverhältnisse und laut auswärtigem Amt sollen wir uns in die Krisenvorsorgeliste eintragen…

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Wir passieren gegen 14:00 Uhr die griechisch-albanische Grenze bei Kakavia – Tschüss EU – Mobile Daten aus.

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Bei der Einreise gibt es keine Probleme. Papiere vorzeigen: Pässe, Führerscheine, Fahrzeugpapiere, grüne Versicherungskarte. Der übliche Blick hinten in den Landy, ob wir blinde Passagiere an Bord haben. Eine kurze Erklärung für die Grenzbeamten was sich in den Fächern befindet. Unser Reisemobil wird wieder bewundert. Dann rollen die Reifen auf albanischen Boden weiter – Yes, here we are – das Abenteuer Albanien kann beginnen.

Wir halten direkt hinter der Grenze an einer kleinen Raststätte. Ich benötige dringend ein 00 und wir brauchen einen Geldautomaten, denn wir haben kein Bargeld. Ich spreche eine Gruppe von Leuten an, die in der Sonne sitzen. Sie verstehen mich nicht und winken mir unfreundlich zu, ich soll weiter gehen. Ein wenig perplex wende ich mich ab, das habe ich auf unserer Reise bisher nicht erlebt. Ein junger Albaner kommt mir sofort zur Hilfe. Er spricht Englisch und klärt mich auf, dass wir nur in größeren Städten Geld wechseln können oder bei seinem Kumpel in der Wechselstube. Ich darf das 00 im Restaurant benutzen.

Dann eben erst einmal ohne albanische LEK, denn unser erstes Ziel in Albanien liegt abseits großer Städte.

Magische Landschaft

Hinter der Grenze wird es bergig. Die Straße ist schmal, aber gut, an der Talseite durch kleine weiße Mauerstückchen begrenzt. Ist ja hübsch, aber hätten sie nicht lieber eine vernünftige Begrenzung bauen können? Hilfe, Bus von vorne, rasender Albaner von hinten, die fahren hier wie die Henker – daran muss ich mich erst einmal gewöhnen. Wir befinden uns im Mali i Gjerë Gebirge, haben das Gefühl in eine andere Welt eingetaucht zu sein. Terrassenförmige Karststeine säumen die Straße.

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Das Karstgebirge ist grau, die Felder in der Ebene grün, hohen Baumbewuchs gibt es hier nicht. Leider gibt es keine Möglichkeiten zu halten, die schmale Straße windet sich hinauf und hinunter entlang der grauen Felsschichten. Wir sehen hinein in eine riesige Ebene. Die Landschaft ist atemberaubend. Ich habe das Gefühl, noch nie so weit in die Ferne gesehen zu haben – was natürlich Blödsinn ist, wenn ich an die Weite des Indischen Ozeans in Australien denke. Aber durch die grauen Bergketten und die grünen Täler scheint die Gegend hier eine unendliche Tiefe zu haben.

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Die Obst- und Gemüsestände am Straßenrand sind verlassen. Touristen treffen wir kaum. Die Touristensaison ist auch hier vorüber – wir haben Anfang Oktober. Überholt werden wir hauptsächlich von, wie ich finde, lebensmüden Albanern und das meist im Mercedes. Das deutsche Markenfabrikat scheint hier Statussymbol zu sein. Vom neusten Model, bis zum alten 280er, der den Pflug auf dem Feld zieht, ist alles vertreten.

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Kleine Kirchen scheinen einfach so mitten in der Landschaft zu stehen, aber leider auch viele Bauruinen.

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Syri i Kaltër zu deutsch “blaues Auge”

Abseits der geteerten Straße lenkt Robert den Landy über Sand- und Schotterpiste, während ich fotografiere. Roadtrip

Wir gelangen an eine einspurige Brücke mit einem kleinen Häuschen – Stopp, bezahlen. Hoffentlich dürfen wir mit Euros bezahlen. In Bulgarien am Felsenkloster, hatten wir keine Chance ohne die Landeswährung. Ein älterer Herr lächelt uns freundlich zu und bestaunt unser Reisemobil – kleiner Smalltalk. Wir dürfen mit Euros zahlen, derer zwei, oder war es nur einer? Jedenfalls ist alles in Albanien für Deutsche Verhältnisse günstig. Die kommende Holperpiste ist für einen Straßenwagen nicht wirklich geeignet, dennoch überholen wir einige davon.

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Um uns herum sieht es inzwischen aus, wie im Dschungel. Vom Karstgebirge keine Spur mehr, die Landschaft leuchtet in verschiedensten Grüntönen, ist üppig bewachsen. Vögel zwitschern. Wir halten auf einem Sandparkplatz, leider sind wir hier nicht allein. Eine kurze Wanderung entlang des Flusses führt zum „Blue Eye“.

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Und das macht seinem Namen alle Ehre. Phänomenal ist die Farbe des mit ca. 8 m³/sec herauf sprudelnden Wassers der Quelle. Wie soll ich es beschreiben?…von smaragdfarben, über türkisblau bis tintenblau verliert sich die Farbe in der Tiefe. Im Fluss ist das 12C° kalte Wasser klar bis auf den Grund. Das Gebiet steht unter Naturschutz, zeichnet sich durch Eichen- und Platanenhaine aus. Wir sind überwältigt von der Schönheit der Natur.

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Ich finde es schade, dass hier Restaurants gebaut wurden, so geht die Ursprünglichkeit verloren. Es ist Nachmittag und Nachsaison. Ich möchte mir nicht vorstellen, was hier während der Saison los ist. Ich denke, wer dieses geniale Fleckchen Erde in Ruhe genießen möchte, sollte früh morgens zur Stelle sein.

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Saranda

Die Besichtigung des historischen Ortes Saranda am Ionischen Meer, hat uns eine griechische Freundin, Archäologin, empfohlen. Allerdings haben wir in Didimoticho und Xanthi festgestellt, dass sie durch ihren Beruf einen anderen Blick auf die alten Stätten hat, als wir. Wir haben keine Ahnung was uns in Saranda erwartet. In erster Linie benötigen wir einen Geldautomaten. Den finden wir auch, gelb wie die Post. Wir wollen 50 Euro in LEK abheben und bekommen 45 Euro in Scheinen heraus. Danke! 5 € Gebühren für die eigene Währung. Ein vorbeikommender älterer Herr klärt uns auf, dass es Richtung Zentrum einen Automaten gibt, der LEK ausspuckt, dieser jedenfalls nicht. Gar nicht so einfach, den zu finden, denn Saranda entpuppt sich als großer Ort.

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Knapp 18.000 Einwohner + Touristen – Badeort Nr. 1 mit gepflegtem Strand, türkisem Wasser und Blick auf Korfu. Teure Yachten liegen im Hafen und Kreuzfahrer halten hier. Wir fahren durch belebte Straßen, Hoteltürme links und rechts. In den letzten Jahren wurde hier viel illegal gebaut – die Stadt lebt vom Badetourismus.

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Wir sind froh, als wir die LEK in den Händen halten, haben keine Lust auf Stadt oder die Suche nach alten Mauerresten. Nichts wie weg hier.

Entlang der Küstenstraße

Gestern Abend in Meteora haben wir noch einen Tipp für einen Übernachtungsplatz bekommen. Kranea-Camping, direkt am Meer bei Himare. Die Küstenstraße Richtung Himare ist sehr kurvenreich. Für 120 km benötigen wir gemütlich mehr als zwei Stunden. Diesig vermischt sich die Wasserkante mit dem Himmel am Horizont, die Zeit ist fortgeschritten.

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Die Landschaft und der Ausblick sind sagenhaft – Natur pur? Leider nicht,  traurig stimmt uns der Müll in den Küstenhängen. Wahr los scheinen viele ihren Müll aus dem Auto zu entsorgen.

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Dazwischen ragen riesige Agavenblüten über zwei Meter hoch in den Himmel.

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Inzwischen senkt sich die Sonne langsam vom blauen Himmel über das Meer hinab, hingegen sich über den Bergen vorherbstliche Unwetter austoben.

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Cranea-Camping

Wir gelangen auf eine holprig, sandige Piste, die direkt am Strand entlang führt. Schließlich erreichen wir den Campingplatz, oder besser die Camping-Oase. Die Besitzer des Platzes sprechen deutsch und englisch, sind super nett. Es gibt nur wenige Stellplätze. Die sanitären Anlagen befinden sich in einem kleinen Haus, für Männlein & Weiblein gemeinsam. Ein kleines Restaurant befindet sich neben der Einfahrt. Und wie so oft auf unserer Reise, gibt es free-WLan. Der Strand ist fast menschenleer, das Wasser kristallklar, vereinzelt stehen Holzliegen am weitläufigen Strand.

Zum Sonnenuntergang sitzen wir am Ecktisch unter einem Olivenbaum, mit Blick auf das Meer. Wir essen fürstlich. Meine Finger riechen nach gepulten Scampis.

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Ich bin ein wenig beschwipst vom albanischen Wein und dem hier selbstgebrannten Schnaps. Das Meer ist fast spiegelglatt. Eine feine Brise weht durch meine Haare. Schweigend schauen wir auf das Meer hinaus. Meine Hand sucht seine. Grillen zirpen entfernt leise. Definiere Glück: Ein Lebensgefühl wie genau jetzt…

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1. Oktober 2017
Zauberhaftes Albanien

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4 Gedanken zu „Zauberhaftes Albanien

  1. So viele tolle Fotos! Es macht schon eine Menge aus, ob doch endlich die Sonne lacht und die Luft klar ist!!! Das habt ihr euch wirklich verdient, nach den häufigen Regentagen. Im Spätsommer war ich mit Uli zum ersten Mal auf Sardinien. Da gibt es auch viele karge Berge, grüne fruchtbare Ebenen und, LEIDER, wird auch da jede Menge Müll entlang der kleinen kurvenreichen Straßen verteilt.

    1. Ja, prinzipell ist mir auch die Sonne lieber, aber Schnee und Nebel auf der Transalpina hatten auch ihre Reize. Außerdem riecht es nach dem Regen im Wald immer so toll, wie auf unserer einsamen Fahrt durch die Karpaten.

      Den Müll gab es leider auf Sizilien auch am Straßenrand. Dagegen war ich überrascht wie sehr sich Griechenland gemausert hat gegenüber früher. Also bleibt auch die Hoffnung, dass es in anderen Ländern irgendwann vorbei ist mit den Müllbergen in der Natur. In Rumänien standen große Gittercontainer am Straßenrand für Plastikmüll.

      1. Das Müllproblem gibt es ja leider in vielen Gegenden. In Portugal habe ich z.B. mehrfach gesehen, dass Leute in einsamen Gegenden ihren Müll einfach in die nächst beste Schlucht unweit ihres Hauses werfen!
        In Guinea war es noch viel extremer: Überall lag Müll herum, im Hafenbecken, am sonst eigentlich schönen Sandstrand, an jeder Straße. Und immer schwelte irgendwo ein halb verbrannter Müllhaufen, qualmte und stank giftig!
        Aber selbst in Berlin werden gern Verpackungen von Fastfoodresten etc. verstreut, obwohl es genügend Mülleimer gibt. Auch ganze Müllbeutel und Sperrmüll werden gern in Parks und unübersichtlichen Ecken deponiert. Durch die Beseitigung werden jedes Jahr 100 tausende an Steuergelder verbraten!!!

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