Norwegen Roadtrip 2018 Utoya

Stavkirk: kunstvoll geschnitzte Holzkirchen in der Natur – Kunstnerdalen, das Tal der Künste beim Haugfoss – Utoya: one horrible day in history. Das sind die Dinge, über die ich Dir im heutigen Tagesbericht erzählen werde.

Norwegen Roadtrip 2018 Utoya
Routenübersicht

Guten Morgen aus Uvdal

Unser letzter Reisetag des Roadtrips durch Südnorwegen ist angebrochen. Den  Nationalpark Hardangervidda haben wir hinter uns gelassen, den Preikestolen bewandert und die vielfältige Natur bewundert.

Norwegen Roadtri 2018

Die Sonne blitzt durch die leichte Wolkenschicht. Die dicken Regenwolken haben sich verzogen. Time to say goodbye to Uvdal. Wir räumen unsere 7 Sachen in den Landy, ein letzter Blick auf den Fluss, dann schnurrt der Motor und die Räder rollen wieder. My turn to drive. Robert hat die Karte auf den Knien und lotst mich entlang der kleinsten Straßen, die er finden kann.

Stabkirchen

Ich würde zu gerne eine Stabkirche von innen sehen. Stooooppp, Wegweiser: Rollak Stavkirk links abbiegen, das tue ich doch gerne. Kleine Anwesen aus Holz, kein Mensch ist unterwegs, eine Katze streunt durch die Wiese, schmale Straßen.

Norwegen Roadrtip 2018
Wir passen gerade hindurch

Nach einer Weile gelangen wir zu der Stabkirche. Dass es diese Gotteshäuser gibt, haben die Norweger den Wikingern zu verdanken – ihrem Faible für Boots- und Hausbau aus Holz, ihrer Tradition der Holzschnitzerei. Die Arten der Stabkirchen sind verschieden, jedoch besitzen alle Eckmasten und Schwellen auf denen Wandbohlen stehen.

Rollak Stavkirk

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Och, nö! Verschlossen. Und es gibt nicht einmal ein Fenster, an dem ich mir die Nase platt drücken kann, um hinein zu linsen – zu hoch. So bleibt nur das ausgeblichene Schild am Kirchentor, um mir ein Bild des Innenraumes zu machen.

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Aber wieso steht dort „Valgkirke“, sie heißt doch Rollak Stavkirk. 1814 steht auf dem Schild. Was hat es auf sich?

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Es bedeutet: Wahlkirche. Diese Kirche diente bei den ersten Wahlen am 25. Februar 1814 als Wahllokal. 300 Stabkirchen gab es damals. Heute sind noch etwa 190 erhalten. Im Jahr 2014 bekam die verbliebenen Wahlkirchen diese kleine Gedenktafel.

Vatnas Kirk

Next Church ein paar Kilometer weiter.

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Ein wenig traurig hängt das Parkplatzschild der nächsten Stabkirche herunter.
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Die Vatnas Kirk trohnt auf einem kleinen Hügel.

Und was hat sie wohl gemeinsam mit der Stabkirche zuvor? Die Tür ist verschlossen. Ein wenig heidnisch und nicht typisch christlich wirken die Holzbauten schon. Eine hohe Stufe am Eingang – die Geisterschwelle – soll Naturgeister fernhalten. Hmmmm, Geister können doch fliegen? Vielleicht ist auch das Schloss aus Aberglaube verkehrt herum?

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Ups, nein, ich stehe nicht Kopf – das Schloss ist tatsächlich „verkehrt herum“

Genug der Stabkirchen. Von innen werde ich wohl heute keine mehr zu sehen bekommen.
Und die Spitze die jetzt hervorlugt, scheint auch keine zu sein. Wen haben wir denn da? Stopppp, das muss genauer inspiziert werden.

Ole Einar Bjørndale: Ein riesiges Denkmal des norwegischen Biathleten steht auf einem Sockel. Und in einem Schaukasten lese ich von einer Kunstnerdalen Rundt.

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Wer guckt denn da über den Hügel?

Kunstnerdalen

Das Tal der Künste. So heißt es, weil bekannte Maler in dieser Region gelebt und gewirkt haben. Auf einem Schild bei der Statue sind Stationen einer Rundreise durch das Tal aufgezeigt: Ausstellungen, Statuen, der Haugfoss, das Blaufarbenwerk = Blaafarveværket, eine Dampfeisenbahn, um nur einen Bruchteil zu nennen. Schade, die Zeit haben wir nicht mehr, uns das alles anzusehen.

Haugfoss

Wenn ich Bauklötze staunen könnte, dann wäre der bunte Holzhaufen wohl so groß, dass der Wasserfall dahinter verschwinden würde.

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Und Mary Poppins würde sagen: Superkalifragilistischexpialigetisch!

Im Hintergrund oben an der Bildkante siehst Du ein Kaffee und einen Souvenirladen. Ein riesige Terrasse ragt über den Wasserfall, lädt zum Verweilen an. Kaffee & Kuchen gefällig? Leider noch geschlossen. „Morgen öffnen wir“, sagen uns die Damen, die ihre Vorbereitungen für den Saisonstart treffen. Gigantische Wassermassen brausen mit lautem Getöse die Felsen hinab.

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Historisches Mühlrad

Am Rande des Wasserfalles steht ein altes Mühlrad. Es lieferte Energie für Mühle und Mörser zum Abbau von Kobalt. 1776 wurde hier  ein Blaufarbenwerk erbaut. Smalteblau wurde hergestellt. Es ist das älteste bekannte Kobaltpigment, dessen Vorkommen der Schürfer Ole Vidtloch bei Modum entdeckte.
1200 Mann Belegschaft stellten 80% des Weltverbrauches der Farbe für die Porzellan- und Glasindustrie in diesem Werk her. Es wurde bis nach China und Japan exportiert. Als Kobalt ab 1870 chemisch hergestellt wurde, lag das Gelände brach. Heute ist es ein Museumsdorf und ein beliebtes Ausflugsziel, nahe Oslo.
Einen Tag Zeit solltest Du Dir nehmen, um es zu besichtigen. Das Werk liegt ungefähr acht Kilometer vom Haugfoss entfernt. Unter www.blaa.no findest Du die Preise und Öffnungszeiten. Für uns war heute… richtig… geschlossen.

Die Räder rollen weiter

Der Tag ist fortgeschritten, Zeit eine Bleibe für die Nacht zu suchen. Es ist wieder warm geworden und der Himmel ist quitschblau mit ein paar Schäfchenwolken. Was für ein schöner Tag.  Als wir Utvika Camping erreichen, sehe ich noch aus dem Augewinkel ein Hinweisschild nach Utoya. Utoya? Der Groschen fällt langsam…

Utoya

Norwegen Roadtrip 2018 Utoya
Utoya ist nur knapp einen Kilometer entfernt

Von unserem Standort aus sehen wir direkt hinüber auf die kleine Insel – ein Steg, das Dach eines Häuschens.

Juli 2011: Ein Mann in Polizeiuniform erreicht mit seinem kleinen Boot den Steg der Insel, während die 500 Kinder und Jugendlichen im Feriencamp die Nachrichten des Anschlages auf Oslo verfolgen. Sie sprechen darüber sicher zu sein, auf der beschaulichen Insel. Sie wissen nicht, dass es DER Mann ist, der die Autobombe in Oslo gezündet hat, der gerade diese Insel betritt. Dann nimmt das Massaker auf Utoya seinen Lauf. Campingplatzbesitzer und Urlauber des Platzes springen in Boote und versuchen schwimmende Kinder zu retten. Fazit: 69 wurden erschossen, Hunderte verletzt.

Ich beobachte einen Schwan, der vor meiner Nase um einen Mamorstein im Wasser schwimmt,  immer wieder seinen langen weißen Hals in das kalte Fjordwasser steckt, um junges Grün vom Boden zu rupfen. Ein Gedenkstein?

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Auf der Berlina wurde in diesem Jahr der Film: „Utoya – 22. Juli“ vorgestellt. Der Film zeigt Katja, die mit ihrer Schwester Emelie ein paar Ferientage auf Utoya verbringt. Hier ein Auschnitt aus der Pressekonferenz.

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In Gedenken…

Unser letzter Abend

Genug dunkle Gedanken. Ich ziehe meine Wanderstiefel aus. Die brauchen ich nicht mehr. Aber eingelaufen sind sie jetzt für Island im August.

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Meine Wanderstifel habe ich mir zum Geburtstag gekauft. Danke an alle die das Schwein dafür gefüttert haben.

Robert ist fertig mit Grillen. Im Urlaub kocht er. Ich decke den Tisch, bereite die Beilagen vor. Chicken Wings, Steaks, Kartoffeln und Salat. Lecker.

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Satt sitzen wir in der Sonne, als ein T4 Synchro auf die kleine noch freie Fläche neben uns rollt. Ein blonder Frauenkopf lugt um die Ecke. Fragte sie: „Ist hier noch frei?“ Ich weiß es nicht mehr. Wir lernen Chris kennen. Aus „Sie“ wird schnell „Du“ und Chris sitzt mit unter unserer Foxwing als die Sonne sich verabschiedet.

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Wir quatschen bis spät in die Nacht. Liebe Grüße, Chris. Schön, dass wir Dich kennen gelernt haben. Wir freuen uns auf Deinen Besuch.

Mai 2018
Von Stabkirchen, Kunstnerdalen und Utoya

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2 Gedanken zu „Von Stabkirchen, Kunstnerdalen und Utoya

  1. Hi, liebe Kirsten, lieber Robert,
    gerade lese ich auf Deinem Blog die lieben Grüße 🙂
    War schön mit Euch als Nachbarn auf meiner ersten Station nach Oslo! Am nächsten Tag habe ich dann über die Hønefoss Kraftstasjon mit ihren Wassermassen gestaunt. Bevor es danach auf die Hardangervidda ging.
    Deine Fotos und Beschreibungen lassen die Sehnsucht nach Norwegen mit seiner Schönheit und Weite bei mir glühen. Danke.
    Wir sehen uns! Liebe Grüße, Chris

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