Transit Tag

Ein Tag auf der Straße – Transit: vom Skutarisee-Albanien, durch Bosnien und Herzegowina bis nach Dubrovnik-Kroatien. Wir sind gespannt auf die Straßenverhältnisse und die Grenzquerungen. Gibt es Formalitäten die einzuhalten sind? EU/Schengen, wie ist das mit den Ein- und Ausreisebestimmungen? Können wir mit Euro/Kreditkarte zahlen, oder muss es die Landeswährung sein?

Camping Legjenda

„Allahu akbar……“. Was ist? Langsam kämpfe ich mich aus dem Nebel des Schlafes. Wo bin ich, wer ruft? Es ist der Ruf der Muezzin von den Minaretten. Es dämmert gerade erst. Ich drehe mich wieder um, aber richtig einschlafen kann ich nicht mehr. Was soll’s, also raus aus dem Schlafsack.

Wir befinden uns auf dem Camping Legjenda in Shkodra, Albanien. Gestern wurden wir von der Tochter des Campingplatz-Besitzers freundlich begrüßt. Heute Morgen steht die Mutter in dem kleinen Laden und verkauft uns Brot. Das kleine Restaurant nebenan wird seit vielen Jahren von dem Besitzer selbst betrieben und liegt in einer idyllischen Gartenanlage.

Transit Tag

Die gesamte Anlage ist sauber und gepflegt, mit viel Liebe zum Detail hergerichtet. Es gibt viele kleine Sitzgelegenheiten, ob am Pool, ob auf einer runden Plattform über dem Pool, ob an den Bartischen in den Kochnischen, oder einfach im Park unter Bäumen. Der Platz, mit seinen geschätzten 50 Stellplätzen, ist eine familiengeführte Wohlfühloase.

Transit Tag

Transit – Wegplanung

Nachdem wir gefrühstückt haben, blicken wir auf die Karte. Wir wollen um den Skutarisee herum fahren und dann die Küstenstraße Montenegros entlang, weiter bis Dubrovnik. Wir gehen noch einmal zu den Info-Tafeln, die am Eingang des Platzes stehen. Die freundliche Albanerin kommt hinzu und berät uns. Schließlich überzeugt sie uns davon, eine andere Route zu wählen. In den Bergen soll es eine besonders schöne Straße mit einem sensationellen Ausblick geben. Auch das Inland soll sehr schön sein, Wald, Seen und Berge, einsame Straßen. Nun sind wir neugierig.

Transit Tag

Packen

Die Sonne scheint. Ein laues Lüftchen weht durch meine Haare – herrlich. Ich sehe hinauf in den blauen Himmel und hinüber zur Burg, denke an den Sonnenuntergang den wir gestern oben von der Burg Rozafa bewundert haben. Herrlich, herrlich, herrlich…

Roadtrip
Sonnenuntergang am Skutariesee

Inzwischen wäscht Robert das Geschirr ab. Ich räume unser kleines Reiseappartement auf: Schlafsäcke glatt auslegen, Bett hochklappen, Verdunklungen entfernen, Kleidung verstauen, Karten zurechtlegen. Anschließend packe ich unsere 7 Sachen im Außenbereich zusammen: Stühle verstauen, Esstisch zusammenklappen, Kaffee- und Teekanne an ihren Platz stellen, unseren Benzinkocher – den Colemann verstauen, das  Kochtischchen zusammenlegen und zurück an seinen Platz stellen, die Foxwing zusammenklappen. Als Robert zurückkommt, räume ich noch eben das Geschirr an seinen Platz. Robert klappt das Hubdach ein. Am Ende stehen wir jeder auf einer Seite auf dem Rockslider (Seitenschutz) und schließen gemeinsam das Panoramafenster. Nach einer halben Stunde sind wir startklar, bezahlen ca. 2000 LEK = 15€ für die Übernachtung, verabschieden uns und rollen winkend vom Platz.

Los geht’s

Wir fahren ein Stück entlang des Sees. Dann geht es hinauf in die Berge, vorbei am Grenzdorf Hani Hotit. Wir passieren wieder einmal Polizeikontrollen, kleine Dörfer und die typischen Müllverbrennungsberge. Ärmlich anmutende Bauern graben mit Schaufeln ihren Acker um, Frauen mit langen Röcken und Kopftüchern hocken auf dem Feld. Das Pferd vor den Holzwagen grast wartend neben dem Acker. Gelbe Blümchen säumen die Straßenkante. Wir passieren ein riesiges gepflegtes Anwesen mit Granatapfelbäumen.

Ein großes weißes Kreuz ist in den Hang gemalt. Es markiert einen alten Pilgerpfad. Serpentine um Serpentine gelangen wir im 2ten Gang höher hinauf – schneller als 20 – 30 km/h in der Kurve sind nicht ratsam. Die Straße hat ein paar kleine Löcher, aber das ist für unser Reisemobil kein Problem. Teilweise ist die Fahrbahn durch kleine Mäuerchen zum Abhang begrenzt, teilweise geht es geradewegs am Straßenrand in die Tiefe.

Transit Tag

Dann gelangen wir zu der empfohlenen Aussichtsplattform. Straße und Plattform sind ein EU-Projekt, wurden erst kürzlich fertig gestellt.

Transit Tag

Die Aussicht ist fantastisch. Allerdings fragen wir uns, wieso ausgerechnet hier so viel Geld für diese Straße investiert wurde. Es ist kaum Verkehr, was für uns natürlich toll ist. Aber, die Menschen eben schienen von der Hand in den Mund zu leben, wäre das Geld für ländliche Projekte nicht sinnvoller angelegt?

Nach den, von der EU sanierten Serpentinen, geht es auf einer älteren maroderen Straße weiter.

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Transit Tag

Transit Tag

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Wir wollen über die Grenze nach Montenegro und biegen auf eine kleinere Seitenstraße ab. Vor dem Grenzhäuschen endet die Straße, bzw. ist sie verschüttet – Sackgasse. Ich wende. Wir beratschlagen was wir tun.  Würden wir der Hauptstraße weiter folgen, würden wir durch Tamara bis nach Vermosh gelangen. In Vermosh endet diese Straße dann – Sackgasse.

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Grenze nach Kroatien

Also, alles wieder zurück zum Grenzübergang bei Hani Hotit. Der Grenzübergang ist fast PKW leer. 3 Autos sind vor uns. Die LKWs allerdings bilden eine lange Schlange. Die Papiere bitte: Reisepass, Autopapiere, grüne Versicherungskarte, Führerscheine. Nr. 060107 kontrolliert uns fast wortlos. Ein Blick hinten in den Wagen und dann werden wir ignoriert. Und nun? …schon sind wir in Montenegro.

Wir tanken für: 1,06€, Trinken 2 Cappuccino in einem Straßencafe für 2 € und rasten anschließend am Slansko Jezero, einem Stausee. Die Fahrt geht weiter Richtung Grenze Bosnien und Herzegowina.

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Hinter Vilusi gelangen wir in einen LKW Stau. Die LKW Fahrer stehen auf der Straße. „Egal“, denken wir, „wir fahren einfach vorbei“. Sie winken uns ab. Wir halten und öffnen die Fensterscheibe. In gebrochenem Englisch, mit Händen und Füßen machen sie uns begreiflich, dass die Straße kaputt ist und hier erst einmal gar nichts geht. Nach Bileca sollen wir fahren, dort sei ein weiterer Grenzübergang. Aber wieso machen es die LKW-Fahrer nicht ebenso?

Schnell ist uns klar wieso hier kein LKW lang fährt. Die Straße wird schmaler, teilweise ist sie einspurig. Ein paar Männer holen sich Gehölz aus dem dichten Buschwerk neben der Straße. Die Büsche wachsen auf die Straße hinauf. Es wird ursprünglich.

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Transit Tag

Transit Tag

Transit Tag

An einigen Stellen finden Ausbesserungsarbeiten statt. Wir freuen uns über ein Stück Schotterpiste…

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Transit Tag

Plötzlich stehen wir an einem kleinen Grenzhäuschen mit einem winzigen Büro. Keine Wartezeit, die übliche Papiere-Arie und wir sind in Bosnien und Herzegowina.

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Am Bileko Jezero legen wir eine kurze Pause ein. Das klare Wasser des Karstsees ist spiegelglatt. Der See entstand 1968 beim Bau des Grancarjevo Staudammes. Der See ist beliebt bei Sporttauchern, denn unten auf dem Grund gibt es Denkmäler der Vergangenheit zu sehen. Damals wurden Dörfer, Klöster, Friedhöfe und Straßen einfach überflutet.

Nach einer Stunde haben wir den kleinen Zipfel von Bosnien und Herzegowina durchquert und passieren die Grenze nach Kroatien bei Ivanica. Wieder ohne Wartezeit, wieder völlig problemlos. Wir sind wieder in der EU, können die mobilen Daten wieder einschalten.

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Ankunft in Dubrovnik

Und wieder eine halbe Stunde später haben wir Dubrovnik erreicht und unsere „Zelte aufgeschlagen“.

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Transit Tag

Der Platz ist größer und voller, als alle anderen auf denen wir bisher waren. Wir haben die Nr. 57 ergattert. Erste Reihe Meerblick, neben uns der Wald und auf der anderen Seite ein Camper.

Transit Tag

Die Sonne steht schon tief, als wir uns auf den Weg begeben, Dubrovnik zu erobern…

3. Oktober 2017
Transit – Albanien nach Kroatien

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4 Gedanken zu „Transit – Albanien nach Kroatien

  1. Das war ja sehr spannend: Europäisch geförderte Serpentinen, verschüttete Straßen und erneut umkehren. So sehen RICHTIGE Abenteuer aus! Um so erstaunlicher dann die unscheinbaren Grenzübergänge. Toll fand ich auch die Übersichtskarten (teils mit Km-Angaben), falls ich mich auch mal mit einem Wohnmobil in diese Gegend verfahren sollte. . .

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