Schnee im Juni? Winterzauber im Sommer. Ungezähmte Natur. Spektakuläre Beleuchtung zur Mittsommernacht. Herrlich. Wovon ich spreche? Vom Stekenjokk entlang des Vildmarksvägens. Lass Dich entführen auf Schwedens traumhaftes Hochplateau…

Auf zum Stekenjokk

Am späten Nachmittag rollen die Räder weiter. Und während wir wieder auf dem Vildmarksvägen unterwegs sind, den Ort Klimpfjäll passieren, schweifen meine Gedanken zurück in die kleine Kirche. Zurück zu Lapp-Lisa. Zurück in das kleine Samendorf. Zurück nach Fatmomakke.

Jäh reißen mich Roberts Worte aus meinen Gedanken:

„Sieh mal, die schneebedeckten Berge. Dort drüben befindet sich schon Norwegen“

Hier habe ich Dir unsere Route eingezeichnet Wir kommen aus Richtung Vilhelmina und fahren Richtung Strömsund.

Ein Traum in weiß

Um uns herum ist es nicht mehr grün. Es ist weiß. Stooooop anhalten, ich muss raus. Ich möchte den Schnee anfassen. Ich möchte hinunter zum Fluss. Dorthin wo das laute Rauschen herkommt.

Hochplateau Stekenjokk

Hier beginnt das mächtige Bergplateau. Befahrbar ist es nur von Juni bis Oktober. Das haben uns zwei schwedische Jungs an einer Tankstelle erzählt. Für sie ist das hier einer der Orte, den sie in ihrem Heimatland Schweden am meisten lieben.

Und das kann ich verstehen. An den Seiten der Straße türmt sich Schnee auf. Zwar nicht mehr sieben Meter hoch, wie die zwei uns erzählten, aber dennoch beeindruckend. Und der Blick über das Plateau ist himmlisch. Gerne würde ich hier übernachten. Wir halten.

Hier in der unberührten Wildnis der Berge sind Braunbär und Polarfuchs zu Hause. Und wer Glück hat, kann Schneeeulen, Alpenschneehühner oder einen Königsadler beobachten. Allerdings sind die Vogelbrutgebiete jetzt im Frühsommer für Besucher gesperrt, um den Diebstahl der Vogeleier zu verhindern.

Kann Stille klingen?

Als wir eMANuelas Motor ausgeschaltet haben, ist kein Laut zu hören.

Schau Dir an, wie es dort am 5. Juni aussah.

Schneeräumung am Stekenjokk – am 6. Juni wurde die Straße in diesem Jahr geöffnet

Erzabbau am Stekenjokk

Damals war Stekenjokk ein Grubenort. Kupfer, Zink, Silber und sogar Gold wurden hier abgebaut. Dauerhaft wohnte hier allerdings niemand. Viele der Arbeiter kamen aus Klimpfjäll. 12 Jahre lang wurde das höchstgelegene Bergwerk Schwedens betrieben, 876 Meter über dem Meeresspiegel. 1989 wurde die Grube geschlossen.

Heutige und zukünftige Technologien verlangen Kupfer. Und hier ruht es, tief unter der Erde. So gibt es Pläne die alte Mine über die Winterzeit wieder zu eröffnen.

In der Ferne tauchen Wohnmobile auf. Sie sind aufgereiht wie Perlen einer Kette. Eigentlich lieben wir Natur und Zweisamkeit. Aber wenn hier alle stehen, muss es wohl ein toller Platz sein.

Platz für die Nacht

So halten auch wir auf der Nebenstraße des Hochplateaus Stekenjokk zwischen zwei Seen – Leipikvattnet und Rörsjön. Die zwei Seen sind jetzt nicht zu erkennen. Nur bläulich-grünlich glänzende Flächen deuten auf ihr Dasein hin. Nicht mehr lange, dann ist der Schnee geschmolzen. Und dann kommen die Samen mit ihren Rentieren hier herauf.

Schnell haben wir Tisch und Stühle ausgepackt. Während Robert draußen brutzelt, schnippele ich drinnen Salat. Dann essen wir.

Und während wir Platz genommen haben und unser Essen mit Fernblick genießen, kommt ein Langstreckenläufer vorbei.
Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben? Ein Spaziergang nach dem Essen kann jedenfalls nicht schaden. So mache ich mich auf den Weg.
Schnell werden Menschen und Autos klein. Ich winke zurück und genieße die Einsamkeit im Schnee

Mittsommernacht am Stekenjokk

Es ist spät geworden. Die Sonne steht tief. Mitternacht. Es wird bunt über der weiten ungezähmten Natur. Der Tundra Schwedens. Ich könnte jauchzen vor Freude. Das himmlische Farbenspiel macht mich glücklich. Als die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, wird es empfindlich kalt.

„Bett?“,

fragt mich Robert. Ich schüttele den Kopf. Ich kann nicht schlafen. Und ich will es auch nicht. Ich möchte die „Dämmerung“ erleben. Heute ist der Tag an dem die Schweden Mittsommernacht feiern. Und während Robert sich schlafen legt, mache ich es mir in der Sitzecke bequem.

Und ich muss nicht lange warten. Schnell bin ich wieder draußen neben eMANuela. Fasziniert stehe ich dort. Ich bekomme eine Gänsehaut, aber das liegt nicht an den nächtlichen Temperaturen…

Schweden 2020 – Stekenjokk wild nature

20. Juni 2020
Schweden 2020 – Stekenjokk wild nature

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3 Gedanken zu „Schweden 2020 – Stekenjokk wild nature

  1. Auch ich bekomme Gänsehaut beim lesen diese Berichts und der besten Bilder ever. Wir haben hier 35 grad. Die außergewöhnlichste Abkühlung. Fahrt weiter.

  2. So wunderbare Mittsommernachtsonnenbilder wirst Du wohl so schnell nicht

    wiedersehen!!

    So viel Schnee zu sehen bei 31°, ist ja auch mal lustig!

    Freue mich auf den nächsten Bericht…..

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