Roadtrip nach Lappland

Eigentlich meiden wir Autobahnen. Andere Zeiten, andere Regeln. Corona:  das heißt, schnell Kilometer machen. Hotspots umfahren. Schnell dorthin gelangen wo wenige Menschen sind. Roadtrip nach Lappland 1.500km in einem Rutsch.

Travemünde – Malmö mit der Fähre

Nach der Überfahrt nach Malmö, sind wir abends noch bis Sjöboholm gefahren und haben dort auf einem Waldparkplatz übernachtet. Der Platz liegt dicht an einer Straße, die nachts wenig befahren ist.

Vor der Weiterfahrt am Morgen machen wir uns auf Erkundungstour und gehen zum nahegelegen See. Ein paar Steinhaufen sind auf einem Hügel zu sehen.

„Sjöboholm – Adelswache aufgeben“ so steht es in der Überschrift

Es heißt: die Siedlung stamme aus dem Mittelalter und der Bauernhof wurde erstmal 1574 erwähnt. 250 Jahre war er in Betrieb bis er verfiel. Später hat der schwedische Staat das Gelände gekauft. Bilder gibt es nicht von damals. War es vorher eine Burg?

Der Brunnen ist noch vorhanden. Aber der Stein, den wir hineinwerfen fällt nicht tief
Hier soll einst das prunkvolle Haus gestanden haben- mancher sagt auch Burgruine
Über eine Holzbrücke gelangen wir zu der Ruine

Ich finde ein alte Beschreibung im Netz

Sie lautet:

…eine kleine Brücke führte über den See zu fünf Feldern. Die Holzhäuser besaßen Strohdächer und eine Eiche zierte das Anwesen.

Ich gucke hinaus auf den See. Mit welchen Schwierigkeiten haben die Menschen damals gekämpft. War es eine Burg oder ein Hof? Ich werde es jetzt hier nicht herausbekommen.

Roadtrip nach Lappland

Robert drängelt. Wir wollen weiter. Weiter gen Lappland. eMANuela wartet schon auf uns. Da die Corona Zahlen in Västra Götalands besonders hoch sind, werden wir die gr0ssen Seen – Vänern und Vättern – östlich umfahren.

Und da am Ende des Weges haben wir übernachtet. Siehst du eMANuela.

Die Räder rollen

My turn to drive. Es ist einfach nur gähnend langweilig die Autobahn mit 80km/h runterzubummeln. Radio an. Abba schallt über den Äther. Agnetha Björn, Benny und Anni-Frid schmettern uns „I have a dream“ entgegen. Ich schmettere mit. Blauer Himmel, Birken- und Fichtenwälder ziehen an uns vorbei. Mit Gesang fällt die lange Strecke auf dem Roadtrip nach Lappland leichter. Fahrerwechsel. Gummibärchen und Schokolade wandern in die Figur – das gehört dazu. Die vier Buchstaben sind nach 500 Kilometern platt gesessen. Es reicht für heute.

Kloten – Djurlangen See

An der 233 haben wir einen kleinen Parkplatz an einem See gefunden. Nach dem Aussteigen habe ich noch immer das Surren der Räder, das Brummen des Motors und das Pfeifen des Windes um die Seitenspiegel in den Ohren.

Auspacken – kochen. Nach dem Abendessen erkunden wir unseren Übernachtungsplatz, wandern auf die gegenüberliegende Seite des Sees, der Abendsonne entgegen. Und die scheint jetzt schon lange.

Auf Entdeckungstour
Es ist warm und windstill
Ein Platz in der Sonne
Unser Standort am Djurlangen
Der nächste kleine Ort ist Kloten
Ein Angler zum Sonnenuntergang

Corona in Schweden

Später am Abend hält ein Wagen mit lettischem Kennzeichen auf dem Parkplatz. Ein Mann steigt aus. Während ich am Ufer sitze, angelt er – erfolglos. Wir kommen ins Gespräch. Er kommt aus Riga, war seit drei Monaten nicht bei seiner Familie. Er möchte nach Hause. Und wenn er fährt, muss er zwei Wochen in Quarantäne.

Er schimpft über die schwedische Corona Politik. Er ist traurig, dass so viele alte Menschen in Schweden gestorben sind. Er ist deprimiert. Irgendwie wird man das Thema auch im Urlaub nicht los. Wie auch – ein Virus erobert die Welt.

Der nächste Morgen: weiter gen Norden

Das gefällt mir. In Schweden ist das Fahren an sich total entspannt. Niemand drängelt, fährt dicht auf, hupt oder schimpft. Blitzer werden rechtzeitig angekündigt und sind keine leeren Versprechungen. Und wer meint, zu schnell fahren zu müssen, kann ordentlich blechen – 20 km/h = 250€.

Blitzer werden angekündigt
Und tatsächlich ein paar Meter weiter steht das Gerät, zu 100% verlässlich

Hilfe – schweißnasse Hände

Allerdings gibt es auch Situationen, die ich gar nicht entspannt finde. Vor uns befindet sich ein Schwertransport mit Extrabreite. Die Straße ist zweispurig. Unsere eMANuela ist 2,50m breit. Das sind für mich gefühlt gerade einmal fünf Zentimeter weniger, als die gesamte Straßenbreite. Also nicht überholen, dem Schwertransport folgen? Ich bin da echt ein „Schisser“.

Doch nach ein paar Minuten bin ich es Leid, dem Koloss hinterherzutrödeln und setze zum Überholen an. Eine Herausforderung für mich. Die Leitplanke links neben mir ist zum Greifen nahe. Meine Finger sind um das Steuerrad gekrallt. Entspanntes fahren sieht anders aus. Der rechte Seitenspiegel ist verdächtig nahe am Nebenfahrzeug.

Wenn es rutschen könnte, wäre mein Herz gerade in die Hose geplumpst. Ich habe Muffen. Mein Blick ist starr geradeaus gerichtet. Irgendwie dauert es ewig, bis wir vorbei sind.  Geschafft! Puh. Ich hab’s geschafft. Irgendwann wird auch das Routine sein. Übung macht den Meister.

Roadtrip nach Lappland – weitere 500km geschafft

Zeit für die nächste Übernachtung.  Wir sind bei Galtström. Auch Stockholm haben wir weiträumig umfahren. Bevor wir uns zur Nachruhe begeben, benötigt eMANuela noch ein wenig Pflege. Zwei Tanks sind voll. Blackwater – zu deutsch „Fäkalien“ und Greywater = Spül- und Duschwasser, müssen entsorgt werden. Und ein Tank ist fast leer. Wir benötigen dringend Frischwasser.

Ein schwedisches Pärchen kommt vorbei und bewundert eMANuela. Sie geben uns den Tip, bis zum Ende des Sandweges zu fahren, dort gäbe es einen schönen Stellplatz. Gehört – getan.

Eine super Entsorgungs- und Frischwasserstation – sauber und kostenlos
Der empfohlenen Stellplatz für die heutige Nacht

Abendliche Erkundungstour

Wir stehen mit ein paar WoMos am Ende eines Sandweges in einem Rondell am Meer. Der Platz ist sauber, super gepflegt und ruhig. Und kostenlos dazu.

Nach dem abendlichen Grillen gehts auf Entdeckungstour.

Auf Besichtigungstour

Galtström-Trolle

Wünschst Du Dir auch manchmal, an einem Ort für immer bleiben zu können, wenn es besonders schön ist? Nach dieser Geschichte solltest Du es Dir zweimal überlegen ;-).

Auf so einem Roadtrip nach Lappland begegnen einem viele Geschichten. So auch diese:

Eine Trollfamilie – Vater, Mutter, drei Kinder – lebte viele 1000 Jahre nach der Eiszeit in Galtström. Es gefiel ihnen, sie waren glücklich und zufrieden. Eines Tage kam ein König und wollte sie vertreiben, um selbst dort zu wohnen.

Die Wunschquelle

Der Vater nahm seine Familie mit zu einer bekannten Wunschquelle „Lubbanviken“. Er warf eine Münze hinein und wünschte die fünf könnten für immer vor Ort bleiben. Und sofort verwandelte sich die Familie in große Steine. Ich habe sie gesehen. Sie stehen noch heute dort.

Und da stehen sie nun – für immer

Und wenn Du ganz leise bis an diesem Ort, kannst Du vielleicht einen befreundeten Troll der Familie entdecken, der sie gerade besucht.

Roadtrip nach Lappland

Der nächste Morgen ist bedeckt. In der Nacht hat es geregnet. Weiter geht’s gen Lappland immer an der Ostsee entlang – E4. Am Abend sind weitere 450 km geschafft. Wir halten kurz vor Skelleftea, auf einem kleinen Parkplatz an der Straße – Ytterviksfjärden.

Heute Abend kommen Steak, Möhren, Kartoffeln und Salat auf den Teller. Wir setzen uns an einen Picknick Tisch mit Blick auf das seichte Wasser – herrlich. Schwäne ziehen ihre Runden. Boote mit Anglern dümpeln entlang des Wasser. Kaum ein Birkenblatt bewegt sich an den ufernahen Bäumen.

Dieses Mal gibt es eine kleine Station mit einen Mülleimer und einer Registrierung auf unserem Übernachtungsplatz. Du trägst Deine Autonummer auf einem Zettel ein, legst umgerechnet sieben Euro mit dem Zettel in einem Umschlag und steckst das ganze in eine Box. Wie ich finde, eine faire Sache. Einziger Nachteil des Platzes ist die Straßennähe.

Ein wenig spielen mit der Drohne

Da es windstill ist und wir allein auf dem Platz sind, holt Robert sein Spielzeug heraus. Ich beobachte die Drohne skeptisch, ist sie uns auf Island doch fast abhanden gekommen.

Robert spielt mit der Drohne

Aber herrlich sind sie schon, die Bilder von oben. Geben einen Eindruck, den ich selbst vom Ausblick auf eMANuelas Dach nicht habe.

Ein herrlicher Blick über das Wasser
Unser Stellplatz für die Nacht
Die „Drohnen-Resultate“ werden begutachtet
…und ich bin mal wieder auf dem Dach

Es wird kalt – es wird dunkel

So ein Tag mit eMANuela macht müde. Ich empfinde es als viel anstrengender, einen Truck zu fahren, als unseren Landy. Zwar kommt langsam ein wenig Routine dazu, dennoch bedarf es für mich noch immer mehr Konzentration das Gefährt sicher durch die Lande zu steuern.

Zeit ins Bett zu gehen.

Roadtrip nach Lappland

Der nächste Morgen. Frühstück, packen – weiter. Wir sind im Drive-Fieber und bemerken gar nicht, dass wir in Schwedisch-Lappland angekommen sind.

Das bemerken wir erst, als wir in Gammelstad halten und in einem Flyer eine Karte sehen. Unser gestriger Übernachtungsort ist der südlichste Punkt von Schwedisch Lappland.

Vier Tage sind vergangen seit wir in Malmö gestartet sind. Vier Tage, in denen wir nicht mehr als einem Dutzend Menschen begegnet sind.

Und dann erreicht uns die Nachricht von zu Hause, dass Schwedenurlauber in Quarantäne gehen sollen. Kein Kommentar zur derzeitigen Corona-Politik. Warten wir ab, was bis dahin passiert.

Gammelstad

Lappland – wir sind da. Zeit, die Bremse zu ziehen – slow down – Zeit, die Tageskilometer zu reduzieren. Zeit, die Landschaft zu genießen. Zeit, in die Kultur einzutauchen. Wie sagte schon Humboldt:

„…die heilende Kraft Lapplands im Sommer spüren…“

Wir parken und steigen aus in der Kirchstadt Gammelstad mit den vielen kleinen Holzhäuschen.

Wir sind in Lappland

Mehr zu Gammelstad gibts im nächsten Beitrag.

Roadtrip nach Lappland

Juni 2020
Schweden 2020 – Roadtrip nach Lappland

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6 Gedanken zu „Schweden 2020 – Roadtrip nach Lappland

  1. moin, nun habe ich endlich den Überblick, wußte ja nicht, dass du so
    fleißig schreibst!
    Einfach herrlich diese vielen Seen, sieht nach viel Ruhe aus.
    Weiterhin gute Fahrt und Gruß.

  2. Welcher Kontrast: 30 grad in nrw und diese Abenteurer stapfen durch Schnee. Diese Tour ist äußerst interessant und wir können sie dank Kirstens guter Berichterstattung miterleben. Großen Dank dir und weiterhin gute Reise. Elisabeth Stüer.

  3. Hier gibt die liebe Nachbarin seit einer Stunde Posaunenunterricht. Der eigentliche Übungsraum ist wegen Corona noch geschlossen. Man gewöhnt sich auch daran.Der Garten ist in voller Pracht und der Rahmen wird von euren Wasser- und Waldbildern gebildet. Liebe Kirsten, du zeigst uns die Schönheit des Nordens. Danke.Eli

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