Reisen mit Corona

Wohin fahren wir? Die geplante Ostseeumrundung können wir vergessen. Reisen mit Corona – zwischen Realität, Verleumdung und übertriebener Vorsicht? Man, ich bin genervt! Unser erster Tripp mit eMANuela soll doch nicht ins Wasser fallen.

Die Entscheidung ist gefallen – Reiseplanung anders

Wir fahren nach Schweden. Von:

„Wie könnt ihr nur“, „Steckt euch bloss nicht an“, „Das ist gefährlich“, „Das ist aber nicht erlaubt“

über:

„Oh, wie schön“, „Ihr habt es gut“, „Dass ihr euch das traut“

bis:

„Ich will auch“, „Ich will mit“, „Viel Spass und tolle Reise“

war an Sprüchen alles dabei.

Ich gebe zu, es war eine andere Reiseplanung. Die Vorfreude bei mir war nicht wie sonst. Und ein wenig Skepsis war mit an Bord. Sonst haben wir nur die notwendigsten Lebensmittel mitgenommen, um vor Ort Heimisches zu kaufen. Dieses Mal habe ich überlegt, was wir einkaufen sollen, damit wir möglichst lange NICHT vor Ort einkaufen müssen.

Sonst habe ich auch mal einen Hotspot heraus gesucht. Dieses Mal habe ich Strecken gesucht, an denen möglichst keine Menschenansammlungen zu erwarten sind. Und Großstädte? Die haben wir meist sowieso gemieden. Jetzt werden wir sie extra großräumig umfahren.

Und wo sind die Corona Hotspots in Schweden? Stockholm und Västra Götalands sind besonders betroffen. Wir haben vor nach Lappland hoch zu fahren. Direkt.

Finnlines: Travemünde – Malmö

Da wären wir. Und pünktlich strahlt die Sonne vom Himmel. Langsam kommt ein Fünkchen Urlaubsstimmung auf.

Reisen mit Corona

So schnell sind wir noch nie auf einer Fähre gewesen. Wenn ich da an die Hinfahrt nach Island denke, ist das hier ein Träumchen. In Null Komma nix sind die ungefähr 20 Personenfahrzeuge aus sieben Nationen im Bauch der Fähre verschwunden. Selten habe ich so viele LKWs bei einer Verladung gesehen.

eMANuela wartet auf ihre erste Fahrt mit einer Fähre. Ein bisschen schlechtes Gewissen habe ich schon – der Landy steht traurig in der Garage
Das ist die  überschaubare Gruppe von „Personenwagen“
Ab in den Bauch des Kolosses
Wir werden eingewiesen
Neben dem Eingang und dazu noch im Bug – wie praktisch, da sind wir schnell ein uns ausgestiegen und wieder von der Fähre runter

Wir laufen aus

Immer wieder schön in Travemünde auszulaufen. Normalerweise: Reges Treiben. Doch heute: Leere Strandkörbe. Kaum Menschen auf der Promenade. Wetter oder Corona?

Travemünde zählt zu den größten Fährschiffhäfen Nordeuropas
Idyllische Landschaft an der Trave – nur das Maritim empfinde ich als echte Bausünde

Reisen mit Corona – den ganzen Tag den Gesichtsbikini auf. Davor hat mir auf der Fähre gegraut. Aber so ist es gar nicht. Keine Tragepflicht. Gut oder schlecht? Sollte nicht jeder verantwortlich handeln ohne Zwang?

An Bord – Reisen mit Corona

Erst als wir zum Frühstück gehen, gibt es einen Hinweis auf Händedesinfektion und die bekannten Abstandsregeln, Striche auf dem Fußboden. Einige Passagiere tragen Masken, andere nicht. Alle halten Abstand. Kein Können bei den wenigen Personen auf der Fähre.

So sieht ein Corona Frühstücksbüffet aus
Man nehme eine Tüte, einen Teller, ein Besteck und ein Glas
Der Inhalt ist überschaubar und der Hunger treibts rein

Ansonsten nix los auf der Fähre. Außer dem kleinen Dutyfree Shop, der Bar und dem Restaurant ist alles geschlossen. Und was auf hat, hat nur kurz auf – stundenweise.

Die Toiletten sind anfangs sauber, aber Kontrollen scheint es nicht zu geben. Desinfektionsmittel? Hier Fehlanzeige. Zum Glück habe ich alles dabei. Türklinken bedient ich mit dem Ellenbogen.

Auch Trucker reisen mit Corona

Die Trucker freuen sich wohl, den ein oder anderen Kumpel wiederzutreffen. Lauthals wird diskutiert, in Gruppen sitzen viele zusammen. Hoch die Tassen, das Bier rinnt durch die Kehlen – für eine Stunde. Dann sind die meisten verschwunden. Wohl zum Schlafen.

Und zum späten Nachmittag tauchen sie wieder auf. Sitzen und stehen in Gruppen zusammen, diskutieren und lachen lautstark. Was sind schon Abstandsregeln. Warum soll ich dem Kumpel die Hand nicht geben? Die Trucker scheren sich jedenfalls nicht um Corona.

Urlaubsfeeling stellt sich ein

Mir egal. Wir halten Abstand. Langsam entspanne ich mich. Liege draußen auf einer Holzsitzbank. Lasse mir die Sonne auf den Pelz brennen. Ich weiß ist ungesund. Egal. Ich döse vor mich hin.

Das gibt ’ne rote Nase – Sonne auf der See

Fetzen von Gitarrenklängen eines holländischen Jugendlichen treiben durch das Brummen der Motoren herüber. Dieselgeruch. Möwen kreischen. Die See ist ruhig. Ich fühle die seichte Brise auf meiner Haut.

Robert liegt neben mir auf der Bank. Geniesst Sonne & Seeluft und hält ein Nickerchen.

Reisen mit Corona
Unser Appartement auf See heute: draußen – das Wetter spielt mit – die Ecke ist windgeschützt

Öresundtbrücke

Es ist Abend. Die Sonne hat sich gesenkt, als die schwedische Flagge vor der Öresundbrücke gehisst wird. Tief steht Helios über Kopenhagen und strahlt Malmö an – wir sind fast da.

Richtung Malmö
Richtung Kopenhagen
Kurz vor der Brücke schwebt die schwedische Flagge hinauf
Die Passagiere halten Abstand

Wir sind da – warten

Wer kennt es nicht. Wann öffnet sich das Deck zu den Fahrzeugen endlich? Meist steht dann Mensch an Mensch gedrängt. Heute: mit Abstand – zuerst. Robert und ich holen unsere Masken heraus – wer weiß, wer da hustet. Es geht los.

Ob auf  der Treppe oder im Fahrstuhl, kaum jemand schert sich mehr um Abstandsregeln – besonders den Brummifahrern scheint’s völlig egal zu sein. Von den „Reise-Passagieren“ tragen die meisten Masken.

Runter vom Schiff

Yuppi – wir sind in Schweden

God kväll Sverige – guten Abend Schweden. Ausschiffen – eMANuela darf wieder an Land. Der Motor brummt, die Räder rollen, hinaus aus Malmö, hinaus in die weite schwedische Natur. Möglichst keinen Menschen treffen.

eMANuela braucht noch AdBlue – kurzer Stopp an der Tankstelle. Alles geht mit Karte. Kontakt nicht notwendig

AdBlue

Wer es nicht kennt. Mit dem  Zusatz AdBlue wir bei Diesel-Fahrzeugen der Ausstoß an Stickoxiden reduziert. Wieso? Das hat sich die Regierung in der Abgasnorm 6 festgelegt – Umweltschutz.

AdBlue besteht zu 32% aus Harnstoff, der Rest ist demineralisiertes Wasser. Die Kosten für das Gebräu variieren zwischen 50 Cent und einem Euro pro Lister.

Und wieso wir jetzt so spät noch AdBlue tanken? Tun wir es nicht und ignorieren die Warnung der Bordelektronik, fährt eMANuela nur noch „gebremst“ – Schritttempo.

Ab in die Natur

Herrlich wieder unterwegs zu sein. Zwar waren wir Herbst 2020 in Marokko, aber ich kann gar nicht oft genug weg sein – reisen.

Und dann ist es wieder da. Das Gefühl von Freiheit. Das Gefühl der Unabhängigkeit. Ein Gefühl von Dankbarkeit und Zufriedenheit. Zu erleben, was wir erleben. Und das kann auch das Reisen mit Corona nicht verderben. Hoffe ich.

Bein unserer Ankunft steht Nebel über Straßen und Feldern
Der rote Ball steht tief am Himmel, wir suchen einen Platz für die Nacht
Schnell noch ein einfaches Abendbrot und dann geht’s ab in die Koje – herrlich – Lappland wir kommen

Reisen mit Corona

Juni 2020

 

Schweden 2020 – Reisen mit Corona

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