Laponia – Wilde Schönheit

zauberhaft und rau. Mitternachtssonne und unendliche Weite. Urige Wälder, geheimnisvolle Moore, wilde Tiere, widerspiegelnde Wasserflächen – das ist Laponia

Wir sind angekommenen im Naturum, dem Informationszentrum über den Nationalpark Nordlapplands – Laponia. Tatsächlich, es hat trotz Covid-19 geöffnet. Außer eMANuela steht ein weiteres Fahrzeug auf dem Parkplatz. Wir wandern los. Nach 300 Metern erreichen wir ein ovales Gebäude mit einer Holzfassade.
Karte Laponia
Ein weiteres Fahrzeug steht auf dem Parkplatz als wir ankommen
Es gibt etwas zu lesen – erste Infotafeln geben einen groben Überblick
300 Meter sind es vom Parkplatz bis zum Naturum
Angekommen am Naturum

The gateway to the World Heritage Area – Laponia

Am Eingang: Desinfektionsmittel, Abstandsregeln – wie jetzt üblich. Die Schuhe bleiben draußen. Das erinnert mich ein wenig an Schlossbesichtigungen, bei denen der Marmorfußboden geschont werden soll.  Hier soll nur der Dreck draußen bleiben. Außerdem ist es ist bei den Samen Tradition, die Schuhe auszuziehen.
Schweden 2020
Die Wanderstiefel haben Pause
Die Filzpantinen erinnern mich an Schlösser mit Marmorboden
Tafeln, Exponate und Plastiken im Besucherzentrum, beschreiben uns die Geschichte der Region im Wechsel der Jahreszeiten, sowie die Beziehung zwischen den Samen und ihren Rentieren.
Schweigend, staunend lese ich mich durch die Ausstellung, drücke hier und dort einen Knopf. Laute durchbrechen die Stille. Rentierlaute, Motorsägen, Wasserfälle, Vogellaute, das Rauschen der Blätter im Wald, das Klingeln der Glocken der Rentiere, Gesänge der Samen, das Prasseln eines Lagerfeuers. Laute, die Gelesenes zu Bildern im Kopf werden lassen. Die Zeit vergeht wie im Flug.
Die Ausstellung ist nicht groß, aber vollgepackt mit Informationen
Sehen, hören, lesen

Laponia wurde 1909 gegründet

Erst 1996 wurde der Park als Welterbe deklariert. Laponia besteht aus verschiedenen Regionen und gehört zu Europas größter weitestgehend unbeeinflusster Wildnis. 9.400 Quadratkilometer umfasst das Gebiet. Zwei Naturschutzgebiete, vier Nationalparks und neun samische Gemeinden liegen in dieser Region.

Die vier Naturparkregionen von Laponia

Der Park den ich gerne besucht hätte, ist für uns leider unzugänglich. Zu viele Eisschollen treiben noch auf dem Wasser und er ist nur mit Fähren über den See Áhkkájávrre erreichbar.

Der Park mit 2000 Meter hohen Bergen und fast 100 Gletschern beherbergt sieben der dreizehn höchsten Berge Schwedens. Ohne markierte Wanderwege und Hütten – „back to the nature“

  • Muddus Nationalpark

Davon später mehr, dort werden wir noch hin fahren.

In diesem Teil befinden wir uns gerade. Der samische Name: Stuor Muorkke bedeutet „Land zwischen zwei Seen und Flüssen“.

Das Sumpfvolk

Samek oder Sabme, so bezeichnen sich die Samen selbst. Und das bedeutet Sumpfvolk. Die Bezeichnung „Lappe“ wird als unhöflich, gar negativ empfunden.

Seit tausenden von Jahren leben sie hier. Hier in dieser wilden und rauen Natur. In Großfamilien lebten sie damals zusammen. Die vom Fischfang lebenden waren sesshaft. Die Familien, die Jagd oder Rentierzucht betrieben lebten nomadisch, zogen mit ihren Zelten dorthin, wo es Nahrung gab.

„Fleischjagd“ – für die lange dunkle Zeit werden Vorräte an Elchfleisch angelegt

Das Leben der Sami verändert sich

Nun stehen oft Kabinen an den Stellen, an denen einst die traditionellen kegelförmigen Goahte-Zelte der Sami standen. Oder es wird ein Goahte-Zelt gekauft, das verpackt und mitgenommen werden kann. Vor dem Naturum sehen wir ein traditionelles Zelt. Auch der Bau der traditionellen Behausungen wird erklärt.

Bild aus dem Naturum

Vom Ski zum Schneemobil in Laponia

Eine der bekanntesten Errungenschaften der Sami ist wohl der Ski. Der älteste Fund der Holzbretter in Schweden stammt aus einem Moor bei Hoting. 4.500 Jahre alt soll das 1,10 cm lange und 10 cm breite Brett sein. Heute, dank moderner Technik, geht es mit Motorkraft über den Schnee. So sind die Sami wohl auch die einzigen, die den Nationalpark im Winter mit ihren Schneemobilen befahren dürfen, um ihre Rentierherden zu hegen und zu bewirtschaften.

Waffeln mit Moltebeeren und Lemmel Kokaffe

Das Input reicht – mehr kann ich nicht aufnehmen. Mir schwirrt der Kopf von all den Informationen und Eindrücken von damals bis heute.
Am Ende des Rundgangs gönnen wir frische Waffeln, dazu Lemmel Kokaffe – das schwarze Gold Lapplands.
„Das ist die Kaffee Spezialität hier in Lappland“,
erzählt uns ein junger Schwede mit langen dunkelblonden Haaren und Rauschebart. Er fährt fort:
„Er ist stark und schmeckt ein wenig salzig.“
Ich als nicht Kaffeetrinker möchte auch probieren. Robert bestellt extragroße Kanne zu unseren Waffeln dazu. Alter Schwede, der hat’s in sich. Stark und dunkel. Aber das brauchen die Lappen hier oben, hinter dem Polarkreis, in den langen dunklen Wintertagen bestimmt auch.

Wir sitzen draußen auf der großen Holzterrasse und genießen Essen, Panorama und Sonne. In der Ferne rauscht ein Wasserfall.

Schwedische Waffeln mit Moltebeeren und Sahne

Weiter geht die Reise

Als ich mich mit den Worten:

“You do have a wonderful place for work“,
verabschiede, nicken die zwei Jungs einstimmig und wie aus einem Munden kommt:
„The best place for work“.
eMANuela steht verwaist auf dem riesigen Parkplatz des Naturums

 

Der Motor brummt, die Räder rauschen über den Asphalt. Nach ein paar Kilometer halten wir wieder und folgen dem Rat der Jungs, uns den Wasserfall anzusehen. Über Stock und Stein, über Schneefelder und Felsplatten.
Da wollen wir hin
Weich, federnd geht es sich auf dem mit Gräsern bewachsenen moorig riechenden Untergrung
Da müssen wir rüber
Leberblümchen blühen zwischen den Felsen
Auf dem letzten Stück zum Wasserfall weisen gelbe Punkte den Weg über die Felsen
Schon aus der Entfernung hören wir das mächtige Getöse des Wassers. Schließlich gelangen wir an den Wasserfall – auf schwedisch: Stuormuorkkegårttje. Robert verschwindet aus meiner Sicht. Ich bleibe lieber zurück von den schroffen Abhängen.
Auf dem Bild sieht es gar nicht steil aus, in Wirklichkeit war es das schon
Tosend rauscht das Wasser zwischen den schmalen Felsspalten hindurch

Stora Sjöfallet Nationalpark

Fichten- und Birkenwald, Kiefern und Sümpfe dominieren hier die Landschaft. Große Teile des Geländes sind sehr unzugänglich. Bekannt ist der Park für sein artenreiches Vogelaufkommen, wie beispielsweise: Rotschenkel, Flussuferläufer, Singschwäne, Adler und weitere Raubvögel.

„The road will be rough“

Das waren die Worte der Jungs im Naturum, als wir ihnen erzählt haben, dass wir den Weg bis Ritsem fortsetzen wollen. Das ist die letzte Spitze von Laponia Richtung Norwegischer Grenze.
Und wieder ein kurzer Fotostopp
Tatsächlich wird die Straße schmaler. Schlaglöcher, Risse und Wellen häufen sich. Ich stelle den Tempomaten auf 30 km/h – eMANuela arbeitet sich hopsen die Berge rauf und runter. So eine Automatik, dazu ein Tempomat, das ist schon praktisch. Das ist das Geländefahren beim Landy – wie unsere Wüstentour in Marokko – doch richtig Arbeit.
Die Sonne brennt vom Himmel – wir stehen im Schnee
Auch eMANuela geniesst den Ausblick 😉
Ein Hauch von Winter, den wir nicht hatten
Weiter geht die Reise – ein Ren trottet über die Straße

Es hat sich zugezogen

Auf dem See – Áhkkájávrre – schwimmt noch Packeis. Wir erreichen Ritsem und somit das Ende dieser Straße. Wir halten oberhalb des Dorfes. Ein prima Platz für eine Übernachtung. Der Abend ist bewölkt. Böse stehen dunkle Wolken später wie graue Türme über den Bergketten. Aber hier und dort lassen sie die Sonne durch, die die Berge grell in der Mitternachtssonne leuchten läßt.
Ein Platz für die Nacht
Abendstimmung Laponia
Mitternachtssonne
In der Nach beginnt es zu regnen. Gemütlich, wenn die Regentropfen auf das Dachfenster trommeln und ich weiss, dass ich trocken liege.

Dauerregen am nächsten Morgens

Wir trödeln herum, besprechen die Route für heute, fahren erst gegen 12:00 Uhr los. Wir wollen heute Abend in der Nähe des Muddus Nationalparks übernachten.
Der Morgen ist frisch und nass
Heute Mittag fährt Robert und ich verdrehe mir den Hals. Die Landschaft zeigt sich in einem ganz anderen Licht als gestern. Der Regen wird weniger.
Ups, hinter der nächsten Kurve fahren wir in eine Nebelwand
Der schmale Weg windet sich zwischen Geröll und Hang hindurch
Das Wetter erinnert gerade an unseren Island-Urlaub. Die Wolken hängen tief und der Boden scheint zu dampfen. Bergbäche sprudeln den Hang hinab, Wasserfälle stürzen die Felswände hinunter.
Die tief hängenden Wolken ziehen nach oben ab
Kleine Bäche sind zu reißenden Flüssen geworden
Blauer Himmel blitzt durch den Wolkenschleier und um 13:45 Uhr strahlt die Sonnen wieder vom Himmel.
Bewegen? Naja, ok, wenn es sein muss… Die Szene wirkt wie eine Fotomontage
Bist Du Rudolph?
Auch der Wind hat sich gelegt

Ein Pajero überholt uns

Wir sind zurück auf einer „größeren“ Straße und hin und wieder ist sogar jemand unterwegs. Meist sind die Schweden geduldige Autofahrer und heizen nicht. Aber hinter uns scheint es jemand eilig zu haben. Schwups ist er vorbei.
Der Wagen der uns eben so schnell überholt hat, steht nun am Straßenrand. Ein Mann ist ausgestiegen und bedeutet uns zu halten. Er scheint ziemlich aufgeregt zu sein. Er deutet auf eMANuela und fragt: „Is this a Bliss-Mobil?“ Naja, eigentlich ist es eher ein Feststellung. Er möchte sich eine Kabine kaufen und plant sie gerade. Seine Augen leuchten und er sagt: „Ist schon was anderes in der Realität, als im Internet.“
eMANuelas Geheimnisse werden genaustens erforscht
„Ist schon etwas anderes als im Internet“, sagt der Däne zu uns
Er möchte die Kabine besichtigen. Wir verbringen fast eine Stunde mit ihm am Straßenrand. Er schaut sich alles an und wir beantworten ihm seine Fragen. Dann brummen wir weiter gen Mudus Nationalpark – Laponia.

Ein Platz für die Nacht

Nach kurzer Zeit sind wir in der Nähe des Mudus NP angekommen. Morgen wollen wir im Mudus wandern und suchen uns nun in der Nähe einen neuen Schlafplatz. Inzwischen ist es trocken. Von breiten Straßen geht’s nun wieder auf schmale Straßen und am Ende eines Sandweges finden wir einen herrlichen Platz für die Nacht.

Sind das nicht herrliche Farben nach dem Regen? Die Luft ist klar, das Herz jubiliert
Immer schmaler werden die Straßen
Ein Platz für die Nacht ist gefunden

Ein Steingrab am Lilla Luleälven

Ich sehe ein Schild neben unserem Übernachtungsplatz. Hier in der Nähe soll es ein antikes Steingrab geben. Das möchte ich natürlich sehen, aber dazu mehr im nächsten Beitrag. Für heute: Hejdå – aus Schweden.

Für heute – goodbye aus Lappland

Schweden 2020 – Laponia UNESCO Welterbe

Juni 2020
Schweden 2020 – Laponia UNESCO Welterbe

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2 Gedanken zu „Schweden 2020 – Laponia UNESCO Welterbe

  1. Diese Naturparks sind ja atemberaubend, dazu menschenleer. Man kann sie auf sich einwirken lassen, und ihr habt das richtige Fahrzeug für diesen Teil von Schweden. Eine sicherlich unvergessliche Reise.

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