Wir stehen am Fluss Lilla Luleälven. Von dort nehme ich Dich heute mit auf eine kleine Wanderung durch die Natur, hin zu einem 7.000 Jahre alten Steingrab. Und am Schluss des Beitrages gibt’s ein bisschen Schweden von oben und Informationen zu den schwedischen Drohnen-Gesetzen.

Ein Schild weist auf ein Steingrab hin

Beginnen möchte ich mit dieser kleinen Illustration. So kannst Du Dir einen Überblick verschaffen wo wir sind.

Karte vom Nationalpark Laponia im Norden Schwedens, in Lappland

Gestern waren wir im Naturum (Dem Gebäude mittig der Karte) und haben uns über den Laponia Nationalpark informiert. Übernachtet haben wir in Ritsem (westlich) und sind nun an das östliche Ende des Parks gefahren. An unserem heutigen Übernachtungsplatz finden wir ein Schild, das auf ein Steingrab hinweist.

Ich habe ein paar kleine Bilder eingefügt zum besseren Verständnis

Westlich das Steingrab im Wald, mittig unser Stellplatz, östlich das begrünte Flussufer und gegenüber reicht die Waldkante bis an den Fluss

Auf geht’s

Wir begeben uns in den lichten Fichtenwald

Ein schmaler Pfad windet sich durch den dicht mit Preiselbeer-Büschen bewachsenen Untergrund. Insekten summen herum, Vögel zwitschern. Sonnenstrahlen fallen durch die Nadelkronen. Schäfchenwolken ziehen über den Himmel. Mücken fallen über uns her. Die kleinen Plagegeister machen mich wahnsinnig.

Natürlicher Mückenschutz

Ich habe gelesen, dass eine Pflanze gegen die blutrünstigen Insekten helfen soll. Nun müssen wir sie nur noch finden.

Sie nennt sich Sumpfporst und gehört zu den Heidekrautgewächsen. Wie der Name schon sagt, wächst die Pflanze in sumpfigen Gegenden. Und so ist sie in Deutschland wegen der Trockenlegung vieler Moore,  vom Aussterben bedroht und steht auf der roten Liste der gefährdeten Pflanzen.

Probieren solltest Du sie auch nicht. Sie ist giftig und führt zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und rauschartigen Zuständen. Früher wurde sie zum Bierbrauen verwendet, verstärkte die Wirkung des Alkohols und machte das Bier haltbarer. Heute ist das natürlich verboten. Zu Urzeiten versetzten sich Schamanen und Propheten mit diesem Kraut in Trance.

Und gegen Mücken ist der Sumpfporst tatsächlich eine Hilfe. Wenn Du die weißen Blüten zwischen den Fingern zerreibst, verströmen sie einen starken Duft, den die Mücken nicht mögen. So reiben wir uns damit ein, so wie es die Urbevölkerung in Lappland schon lange macht. Es hilft. Die Mücken lassen mich auf dem weiteren Weg zum Steingrab in Ruhe.

Ein Haufen Steine

Dann sind wir da. Das soll ein Steingrab sei? Ich bin enttäuscht. Doch bei längerem Hinschauen erkenne ich die rechteckige Form des Grabes. Und wenn ich mir vorstelle, dass es über 7.000 Jahre alt ist, weicht die Enttäuschung Respekt und Andacht. Hier hat jemand vor sooooo vielen Jahren einen geliebten Menschen begraben.

Wir stehen am Steingrab

Das Steingrab ist einzigartig

Etwa ein Dutzend dieser prähistorischen Gräber gibt es in der Region Norrbotton. Sie sind sogar einzigartig für Nordeuropa. Dieses Steingrab wurde nicht aufgegraben, sondern Archäologen haben Proben entnommen. Sie fanden Sand mit rotem Ocker vermischt. Verbrannte Eisenerde. Das ist das Charakteristikum dieser Steingräber. Und alle liegen sie an Flussmündungen in der Nähe des Meeres. Denn auch vor 7.000 Jahren war hier eine Mündung ins Meer.

Ich hocke mich hin und streiche über die verwitterten rauen Steine. Ich stelle mir vor, wie die Menschen respektvoll um das Grab standen. Wie sie Perlen als Hochachtung in das Grab legten. Wie sie die tote Person mit einem Tuch zudeckten, damit der orange Sand nicht Nase, Mund oder Augen direkt bedeckte.

Und der Tod war etwas, was früher nicht gemieden wurde. Er war natürlich. Er gehörte zum Leben dazu. Die Gräber befanden sich in den Wohnsiedlungen. Das beweisen Funde von Wohnungen, Kochstellen mit spröde verbrannten Steinen und Werkzeugen aus Stein oder Knochen.

So mag es damals ausgesehen haben bei der Beerdigung

Das Steingrab hat mich in seinen Bann gezogen

Meine Gedanken stecken fest in der Steinzeit. Ist es der ockerfarbene Sand, der auf der Zeichnung gerade in das Grab gegeben wird? Ist das eine Schamanin? Hat sie sich mit Sumpfporst in Trance versetzt und singt gerade? Kurzlebig war die Zeit vor 7.000 Jahren, mit einer Lebenserwartung von 30 – 40 Jahren. So kurz. Meine Beine sind ganz steif geworden in der Hocke, schmerzen. So ist das mit über 50 Jahren. Die Realität hat mich zurück. Robert ist schon weiter gegangen. Noch einmal schaue ich auf das Grab und die Zeichnung der Grabszene. Dann ziehe auch ich weiter.

Wir machen uns auf den Rückweg zu eMANuela

Meine Augen habe ich auf den Boden geheftet. Je länger ich schaue, desto mehr kleine Pflanzen sehe ich, die ich unbedingt Foto muss.

Sind das Preiselbeeren? Ich stecke eine Beere in den Mund. Iiiigit, im hohen Bogen verlässt sie meinen Mund wieder. Die Preiselbeeren in meinem Garten sehen anders aus. Sie sind nicht so bitter. Weißt Du welche Beeren das sind?
Interessant sehen die Flechten auf den Steinen aus
Kaum 5 mm groß sind dieses Pilz ähnlichen Gebilde in den Flechten
Autsch! Etwas beißt mich. Während ich fasziniert auf die Mikropflanzen schaue, stehe ich an einer Waldameisenstraße. Auf meinen Wanderstiefeln und in meiner Hose herrscht reges Treiben.
Rosmarinheide nennt sich dieser kleine Zwergstrauch mit der filigranen Blüte
Hast Du vielleicht einen Namen für mich?
Dann kommt unser Stellplatz wieder in Sicht
Wir machen es uns gemütlich

Drohnen – Regeln und Gesetze in Schweden

Nach dem Abendessen wollen wir unsere Drohne in den Himmel schicken. Das ist in Schweden nicht überall erlaubt und gewichtsabhängig. Prinzipiell benötigst Du für Drohnen unter sieben Kilogramm keine Genehmigung. In Naturschutzgebieten sind Drohnen tabu. Natürlich darfst Du keine anderen Personen, Tiere oder Gegenstände gefährden/beschädigen.

Lässt Du Deine Drohne in der Nähe eines Flughafens starten, müssen mindestens fünf Kilometer Abstand gewahrt werden. 

Wenn Du innerhalb einer Kontrollzone fliegen möchtest, dann ist das ohne Sondergenehmigung möglich, solange die Drohne nicht schneller als 90 km/h fliegt, maximal 50 Meter über Grund fliegt und einen Mindestabstand von fünf Kilometern zur Start-/Landebahn des Flughafens einhält. Rund um Militärflughäfen darf Deine Drohne nur zehn Meter aufsteigen. Mehr Infos zu Drohnen Regeln findest Du hier.

Während Robert die Drohne fliegen lässt, inspiziere ich das Ufer
Langsam wird eMANuela klein
Ein Blick den Fluss hinunter

Der Ruf der Schwäne

Es ist spät geworden die Sonne steht tief am Nachthimmel. Ja, Nachthimmel Du hast richtig gelesen. Denn Dunkel wird es hier oben hinter dem Polarkreis in der nächsten Zeit nicht. Die Sonne taucht die Natur in ein wundervolles Licht. Und dann kriechen Schatten langsam über den Fichtenwald und die Sonne verschwindet.

Kein Wind regt sich, kein Blatt bewegt sich

Es ist Mitternacht. Robert ist im Bett. Ich kann nicht schlafen. Ich arbeite noch an meinem Blogbeitrag. Dann kommt die Sonne wieder. Magisch zieht es mich an die frische Luft und ich schleiche leise hinaus. Setze mich auf einen Stein am Ufer. Die Spitzen der Fichten scheinen in Flammen zu stehen. Immer breiter wird der magisch orange Streifen auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses. Schwäne kommen lautlos herübergeglitten. Sanfte Wellen breiten sich aus. Die Schwäne beginnen zu singen. Ihre trompetenartigen Rufe hallen durch die Natur, brechen die Stille, klingen wie ein Mittsommer-Konzert. Nur für mich.

Mittsommer
Ein Konzert, nur für mich
Langsam steigt die Sonne höher

Ich schaue auf die Uhr 2.30. Natur und Schwanenkonzert haben mich die Zeit vergessen lassen. Die Augen fallen mir zu. Schnell ins Bett. Die fernen Rufe der Schwäne wiegen mich in den Schlaf.

 

Schweden 2020 – ein Steingrab in der Natur

Stand Juni 2020

 

Schweden 2020 – ein Steingrab in der Natur

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2 Gedanken zu „Schweden 2020 – ein Steingrab in der Natur

  1. Dieses Konzert in der Mittsommernacht wirst du nie vergessen. Auch ich bin fasziniert von diesem Bild. Diese Nacht war zum schlafen viel zu schade.

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