Aid Mansour

Ait Mansour – ein paradiesisches Tal

Irgendwie fühle ich mich heute Morgen beim Frühstück beobachtet. Lagebesprechung: Wir wollen durch das Tal Ait Mansour fahren und uns anschließend auf einen off-road Track begeben. Aber bevor wir starten, wie im letzten Blogbeitrag angekündigt, noch ein „Update“ zu den blauen Felsen von Tafraoute und eine Antwort auf die Frage: Was ist ein Arganbaum.

Ait Mansour
….big brother is watching you

Die blauen Felsen von Tafraoute – viel gepriesen und hoch gelobt in Reiseführern

Sorry, die „blauen Felsen“ gibt es ohne Bild. Ich war so  entsetzt über die „Verschandelung“ der Natur, dass ich vergessen habe die Kamera zu zücken. Der Künstler Jean Vérame hat 1984 ein paar der gigantischen Felsen der Granitwüste mit blauer Farbe überzogen. Ausgeblichen mögen sie vielleicht, ganz vielleicht, noch dezent gut ausgesehen haben, aber heute – das tut in den Augen weh – prangen aus dieser imposanten Landschaft kreischend blaue, rote und orange Felsen. Geht gar nicht!

Ein Arganbaum oder Arganie – schon mal gehört?

Ich muss gestehen, ich vorher nicht. Aber meine App: „PlanetNet“ mit der ich unbekannte Pflanzen identifizieren kann, hat mit den Namen verraten. Seit 80 Millionen Jahren soll der Baum in Marokko wachsen. Stachelig, der Dürre trotzend, dient die Arganie den Berbern als „Lebensbaum“. Alles wird verwendet, von den dürren Ästen bis zur Frucht.

Die Arganien wachsen ausschließlich im Südwesten Marokkos. Im Jahr 1998 wurde die Region durch die UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.

Wir nächtigen unter einem solchen Urbaum. Eine ausgetrocknete braune Frucht sticht mir ins Auge – wie man so schön sagt. Die muss ich haben. Steinhart ist sie. Ich bearbeite sie mit meinem gestern gefundenen Werkzeug. Unter dem verdorrten Fruchtfleisch kommt ein harter  Kern zum Vorschein, darunter Samenplättchen.

Ait Mansour
Gestern habe ich die Reste eines Eisenwerkzeuges in einer Felsspalte gefunden
Ait Mansour
Nun noch den Kern knacken

Arganöl gewinnen

Abwarten und Teetrinken. Wenn die Früchte im Sommer reif sind, warten die Berber, bis sie herabfallen. Eine Ernte per Hand ist wegen der langen Dornen unmöglich. Nur Ziegen und Dromedare stören sich nicht an den Dornen, fressen Blätter und Früchte.

Ait Mansour
Wenn die harte Nuss geknackt ist, kommt der weiche Kern zum Vorschein

Die Kerne werden leicht erhitzt und dann u.a. zwischen Steinen gemahlen. Das nach längerem Prozess  entstandene Arganöl wird als Medizin, zur Kosmetik und als Speiseöl verwendet. Es gilt als eines der kostbarsten Öle der Welt. Durch Arganöl soll die Haut frischer wirken und – Frauen hört er – eine Massage mit Arganöl soll Cellulite bekämpfen. Es soll den Cholisterinspiegel positiv beeinflusen, die Nägel schöner machen und dazu noch lecker schmecken. Na, da ist die nächste Flasche aber meine…. Während ich mit meinem Handy noch vor der aufgeschlagenen Nuss hocke, holt Robert mich aus meinen Arganölträumen in die Wirklichkeit zurück: „Fahren wir jetzt endlich los?“

Wir starten ins Tal Ait Mansour

Der Landy ist gepackt, wir starten, die Räder rollen. Etwa 35 km entfernt von Tafraoute beginnt das Vallee d’Ait Mansour. Wir passieren kleine Dörfer, bevor steile Kurven tiefer hineinführen in das Tal.

Ait Mansour
Ein kurzer Stopp um Getränke zu kaufen.
Aid Mansour
…dann geht es staunenden die schmalen Serpentinen hinab. Schweigend sitzen wir im Landy.

Links und rechts von uns ragen die bizarr gestapelten roten Felsen steil in den blauen Himmel. Wortlos, staunend bewundern wir die Umgebung. Nein, es ist keine Filmkulisse, es ist die Wirklichkeit.

Sorry, wenn Du Dir jetzt einen Haufen Palmengarten Bilder ansehen musst. Ich konnte mich nicht dazu durchringen welche zu löschen, sie sind alle zauberhaft.

Aid Mansour
Die Strasse schlängelt sich zwischen den Palmen hindurch
Aid Mansour
Es wirkt wie ein verlassenes Paradies
Aid Mansour
Immer dichter wird der Palmenhain, dschungelartig
Aid Mansour
Das Tal ist fruchtbar, es fliesst Wasser
Farblich angepasst, sind die Lehmhütten in die Hänge gebaut. Wie bunte Farbklekse fallen Kleidungsstücke auf Leinen zum Trocknen auf
Aid Mansour
Palmen und Lehmbauten soweit das Auge reicht
Nach jeder Kurve erscheint ein neues Paradies
Aid Mansour
Heute ist die Straße geteert, aber zu gut kann ich mir die alten Schotterpisten in diesem Tal vorstellen

Ait Mansour

Verlassen, verfallen liegen Lehmhütte an der Route P1927. Die Palmenwedel streifen den Landy beim Passieren der schmalen Straße. Wie ein Dach hängen sie über den Weg. Es herrscht Stille im kleinen Tal im Anti-Atlas Gebirge.

Aid Mansour

Dann hat das Naturjuvel ein Ende. Die Straße wird breiter. Die schmalen schwindelerregenden Felswände werden flacher. Wir verlassen das Vallee d’Ait Mansour.

Kommen vorbei an kleinen Dörfern
Bewundern einmal mehr die bunten Türen
Auch Dromedare nutzen die leeren Straßen
Dann führt der Weg uns zurück in die Wüste
Unendlichkeit – es geht off-raod weiter
Ait Mansour
Es ist spät geworden. Rot färbt die Sonne die riesigen Sandünen vor der allgerischen Grenze. Das lässt sie noch großartiger Erscheinen
Schließlich machen wir Rast an einem Baum – unser Platz für die Nacht
Ait Mansour
Der Motor ist aus. Zur Stille gesellt sich ein farbenprächtiger Sonnenuntergang

Abenddämmerung

Aid Mansour
Zwischen Algerien und der Südsahara

Erste Sterne und die Mondsichel erscheinen am Himmelszelt. Eine Wolke kräuselt sich über den herbstlichen Nachthimmel.

Schweigend hängen wir unseren Gedanken nach, als meine Nase mir ein Dromedar signalisiert. Hinter Robert stehen, baff erstaunt über das happening unter dem Baum, drei große Exemplare. Neugierig äugen sie zu uns herüber – haben wir ihnen ihren Schlafplatz unter dem Baum gemopst?

Auf leisen Sohlen ziehen die wiederkäuenden Altweltkamele nach ein paar Minuten gemächlich wippend weiter…

Aid Mansour
Gute Nacht Marokko – du wundervolles Land

Marokko 2019 – Vallee d’Ait Mansour

November 2019
Marokko 2019 – Vallee d’Ait Mansour

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