Auf dem Weg zum Dades Tal

Tiefe Schluchten, weiträumige Talhänge, grüne Oasen, unwegsames Gelände, verfallene Kasbahs, urige Lehmdörfer – das ist Marokko. Wir starten mit unseren Landys vom Dar Qamar in Agdz gen Dades Tal.

Wir, das sind Birgit & Christian aus Bayern, die wir auf der Fähre kennengelernt haben sowie Robert & meine Wenigkeit. Heute ist Reisetag Nummer 20 auf unserem Roadtrip durch Marokko und in acht Tagen müssen wir zwei Nordlichter zu Hause sein. Da heißt es leider nicht nur „in’s Blaue zu fahren“, sondern auf eine Route gen Norden zu achten.

Auf geht’s

Heute ohne viel Text und Schnörkel: Ein Bilderbericht, mit dem Landy von Agdz bis in das traumhafte Dades Tal.

Dades Tal
Da wir ein wenig auf die Zeit achten müssen, haben wir uns für die vermeintlich schnellere Strecke entschieden
Marokko 2019
Ein letzter Blick zurück in das kleine Paradies hinter den Mauern
Auch von uns: Volle Punktzahl für das Dar Qamar in Agdz. Mein Tipp bei einem Stopp in Agdz: gönne Dir eine Auszeit an diesem paradiesischen Ort. (Nein, ich bekomme kein Geld für Werbung oder Prozente bei einer Buchung. Ich bin schlichtweg begeistert von den Menschen, dem Essen und der Anlage.)
Wir verlassen den Ort Richtung Nordwesten
Weit kommen wir nicht. Schon stehen die Landyräder wieder still an einer verlassenen Kasbah
Kaum stehen wir, taucht aus dem Nichts ein Marokkaner auf. Bevor er etwas sagen kann, bin ich durch ein Mauerloch in der Ruine verschwunden
Ich schaue hier und dort in einen Gang und bin froh, als ich wieder herausgefunden habe. Noch ein Blick ins Tal, dann rollen die Räder weiter
Ziegenherden, ein gewohntes Bild auf unserem Roadtrip

Einkauf in N’Kob

Auf dem Weg ins Dades Tal gelangen wir in die kleine „Berberoase“ N’Kob. Zwischen Zagora und Quarzazarte liegt die Oase auf 1050m Höhe. Die hier lebenden Berber gehören zum Stamm der Ait Atta. Ein Zusammenschluss der Berber im Südosten Marokkos. Sie überfielen, besetzten Oasen der Umgebung und widersetzen sich lange den Franzosen. Lange lebten die Berber als reine Selbstversorger. Heute jedoch spielt auch hier der Tourismus eine wichtige Rolle.

Zeit für uns die Vorräte aufzufüllen

Zwischenstopp. An der Straße befinden sich kleine Gemüsestände. Wir tingeln von einem zum nächsten. Nach dem Einkauf setzen sich meine drei Reisegefährten gemütlich in ein Kaffee. Da habe ich gar keine Lust zu. Ich habe Hummeln im Hintern – wie man bei uns sagt – ich will weiter. Wir sind doch erst kurz unterwegs. So nutze ich die Zeit und streife durch die Gassen in zweiter und dritter Reihe, auf der Suche nach einem Bäcker. Trotz knielanger Jeans und Hemd fühle ich mich abwertend angesehen und damit äußerst unwohl – niemand lächelt zurück.

Back again. Ich stehe im Kaffee und drängele weiter. Birgit erbarmt sich meiner und es geht erneut auf Bäckersuche.

Minztee und Cola, Kaffee und Wasser
Juppi – der ersehnte Bäcker. Meist hält das Brot nicht bis zum Abendessen, was Zweck des Kaufes ist. Wenn der leckere Duft durch den Landy zieht, dann müssen wir einfach zulangen
…endlich rollen die Räder weiter
Kaum zu glauben. Im Ort auf 1050m Höhe zeigt das Navi nach ein paar Serpentinen über 2000m
Unschlüssig halten wir ein paar Kilometer weiter auf einem Parkplatz. Hier führt eine steinige Piste in die Berge. Abkürzung oder Sackgasse?
Egal, wir probieren es aus. Das Abenteuer beginnt, wenn wir nicht wissen, wo der Weg endet
Roadtrip
Was soll ich schreiben? Traumhaft schön, oder?
Immer weiterhin in die Wildnis führt die Piste…
…und endet an einem Lehmhaus wo geschäftig gebaut wird – Sackgasse.
Das ist Landy-Land. Bergauf, bergab hopsend, die schöne Landschaft betrachtend gelangen wir zurück auf die Hauptstraße. Eine weite Ebene tut sich vor uns auf – das könnte auch Arizona sein
Roadtrip
Next Stopp: Wir sind in Boumalne im Dades Tal angekommen

Boumalne im Dades Tal

Boulmane Dades – am Südrand des Atlas Gebirges gelegen, befindet sich das ehemalige Oasendorf auf 1600m Höhe über dem Meer. Wir halten und schlendern über den bunten Markt. Emsig werden Artikel angeboten. Es wird gefeilscht und gehandelt. Waren und Münzen wechseln die Besitzer.

Ich werde nicht fündig

Von der dargebotenen Kleidung bin ich enttäuscht. Zu gerne hätte ich mir ein ersehntes marokkanisches Kleid gekauft. Aber alles sieht nach Plastik „made ich China“ aus. Dafür sind Obst, Gemüse und Gewürze einmalig und nicht vergleichbar mit den heimischen Supermarktprodukten. Auch wenn alles etwas kleiner und runzliger – nicht genmanipuliert – aussieht, ist es doch viel schmackhafter.

Die Tische biegen sich unter den vielen Stapeln bunter Kleidung
Alles sieht frisch und lecker aus. Wenn Du etwas kaufen möchtest, nimmst du eine der vielen Plastikschalen und legst deine Artikel hinein. Dann wir alles zusammen ausgewogen und der Händler nennt seinen Preis
Lecker, vom Feld in den Mund. Die Gewürze strömen einen herrlichen Duft aus. Nudeln, Reis, Kicherebsen, Mais, Bohnen alles kann „lose“ gekauft werden
Roadtrip
Weiter geht die Reise
Lehm- Stein und Betongebäude am Stadtrand
Dann wird es wieder ursprünglich. Eine verfallene Kasbah in den Hügeln, Landwirte die ihre Felder bearbeiten. Das saftige Grün bildet einen wunderschönen Kontrast zu den roten Felsen. Feigen, Nüsse, Datteln, Granatäpfel – paradiesisch
Dades Tal
Und dort, wo kein Wasser fließt, ist es trist und kahl. Einst Schotterpiste heute Teer – da weint das Landyherz. Aber es wird nicht für die Touristen geteert, sondern für die Bevölkerung. Um die Flucht in die Städte zu verhindern, sollen alle Wege gut passierbar sein. Somit ist die Reise zeitlich weniger als halb so lang
Dades Tal
Alle paar Kilometer stehen ein paar Lehmhütten mit Verkaufsständen am Straßenrand. Es gibt Kleidung, Schmuck, Tajine Gefäße, Obst und Gemüse
Fotostopp. Sieht zwar auf dem Foto nicht steil aus, ist es aber. Da können die anderen gerne weiter klettern ich bleibe unten

Ein Roadtrip – Traum

Marokko ist unfassbar abwechslungsreich. Marokko ist unfassbar schön. Ich bin jeden Tag aufs Neue unfassbar begeistert. Wie sieht es hinter der nächsten Kurve aus?

Der Landy brummt

Ich liebe dieses Roadtrip – Kino, den Nervenkitzel im Gelände. Spektakuläre Aussichten, bizarre Felsgruppen, fruchtbare Täler, buntes Treiben in den Oasen. Diese Lebensader, der Dades, der hier durch die Hochebene fließt, ist mit Worten nur schwer zu beschreiben. Gibt es dafür überhaupt Worte? Glückseligkeit. Momente, die für immer in Erinnerung bleiben.

Dades Tal
Und noch ein Foto der ständig wechselnden Felsformationen
Wir fahren durch ein kleines Oasendorf. Schmal ist die Straße hier. Nur etwas mehr als eine Landybreite ist Platz, um zwischen dem Haus und dem üppigen Grün hindurch zufahren
Die Sonne senkt sich langsam, die Schatten werden lang. Zeit einen Platz für die Nacht zu finden
Dades Tal
Roadtrip: Wir schrauben uns über Serpentinen hinauf in den Himmel
Dades Tal
Höhenangst hin oder her, den Ausblick möchte ich genießen und taste mich langsam zur Felsspitze vor
Dann windet sich die Straße wieder hinunter an den Dades
Dades Tal
Orange schimmern die Felsen im Abendlicht. Das Wasser glitzert smaragdgrün, wo sich die Felsen nicht widerspiegeln. Kein Windhauch regt sich, kein Laut ist zu hören, außer dem dem Brummen der Motoren.
Angekommen – ein Platz für die Nacht – die Räder stehen für heute still

Camping Berbere de la Montagne

Um diese Jahreszeit ist es relativ leer auf dem Platz. Wir können uns hinstellen, wo wir möchten. Der Sandplatz direkt am Fluss ist von einen Mauer umgeben. Toiletten und Duschen könnten den Besuch einen Schraubenziehers gebrauchen. Aber das Wasser ist warm und für marokkanische Verhältnisse ist „das Bad“ sauber. Wir haben Hunger. Schnell liegen die frischen Waren auf dem Grill. Noch ein bisschen Salz in die Tomatensauce, dann wird gegessen.

 

Let’s have dinner
Es riecht lecker, der Magen knurrt. Noch eine Prise Salz für die Tomatensauce
Später gesellt sich ein Paar aus Süd-Korea zu uns. Seit Wochen sind sie mit ihrem koreanischen Ssangyong in der Welt unterwegs. Das junge Paar schläft im Kofferraum
Auch wir verewigen uns auf der Seitenscheibe, zwischen Sprachen aus aller Herrenländer
Dann wird es schattig im Dades Tal – Sonnenuntergang

Temperaturen im Dades Tal

Nach dem Essen sitzen wir noch vor den Landys. Es wird eisig kalt im Dades Tal. Ich friere und wünsche mir meine lange Merinounterhose aus dem letzten Islandurlaub herbei. Jetzt, im November, können sich die Temperaturen am Abend schon einmal dem Nullpunkt nähern. Tagsüber in der Sonne, ist es mit ca. 20°C recht angenehm und im Schatten mit höchstens 10°C schon recht kühl. Wer es warm mag sollte die Monate November bis März meiden. Und wer es tagsüber heiß mag 30+ ist in den Monaten Juni bis August genau richtig. Die Nachttemperaturen sinken in den Sommermonaten auf angenehme 11-15°C.

Meine Zähne klappern. Bett? Oder mal reinschauen in das zugehörige Hotel & Restaurant?

Dates Tal
Rein da. Das war die richtige Entscheidung. Wohlige Wärme empfängt uns. Ein Feuer prasselt im Kamin
Ohne Vorankündigung – wie immer aus dem Nichts – tauchen drei Männer auf. Sie greifen sich die umherstehenden Trommeln. Orientalische Rhythmen erfüllen den Raum
Aber nicht nur das, sie haben auch Allerlei Spielereien in petto. Inzwischen sitzen nicht nur die Süd-Koreaner mit uns im Raum, sondern auch Schweizer, Spanier und vier Hannoveranerinnen sind dazu gekommen
Ein Ei im Glas umdrehen, ohne Hände. Geht das? Ja, wer richtig pustet schafft es

Es wird geknobelt, gesungen, gespielt und viel gelacht. Meine Gedanken schweifen ab. Musik und Gelächter rücken in die Ferne. Ich denke an die Schönheit der Landschaft, die wir heute durchfahren haben. Ich bin müde vom Tag und möchte Ruhe. Ab in den Landy, ab unter die Decke…

Roadtrip: Agdz bis das Dades Tal

bereist im November 2019 – geschrieben am 5. Mai 2020

 

 

 

 

 

Marokko 2019 – Roadtrip: Agdz bis das Dades Tal

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2 Gedanken zu „Marokko 2019 – Roadtrip: Agdz bis das Dades Tal

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