Erg Chebbi – Juppi ab in die Dünen

Sonnenaufgang in der Erg Chebbi
…und nun guckt sie über die Düne
Und so sieht es morgens bei uns aus.
Gestern dachten wir, dass der Tankdeckel klemmt, aber das Problem liegt wohl an der Entlüftung. Robert meint, dass ein Filter verstopft ist. Reparaturversuch die verstopfte Entlüftungsleitung frei zu blasen scheitern.

Wir starten von unserem Platz in den Dünen der Erg Chebbi, um ein Pärchen aus München zu finden. Kennengelernt haben wir die zwei  an der Fähre nach Marokko. Sie sind auch mit dem Landy unterwegs. Wir wollen den Weg durch die Wüste gemeinsam fortsetzen. Auch sie haben irgendwo in den roten Dünen genächtigt, ihren Standort haben wir bekommen. Ich fahre, Robert navigiert. Es sind nur acht Kilometer, aber finde mal jemanden in der Wüste.

Ein Guide steht plötzlich mit dem Motorrad neben uns. Ich ignoriere ihn. Bei unserem nächsten Halt keinen Kilometer weiter, steht er wieder neben dem Fahrerfenster und beim darauffolgenden Stopp noch einmal. Ich gebe auf, lasse die Scheibe hinunter und erkläre ihm, dass wir seine Hilfe nicht benötigen, dass wir Freunde suchen.

Wüstenfieber – wir fahren weiter – ich kann mich nicht satt sehen an den Farben der Wüste.

Die Guides, die Allwissend sind

„Yessssss“, antwortet er, „I know them. Yesterday I showed them a place to slpeep in the dunes“. Ich bin mißtrauisch, landen wir dann bei seiner Famile und sollen einen Teppich kaufen? Aber er beschreibt unsere neuen Freunde ziemlich genau. Ok, was soll’s, wir folgen ihm. Er stoppt nach einigen hundert Metern. Wir sollen den Reifendruck ablassen. Das tun wir 1,5 bar.

Er heizt mit seinem Motorrad voraus, ich mit dem Landy hinterher. Schnurstracks eine Düne hinauf und mit Achterbahn-Felling wieder hinab. Hilfe. Dazu noch die Unwissenheit, was uns auf der anderen Seite erwartet. Quer durch die Dünen geht die Reise – hinauf, hinab. Dann geht die Fahrt weiter auf dem Dünenkamm. Nach kurzer Zeit ist der Guide aus dem Blickfeld verschwunden. Mir wird unwohl, ich gerate etwas ab vom Kamm, wollte abkürzen, der schwere Landy rutscht mit dem Hintern hinab und senkt sich dann bedenklich seitwärts. Robert wird hektisch und will weiter fahren.

Gar nicht so einfach für uns Beide

Festgefahren auf halb acht in den Dünen. Wir wechseln. Aber Robert ergeht es auch nicht besser. Zack, der Landy sitzt wieder fest – Heck im Abhang, seitwärts nach unten. Und unser Guide? ….krabbelt um den Landy herum und schaufelt die Räder mit seinen Händen frei. Dann heißt es : „Backwords, slowly,“ der Guide geht neben dem Landy her und dreht das Steuerrad entsprechen. Wie er uns sagt, begleitet er die Ralley Paris-Dakkar – who knows. Ich bin ausgestiegen, lichte alles ab, Robert schwitz im Landy.

Graben……

Aber ich schwitze nicht minder, schließlich hatte ich die Situation auch gerade. Rückwärts unten im Tal zwischen den Dünen angekommen, heißt es dann vorswärts: Vollgas spiralförmig, mit Untersetzung und eingelegten Sperren, ab nach oben. Die Fahrkenntnisse, Ruhe und Erklärungen des Guides sind super. Robert manövriert unseren Landy wieder auf Position

Puhhhhh, wieder alles roger – ich steige ein und schließlich gelangen wir zu unseren bayrischen Freunden. Dort wird IHR Guide mit hallo begrüßt. Unser Abenteuer ist natütrlich nicht kostenlos 300MAD = ca. 30€. Aber, ok, Ibrahim lebt davon Touristen zu führen.

Alle zusammen…

Unsere Reise geht weiter durch die Erg Chebbi

Die Erg Chebbi ist eine riesige Spielwiese für off-road Fans in Marokko und eine der beeindruckendsten Naturphänomene. Sie liegt in der Provinz Errachidia, der nächstgelegen Ort ist Merzouga. 22 Meter lang und fünf Meter breit ist die Erg Chebbi und ändert ihr Aussehen je nach Wind und Wetter. Die höchste Düne misst 150 Meter. Fahrspass garantiert. Mich hat sie in ihren Bann gezogen.

Wir verlassen die Erg Chebbi

Plattes Land, weite Sicht, tolle Pisten. Inwischen wird es Zeit einen Platz für die Nacht zu finden.

Raus aus der Wüste Erg Chebbi auf der Piste gen Uom Jrane
Der Ersatzreifen auf der Hintertür hat inzwischen die artgerechte Patina der Wüste bekommen.

Und nun? Wohin zur Nacht?

Bei iOverlander finden wir den Hinweis auf einen Übernachtungsplatz in dem kleinen Ort – Uom Jrane. Wir kommen dort an, fahren hinein. Das Camping Schild steht auch noch, aber der Platz schein verwaist zu sein.

Später höre ich, dass es hier in der Nähe geschlossene Minen gibt, die wieder eröffnet wurden. Die Arbeiter der Minen wohnen im Dorf, auch auf den Campground. Eine Dauervermietung ist für den Besitzer natürlich rentabler.

Abendessen in der Oase

Wir verlassen den ehemaligen Campground und halten in der Oase, die wir zuvor durchquert haben. Wir stellen uns an den Rand der bewirtschafteten Felder, bauen auf, packen aus und essen. Natürlich werden wir von den Dorfbewohnern beäugt, die am Abend zu Arbeit auf ihre Plantage kommen. Und natürlich kommen auch bettelnde Kinder. Schnell spricht sich die Ankunft der Ausländer herum.

Plötzlich steht ein alter Mann  bei uns mit einem riiiieeeesigen Stein in seiner Hand. Er hält ihn uns als Geschenk entgegen. Auch wenn er in allen Farben schillert, tatsächlich sehr hübsch ist, lehnen wir danken ab. Der Mann steht noch eine Weile dort. Zögernd zeigt er auf seine Augen, die nicht gesund aussehen und tränen.

Gerade haben wir einen anderen Mann abgewiesen, der von uns Paracetamol haben wollte.

Zum ersten Mal auf einer Reise überhaupt, habe ich Augentropfen dabei – auch nur zur Befeuchtung, gedacht für die Wüste Erg Chebbi. Aber vielleicht helfen die Tropfen ihm. Ich flitze zum Landy und grabe sie aus den tiefen der Fächer aus. Als ich zurück komme, ist der alte Mann verschwunden. Ich suche ihn in seinen Palmenhain. Wir können nur in Zeichensprachen miteinander kommunizieren. Aber er freut sich, bedankt sich und fährt mit seinem Mofa davon.

Good night Morocco

Dien Nacht senkt sich über die Oase…..

Erg Chebbi

Okt. 2019

 

Marokko 2019 – Erg Chebbi

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3 Gedanken zu „Marokko 2019 – Erg Chebbi

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