Berber in Marokko

Vom Dades Tal in die Todra Schlucht, bis zur Auberge Amellagou. Bettelnde Berber, meist Kinder, sind oft zu sehen. Unterwegs gibt es für mich nachdenklich und traurig stimmende Eindrücke über Berber in Marokko, im zauberhaften Land von 1001 Nacht.

Die Nacht war arschkalt

Gestern sind wir im Berbere de la Montagne angekommen. Brrrrrrr – morgens ist es jetzt empfindlich kühl. Bei gefühlten 0°C habe ich keine Lust draußen zu frühstücken und denke sehnsüchtig zurück an die warmen Wüstentage.

Ab in den gemütlichen Aufenthaltsraum. Wir speisen fürstlich im Warmen, während Birgit & Christian vor dem Landy ihren Kaffee genießen – dick eingemummelt.

Warten auf das Frühstück
Da ist es schon…

Auf zu neuen Abenteuern

Wenn es so lecker aussieht, dann habe ich einfach keine Disziplin. Alles muss probiert werden. Ich fühle mich wie eine Kugel, als wir bezahlen und hinausgehen. Schnell ist im Landy verstaut, was noch nicht an seinem Platz war. Dann rollen die Rädern weiter gen Norden.

Wir verabschieden uns von den Südkoreanern
Good morning Marokko – auf zu neuen Abenteuern
…und wo Wasser fließt, ist es sofort grün

Unsere Strecke heute

Wir durchqueren ein Stück des Dades Tales entlang des Flusses Dades. Und dort, wo der Fluss gen Westen abbiegt, verlassen wir die befestigte Straße in Richtung Todra Schlucht.

Unser Tagestrip
Ein seltenes Geräusch: das Plätschern des Wassers
Berber Marokko
Das Dades Tal fasziniert mit seinen, wie Scheiben aufeinander geschichteten Felsen
Die spektakuläre Landschaft lässt uns immer wieder stoppen. Ich kann mich nicht satt sehen
Die Straße führt über einen schmalen Grat. Die Autos sind verschwindend winzig in der Weite der Landschaft
Tief unten entdecke ich das Flussbett durch die Strahlen der Morgensonne
Hättest Du den weißen Landy ohne den Pfeil gefunden?

Wir velassen die befestigte Straße

Juppi Landy-Land. Unterwegs treffen wir nun vermehrt auf Berber. Mit dem Esel, auf dem Mofa, zu Fuß. Wir gelangen wieder hinunter in das Tal. Neugierige Gesichter, freundlich winkenden Menschen. Klein und groß, Frauen und Männer sind mit der Feldarbeit beschäftigt.

Wie eine Schildkröte mit einem grünen Rocksaum mutet dieser Felsen an. Jede Gelegenheit wird genutzt, um Felder in der Nähe des Wassers anzulegen
Hier wurden dem Hang Felder abgetrotzt. Ärmliche Lehmbauten stehen in der einfarbig beigen Landschaft
Berber in Marokko
Ich glaube wir sind eine willkommene Ablenkung. Die Frauen sehen meist weg, ziehen ihre Kopftücher tief ins Gesicht

Berber in Marokko

Sind das Berber?  Wie oft habe ich den Begriff benutzt ohne zu wissen, was genau dahinter steckt.

Das Wort Berber ist ein ethnologischer Begriff für die Urbevölkerung. Die Griechen gaben ihnen den Namen „Berber“ aus dem griechischen „βάρβαρος“ „barbaros“. Warum?  Die Griechen verstanden damals ihre Sprache nicht. Eigentlich heißt das Volk „Masiren“. Ihr Land nannte sich damals Maghreb. Das bedeutet: Westen. Oder: Tamazgha, was so viel bedeutet wie – Land der freien Menschen.

Die Masiren selbst bezeichnen sich als Imazighen oder Amazigh, zu Deusch: „freie Menschen“. Ihre Sprache nennt sich Tamazight und die besondere Schrift: Tifinagh.

Sprachen der Berber in Marokko

Viele sprechen heute die Sprache der Urvölker nicht mehr. Arabisch ist die offizielle Staatssprache. Aber auch Französisch oder Spanisch wird gesprochen – je nach Region. Wer zur Schule durfte oder sich mit Touristen beschäftigt, spricht vielleicht auch englisch. Lange durften die Masiren ihre Sprache nicht offiziell sprechen. Lange war sie in der Schule verboten. Doch jeder hat ein Recht auf seine Muttersprache. So ist Tamazight heute offiziell anerkannt, auch in Schulen.

Tifinagh – eine der ältesten Schriften der Welt

Sie wird fast nur noch von den Tuareg (Berbervolk in der Wüste) verwendet. In den nördlichen Teilen des Landes beherrscht sie meist niemand mehr. Die Schrift besteht aus geometrischen Zeichen. Dieses Bild habe ich bei Wikiwand gefunden: Arabisch, Tifinagh, Französisch.

Berber in Marokko
Dreisprachiges Schild, gefunden bei Wikiwand

Einsam auf weiter Flur?

Jein. Mit der Zeit habe ich ein Auge dafür entwickelt. In Marokko in den Bergen bist Du selten allein. Irgendwo hockt ein Berber, der Dich sieht.

Aber nicht nur sieht. Unser Motorenlärm hallt durch die Einsamkeit der Berge.

Die Sandpiste schlängelt sich durch grünlich-beige Landschaft
Und wieder einmal kommt das Gefühl von Glück und Freiheit in mir hoch. Der eine mag den Kopf über die kargen Felsen schütteln und denken, wie langweilig. Ich könnte heulen vor Freude, mich auf das Landydach setzen und in die Narur gucken
Mit 80kmh über Schotterpisten fliegen, aber in den Kurven immer schön langsam
Adrenalin pur! Direkter Weg

Wieder tauchen Menschen aus dem Nichts auf – vier Personen. Ist das die Mutter? Oder ist es die große Schwester? Die Innenflächen eines Mädchens sind rot verkrustet – Henna. Die Blätter des Hennastrauches  werden an einem dunklen Ort getrocknet, dann gemahlen und zum Gebrauch mit Wasser vermischt. Traditionell haben sich die Berber mit der roten Paste zu festlichen Anlässen Verzierungen auf die Haut aufgetragen. Heute bemalen sie damit die Hände oder Füße der Touristen für ein paar Dirham.

Bettelnde Berber in Marokko

„Dirham, Dirham“, die roten Hände strecken sich uns entgegen. „Caramel, Caramel“, flüstert das kleine Mädchen mit dünnem Stimmchen und sieht uns mit großen braunen Augen an – ein Extraaugenaufschlag kommt dazu. Leider haben die Kinder mit der Bettelei viel zu oft Erfolg.

Birgit und Christian haben zu Hause Kinderkleidung gesammelt. Sie haben Fußbälle und Rucksäcke dabei, die sie verschenken. Die Freude steht den Vieren ins Gesicht geschrieben, als der volle Rucksack die Besitzerin wechselt. Von uns gibt es Nussriegel, Obst und Gemüse vom letzten Einkauf dazu.

Wir nehmen die zwei Kleinsten auf den Arm für ein Foto. Das kleine Mädchen hat „Entenfüße“. Ich tausche noch schnell die kleinen Schühchen um. Dabei fallen mir die dreckverkrusteten Finger und der graue staubige Hals auf. Wann haben sie das letzte Mal Wasser zum Waschen gesehen?

Berber in Marokko
Next stopp – Berber in Marokko
Berber in Marokko
Noch ein Bild, dann geht es weiter

Weiter geht’s

Im Landy überlege ich, ob es richtig war die Kinder auf den Arm zu nehmen – was hätte ich gesagt als Mutter? (wir hatten vorher gefragt) Und was soll ich einem Berber in Marokko auf der Straße geben? Oder sollen wir einfach weiter fahren? Ist es überhaupt richtig, Kindern etwas zu geben? Sie werden von klein an zum Bettel erzogen. Kaum können sie laufen stehen sie an der Straße. Sie tun mir leid. Hier draußen im Zelt, in den Bergen, in der flirrenden Sommerhitze oder der schneidenden Winterkälte, ohne Wasser, ohne Strom.

Können wir Reisenden die Wertigkeit des Geldes für diese Menschen überhaupt richtig einschätzen? Ein Marokkanischer Dirham (MAD) sind nicht einmal 10 Cent. Für ein Kilo Gemüse auf dem Markt haben wir beispielsweise zwei MAD bezahlt, keine 20 Cent.

Auf dem weiteren Weg bietet uns ein kleines Mädchen Fossilien an. Robert hält ihr eine Münze hin. Noch während das Kind nach der Münze greift, zieht es seine Hand mit dem Stein weg. Ich fordere die Münze zurück. Sie gibt sie widerwillig heraus und schaut uns provokativ an.

Wie lange hat es hier nicht geregnet? Wir fahren durch ein ausgetrocknetes Flussbett
Eine Panne – mitten im Nirgendwo. Wir bieten unsere Hilfe an
Berber in Marokko
Dann stehen auch schon die nächsten Kinder am Straßenrand. Sie wohnen in den schmalen Felskanten oberhalb der Straße. Wir haben nichts mehr was wir geben können. Obst und Gemüse sind alle – Dirham wollen wir nicht geben. Lange Gesichter und vermutlich ein paar Schimpfworte werden uns nachgerufen
Berber in Marokko
Ein paar Kilometer weiter überholen wir einen älteren Herren.
Wir werden vom Bergkamm aus beobachtet. Siehst Du die Person etwa in der Mitte des Bildes?
Und wieder ein paar Kilometer weiter versucht man uns vom Flussbett aus zum Anhalten zu bewegen

Auberge Taghrot

Unscheinbar wirkt die Lehmsteinmauer in den Bergen. Die Schilder allerdings sind echte Eyecatcher im Einheitsbeige. Mitten in der Kurve führt der Weg direkt auf den Hof der kleinen Anlage in den „Seitenausläufern“ der Todra Schlucht im Hohen Atlas. Wir halten. Hassain kommt heraus und bietet uns frisch gepressten Orangensaft an. Da können wir nicht nein sagen. Er bertreibt die kleine Auberge Taghrot mit seinem Bruder Youssef.

Berber in Marokko
Ein willkommener Halt. Wir haben Durst
Mitten im Hof steht ein buntbemaltes Steinschild
Berber in Marokko
Die typisch marokkanische Toilette ist ausnahmsweise blitzsauber. Es gibt sogar Toilettenpapier und fließend Wasser zum Spülen
Fossilien haben unsere Aufmerksamkeit erregt. Sie liegen ausgebreitet auf den Steinplatten der Mauer

Es gibt viel zu entdecken

Hassains kleine Oase erzählt viele Geschichten. In einem Raum hängen Bilder von Freunden und Verwandten. Selbstgeknüpfte Teppiche zieren die Wände. Bunt besticke Kissen liegen auf den „Sofas“. Er und sein Bruder haben kleine Geigen aus Müll gebastelt und bieten den landesüblichen Schmuck zum Verkauf an.

Auch Fossilien bieten sie an. Sie sind uns zu teuer. Er lacht. Verschmitzt kommt:

„Dann sucht doch selbst“.

Er zeigt auf den Steinhang der gegenüberliegende Straßenseite und sagt:

„Dort gibt es viele davon“.

Berber in Marokko
Eine kleine Fundgrube
Berber in Marokko
Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Birgit und ich verschwinden auf der anderen Seite und stecken unsere Nasen tief in die Steine. Kurze Zeit später gesellt sich auch Hassain zu uns. Wir werden fündig.

Berber Omelett

Eigentlich bin ich nach dem reichhaltigen Frühstück noch pappsatt, aber Hussain preist sein Berber Omelette mit so viel Herz an, dass wir nicht nein sagen können.

Ich gehe zu ihm in die Küche und beobachte die Zubereitung. Hinein kommt, was die Saison gerade zu bieten hat und was der Koch meint. Zwiebeln, Paprika, Aubergine, Zucchini? Hassain erklärt mir:“ Zuerst werden die Zwiebeln angebraten“. Ab in die Tajine. Dazu Tomaten, der Eierteig, oberndrauf Kartoffeln, Zucchini und Oliven, Salz & Pfeffer. Ganz wichtig: die Gewürze. Gegart und serviert wird natürlich in der Tajine.

Ein leckerer Duft hat sich in der kleinen Küche von Hassain ausgebreitet.

Berber in Marokko
Hassain bereitet uns Berber Omeletts zu
Wir haben zwei Portionen für vier Personen bestellt. Da ist völlig ausreichend. Ein einfaches leckeres Essen, schnell zubereitet.

Das Leben der Berber – Kasbahs

Satt und zufrieden brechen wir wieder auf. Die Räder rollen weiter.

Während wir unsere Omeletts genossen haben, ist der schwarz gekleidete Herr vorbei gegangen, den wir vorhin im staubigen Tal überholt haben. Er hat Hassain zugewinkt. Wo mag der Mann leben?

Traditionell leb(t)en  die Berber hier in Marokko in Stammesgemeinschaften als umherziehende Viehhirten – Nomaden. Zurückgezogen auf Grund von Verfolgung und Anfeindungen.

Viele Stammesfürsten jedoch nauten Kasbahs – quadratische Stampflehmbauten, mit einem Innenhof für das Vieh. In Agdz haben wir die Kasbah Kaid Ali  besichtigt.

Und hier zwischen Anti-Atlas und Hohem Atlas entlang der Dades Schlucht bis hin zur Todra Schlucht, gibt es besonders viele Kasbahs – die Straße der 1000 Kasbahs.

Zurück auf der asphaltierten Straße

Eine Bleibe für die Nacht

Wir haben uns aus dem Campingführer 2019/20 von Edith Kohlbach das „Chez Moha“ in Amellago heraus gesucht. Wir folgen der Beschreibung, können die kleine Unterkunft in Ortsmitte aber nicht finden. Entnervt geben wir auf.

By the way: Das ist nicht unsere erste negative Erfahrung mit „Mobil-Unterwegs“. Also, wer dieses Buch besitzt, sollte sich immer vorher erkundigen, ob es die Unterkunft noch gibt. Auch konnten wir die Beschreibungen oft nicht bestätigen.

Wir halten an der nächsten Auberge und fragen nach zwei Zimmern.

Die Sonne steht schon tief als wir die Auberge Amellagou erreichen.

Auberge Amellagou – Berber in Marokko

N 32°00.243 – W 005°01.507  – Wieder einmal haben wir ein kleines Goldstück gefunden. Die Zimmer sind sauber, die Anlage ist gepflegt und liebevoll eingerichtet.

Während die Männer es sich im Innenhof mit Kaffee und Minz-Tee bequem machen, gehen Birgit und ich hinauf auf die Außenterrasse. Wir genießen den Sonnenuntergang und kommen ins Gespräch mit einem Marokkaner. Er heißt Assou.

Mir lässt das „Berber-Thema“ keine Ruhe und ich erzähle dem großgewachsenen Marokkaner von den bettelnden Kindern und meiner Unsicherheit. Er bestätigt, dass es ein großes Problem ist, dass die Touristen Geld geben. Auf die Frage, ob ich denn etwas geben sollte antwortet er:

„Kleidung und heimisches Gemüse, Obst und Wasser wären schon ok. Aber auch Zucker.

Ungläubig blicke ich ihn an: „Zucker?“ Denn mir ist nicht entgangen, dass die Berber schon in jungen Jahren schlechte Zähne haben. „Ja“, bestätigt er, „der Zucker ist sehr teuer für die Menschen und sie trinken ihn in ihrem Minz-Tee.“

Der Innenhof wirkt beruhigend nach den vielen Eindrücken des Tages
Berber in Marokko
Golden glänzen die Berge in der untergehenden Sonne

Ein Berber erzählt

Es ist dunkel geworden. Und kalt. Eine Heizung gibt es im Speiseraum nicht. Kurzerhand wird für uns ein Tisch vor den Kamin getragen.

Abendessen in wohliger Wärme

Nach dem Abendessen gesellt sich Assou wieder zu uns. Inzwischen haben wir erfahren, dass Assou der Sohn des Hauses ist. Das kleine Anwesen ist familiär geführt. Assou erzählt stolz:

Ich bin Berber und hier groß geworden. Wir waren 14 Geschwister. Vier sind leider gestorben. Sieben leben noch hier. Drei meiner Schwestern sind nach der Hochzeit nach Midelt gezogen.“

Seine Augen leuchten:

„Die Auberge Amellagou haben wir nach acht Jahren Bauzeit im Oktober 2014 eröffnet. Alle haben mit angepackt. Obst und Gemüse kommen frisch auf den Tisch aus unserem Garten.“

Ich frage ihn nach der Unterkunft die wir suchten, dem Chez Moha.

„Das gehört uns“,

antwortet er und fährt fort,

„das hat mein Vater damals eröffnet. Es war einer der erste Übernachtungsplätze hier in der Umgebung. Wir haben es im letzten Jahr geschlossen“

Das Bild von Assou habe ich aus dem Video gemopst, da ich vor lauter Zuhören vergessen habe, eines von ihm zu knipsen

Eine Geschichte aus der Kindheit

„Damals als ich klein war, lebten wir von unseren Schafen,“

beginnt Assou.

„Und einmal im Jahr sind wir zu einem Priester gegangen. Es war ein sehr langer und harter Weg. Wir haben ihm eines unserer Schafe gebracht. Ich habe das nicht verstanden. Der Mann hat von so vielen anderen auch ein Schaf bekommen – viel zu viele. Und wir waren doch 14 Kinder und hatten Hunger.“

Nach einer kurzen Pause fährt er fort:

„Ich habe meinen Vater gefragt: Warum Papa, warum machst Du das? Er hat mir geantwortet: Weil es so in der heiligen Schrift steht.“

Assou zuckt mit den Achseln und sagt:

„Ich konnte nicht lesen, also musste ich es glauben.“

Später durfte Assou in die Schule gehen. Erst im Ort, dann im 52km entfernten Guelmima. Das war damals keine Selbstverständlichkeit. Und als Assou lesen konnte, ist er zu seinem Vater gegangen und hat gesagt:

„Vater ich habe es nachgelesen, nirgendwo steht, dass Du ein Schaf abgeben musst.“

Und er lächelt als er fort fährt:

„Mein Vater sagte: Ok mein Sohn, du kannst lesen, ich nicht. Dann werden wir unsere Schafe von heute an behalten.“

Nicht jeder hatte das Glück in die Schule zu dürfen. Assou erzählt von einer Nachbarin – damals – die ihrem Sohn etwas in die Augen geträufelt hat, damit die Augen rot aussehen. So hat sie den christlichen Lehrern immer wieder weiss machen wollen, das der Junge entzündete Augen habe. Er war nicht in der Schule. Als Gastarbeiter ging er nach Europa. Assou hat ihn wieder getroffen. Heute, wo er zurück ist im Dorf. In Rente. Der alte Mann wäre als Kind gerne zur Schule gegangen.

Seßhaft werden

Heute versucht der Marokkanische Staat die Berber „seßhaft zu machen“. Hier in Amellago gibt es eine Siedlung für sie. Aber es klappt nicht. Wovon sollen sie hier leben? Und wenn sie dann wieder weiter ziehen mit ihren Viehherden, können die Kinder wieder nicht in die Schule gehen. Sie betteln weiter auf der Straße.

Gib mir was ich mag

Wir kommen noch einmal auf das Thema Zähne zu sprechen. Assous Famile geht zum Zahnarzt. Er besteht auf die regelmäßige Vorsorge. Nur einer weigert sich – bis heute. Er lächelt liebevoll als er sagt:

„Mein Vater will nicht. Er hat kaum noch Zähne im Mund. Vater sagt: ich bin glücklich, so wie es ist. Lass mich essen was ich mag. Quatsch sei das mit dem Arzt für Zähne. Vater bekommt selbst den härtesten Keks mit seiner fast zahnlosen Kauleiste klein.“

Assou versucht nicht mehr ihn zu bekehren.

Noch manche Geschichte erzählt uns Assou an diesem Abend im Auberge Amellagou. Wir diskutieren über Berber in Marokko damals und heute.

Es ist spät geworden. Die Augenlider werden schwer. Zeit schlafen zu gehen. Good night Marokko.

PS.: Solltes Du einmal in der Gegend sein, ich kann die Auberge Amellagou, in der Gastfreundschaft riesengroß geschrieben wird, nur empfehlen (nein, ich werde nicht gesponsert – es ist einfach ein wundervoller Ort mit wundervollen Menschen).

Berber in Marokko

bereist November 2019, geschrieben Mai 2020
Marokko 2019 – Berber in Marokko

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