Römö

Juppiiiiiii – die Nordsee glitzert rötlich in der untergehenden Sonne am weiten Strand von Rømø – Offroad-Feeling kommt auf, wir schlingern durch den Morast, Rückwärtsgang – Sehnsuchtsinsel Sylt, das Nonplusultra?… der Hype um Sylt. So weit im Norden war die Red Lady noch nie – Mädelswochenende, Sekt und Krabben inklusive…

Vorbereitungen für Rømø – undicht, es regnet rein

Wassereinbruch, vorne auf Fahrer- und Beifahrerseite. Bevor meine Freundin Gesa und ich ins Mädelswochenende starten, kommt das Softtop noch einmal runter.

Reparatur
Hier ist wohl das Wasser durchgekommen…

Robert löst die alten Dichtungen, alles  wird auseinandergebaut und neu wieder zusammengesetzt. Kein Problem bei einem Defender. Ca. 25 Minuten dauert es, bis das Softtop wieder festgezurrt ist. Ich bin gespannt, ob Schätzchen nun wieder dicht ist.

Defender 90 Softtop
Das Softtop muss noch einmal runter, um die undichte Stelle zu finden

Landy Feeling

Ich sitze auf dem Fahrersitz der Red Lady und warte auf Gesa. Juchhe, gleich geht es los. Meine Klamotten und den Proviant für das verlängerte Wochenende, habe ich in 3 „Engels-Kisten“ verstaut. Das sind graue Boxen in verschiedenen Größen mit einem Klappdeckel.

Sie passen genau in den hinteren Ausbau der Red Lady. Das Navi hat sich gerade sortiert, als Gesa in ihrem flotten weißen Cabrio, natürlich offen, um die Ecke gebraust kommt. Das Dach schließt auf Knopfdruck. Gesas Koffer und die Ikeatasche sind schnell verstaut.

Auf geht’s…

Gesa steigt skeptisch dick vermummt ein. Ich habe ihr vorher gesagt, dass die Red Lady etwas störrisch reagiert, wenn sie heizen soll. Autobahn-Fahrten bringen keinen Spaß, mit der „englischen Grande Dame“, denn der Geräuschpegel steigt mit der Geschwindigkeit. Zu schnelle Fahrt wird mit Heiserkeit bestraft, dafür ist die Red Lady nicht ausgelegt. Doch, dort wo andere Bögen um Löcher, Flüsse, Geröll, Steigungen und Gefälle machen, weiß ich: ich kann weiter fahren, mir kann nichts passieren. Ich liebe diesen rustikalen Charme.

Ankunft auf Rømø

Kurz vor Sonnenuntergang flitzen wir mit der Red Lady bei Ebbe durch kleine Priele und Pfützen über den weiten Strand von Sønderborg. Wundervoll, auch wenn sich die Sonne heute  Abend nicht mehr hat blicken lassen.

Römö
Hey Römö, wir sind angekommen

Ein Aufschrei von zu Hause als ich genau dieses Bild sende: „NEIN, doch nicht durch das Salzwasser, dann rostet das Auto.“ Spielverderber – nun habe ich ein schlechtes Gewissen. Wir fahren zu unserem Appartement und richten uns ein. Sekt ins Eisfach – das ist wichtig.

Unsere Unterkunft befindet sich fußläufig ca. 1,5 km vom Hafen von Havneby entfernt. Dorthin gehen wir nachdem wir ausgepackt haben. Inzwischen ist es dunkel geworden. Im Hafen ist nichts los. Die Fisch- und Krabbenkutter schaukeln sanft in der Nordsee. Ich höre das Schlagen der Wellen gegen die Kaimauern. Ich blicke in das leere, aber hell erleuchtete Schaufenster eines Fischgeschäfts. Gesa kommt hinzu. Wir beschließen morgen früh wieder zu kommen und uns frischen Fisch für den Abend zu kaufen. Der Wind ist eisig. Zurück – ab aufs Sofa mit Sekt, Chips und ausgiebig quatschen…

Lecker Krabben, aber sie sind teuer geworden

Es regnet und ist bedeckt, in Ruhe fahren wir zum Fischgeschäft. Es ist  am Morgen schon gut besucht. Wir erstehen frische ungepulte Nordseekrabben und verschiedene Arten von Räucherfisch. Gepult werden die Krabben übrigens in Marokko. „Wenn sie in Dänemark direkt gepult werden, sind sie viel zu teuer“, erklärt uns die junge Verkäuferin mit dem dicken blonden Zopf in fast akzentfreiem Deutsch.

Römö
Die Auswahl war riesig – frischer Fisch aus der Nordsee

Der Krabbenpreis ist durch die geringen Fänge extrem gestiegen. So haben wir Glück heute überhaupt welche zu bekommen. Grund sei, so lese ich nach, dass der letzte Krabbenjahrgang schlecht ausgefallen sei und die Fressfeinde, wie Wittling und Kabeljau sich in der Nordsee stark vermehrt haben.

Römö
Der Fisch wird gleich auf dem Kutter verarbeitet

Los gehts

Nachdem wir den Fisch in unser Heim gebracht haben, starten wir zur Erkundungstour. Die Sonne kommt durch, die Luft schmeckt nach Salz – herrlich. Abseits der Hauptstraße gelangen wir zu einem weißen Fachwerkhaus. „OPEN“.

Römö
Was mag es hier geben?

Wir sind neugierig und halten. Warme, nach Tee und Kräutern duftende Luft, schlägt uns entgegen. Es ist schummrig, die kleinen Fenster lassen nicht viel Licht herein. So sticht auch die beleuchtete Auslage mit künstlerisch gestalteten Torten sofort ins Auge.

Römö
…leider war ich noch satt vom Frühstück

Alle Tische sind verschieden dekoriert. Dazwischen stehen Körbe und Kisten mit Dekoartikeln, samt Weihnachtsschmuck.

Römö
Hier gibt es viel zu entdecken

Auch das Obergeschoß ist voll davon. Zeit und Raum sind vergessen – hier kannst Du wundervoll stöbern. Und schließlich haben wir keine drängelnden Männer dabei. Um einige dänische Kronen erleichtert, stehen wir nach einer dreiviertel Stunde wieder in der Sonne.

Lakolk

Römö
…nun ist  Gesa dran

Weiter geht die Fahrt mit Gesa am Steuer. Wir passieren kleine Hofläden und zu dieser Jahreszeit verlassenen Straßenständen. Der Strand von Lakolk: Gesas Augen leuchten, langsam fährt sie durch das auflaufende Wasser. „Zuerst hatte ich ein mulmiges Gefühl, schafft das die Red Lady? Aber, oh ja, Allrad und Differenzial, das macht Laune.“ Ja, es scheint, als wenn die Red Lady auch Gesas Herz in null-komma-nichts erobert hat. Wir halten an der Wasserkante um ein paar Fotos zu schießen.

Lakolk
Mit der Red Lady sind wir hier alleine
Römö
Fotoshooting am Strand von Lakolk

Zwar halten wir nicht die geforderten 20m Abstand bis zum Meer, sondern nur 3m, jedoch dichter in den weichen Sand fahren wir nicht. Schließlich soll die Red Lady nicht enden, wie der Defender von dem Briten Robert Hanney. Er fuhr im Jahre 1990 bei Gwithan Beach, Cornwall zu dicht ans Wasser und musste zusehen wie sein Landy bei Flut versank. Vor kurzem wurde der Landy wieder gesehen und ist nun dort zur Attraktion geworden – ein noch aufgeblasener, veralgter Reifen ragt aus dem weißen Sand.

Römö
Der Wind treibt den feinen Sand über den Strand
Römö
Die Flut kommt, die Priele füllen sich – Zeit weiter zu fahren

Der Wahlknochenzaun von Juvre

Das hört sich spannend an: ein seltener Zaun aus echten Wahlknochen. 1772 erbaut steht er unter Denkmalschutz. Er soll in Juvre stehen, dem letzten Dorf der Insel, vor dem militärischen Sperrgebiet.

Römö
…abseits der Hauptstraßen

Schnell sind wir durch Juvre hindurch, ich meine den Zaun gesehen zu haben. Bevor wir drehen, biegen wir noch einmal ab in Richtung Deich. Gesa steuert die hopsende Red Lady über Feldweg, Schafe sehen uns verwundert an. Am Deich endet die Fahrt.

Römö
…die haben wohl noch nie einen roten Defender gesehen 😉
Römö
Ein Stopp, zum Blick über den Deich

Auf dem Rückweg halten wir an der angepriesenen Sehenswürdigkeit und sind enttäuscht. Sieht aus wie ein überdachter alter, kniehoher Holzzaun. Weitere Sehnswürdigkeiten findest du HIER.

Römö
…könnte auch Holz sein, oder?

Høstbjerg

19m hoch ist der höchste Punkt der Insel, der Høstbjerg. Den gilt es nun zu erklimmen. Auf dem Weg mitten durch die leicht wellige Heidelandschaft durchfahren wir das Feriengebiet Bolilmark. Die kleinen Häuschen entdecken wir erst auf den 2ten Blick.

Römö
Siehst Du das Haus?

Kurze Zeit später stehen wir auf dem Høstbjerg und bewundern die malerische Sicht über Rømø. Hier muss es wundervoll sein, wenn die Heide lila blüht. Ein Grund für einen Sommerbesuch.

Römö
Sicht bis zur Nordsee

Weiter geht unsere Fahrt, Sackgasse, wirklich? Wir finden uns auf kleinsten Wegen wieder, die manchmal im Nirwana enden.

Römö
Um die Kurve rum wird der Feldweg ganz schmal und der Morast tief

Aber nun ist der Weg so schmal geworden zwischen dem hohen Gestrüpp, dass die Zweige auf Lack und Verdeck entlang quietschen und scharren. Die Räder tragen uns durch tiefen Morast. Aussteigen möchte ich hier nicht, denn das müsste ich nun. Wie es weiter geht? Das ist nicht ersichlich, die Kurve zieht sich… Geht der Weg überhaupt noch weiter? Hier heißt es nun Rückwärtsgang einlegen.

Chasing the sunlight

Der Tag auf Rømø ist vergangen wie im Fluge. In einer halben Stunde ist Sonnenuntergang. Den wollen wir uns am Strand von Sønderborg ansehen. Aus dem Morast befreit, drücke ich aufs Gas. Es klötert und klatsch unter dem Auto, als die Dreckklumpen von den dicken Goodrich Reifen in alle Richtungen fliegen. Wie viel Zeit haben wir noch? Für mich ist es immer wieder ein magischer Moment – schaffen wir es noch?

Römö
Ein Traum in orange 🙂

Das Meer schimmert in rot-orangefarbenen Tönen. Gesa bleibt bei der Red Lady und ich steige über kleine Wege in die Dünen hinauf. Es sind nur wenige Menschen am Strandabgang, aber hier ist niemand. Es ist fast windstill. Der Sonnenball taucht durch die Abendwolken – ich liebe die Dämmerung. Eine Möwe kreischt hinter mir. Gänsehautfeeling.

Römo

Ich gehe wieder hinunter zu Gesa, die mir mit einem glücklichen Grinsen entgegen schaut. Schweigend sehen wir uns die letzten Minuten des Naturschauspieles an. Dann geht’s Heim, zum Krabbenpulen.

Römö
Ein leckeres Mahl am Abend.

Sehnsuchtsinsel Sylt – das Nonplusultra?

 

Sylt
Ankunft in List auf Sylt

Ich muss gestehen, ich verstehe den Hype um Sylt nicht. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Wir fahren mir der Red Lady auf die Fähre und setzen nach List auf Sylt über. Wir wollen später eine Freundin treffen, Petra. Sie hat ihre Ferien von Kindesbeinen an auf Sylt verbracht. Vielleicht kann sie mir sagen, was das Tolle an dieser Insel ist? Wir haben sie nach ihrem Lieblingsort befragt. Den wird sie uns später verraten.

Sylt
Ein wenig windig ist es auf der Fähre
Sylt
Spaß auf der Überfahrt

Wir überqueren die Insel von List nach Hörnum und gucken links und rechts der Straße, was es zu entdecken gibt.

Sylt
…ob das Boot auch bei Flut auf Grund liegt?
Sylt
Des Fischers frischer Fang
Sylt
Sauna am FKK Strand
Sylt
Kindespielplatz vor der Sansibar
Sylt
Gerade öffnet die Strandvermietung neben der Sansibar
Sylt
Der Herbst ist nicht zu übersehen
Sylt
Willi, eigentlich Wilhelmine ist das Maskottchen von Hörnum und schaut seit Jahren immer wieder Hafenbecken vorbei
Sylt
Am Strand von Hörnum
Sylt
Bye-bye Hörnum

Schließlich machen wir uns auf den Weg zu Petra nach Wennigstedt. Dort angekommen wollen wir endlich wissen: wo ist der Lieblingsort. Ein 4 stimmiges: „Hier!“, von ihr und den 3 Kindern ist die Antwort. „Das Appartement mit dem kleinen Garten – der km-lange weiße  Sandstrand vor der Haustür – der Holzplankenweg, von dem wir am Abend mit einem Gläschen Wein den Sonnenuntergang beobachten  – das ist Heimat: Natur und herrlich langweilig“, schwärmt Petra. Ihr Opa hat damals dieses kleine Fleckchen Sylt erstanden. So wie sie es erklärt, kann ich es mitfühlen – abseits der Schickeria.

Sylt Gosch
Leckere Fischsuppe bei Gosch

Es ist Mittag, Gesa und ich haben Hunger. Vom Appartement aus sind es fußläufig keine 10 min zu Gosch. Die Fischsuppe war ziemlich lecker. Wenn ich mir jedoch vorstelle, mich im Sommer um einen Tisch prügeln zu müssen, nein danke. Auch die überteuerten Appartementpreise schrecken mich ab. Allerdings muss ich zugeben, das Sylt landschaftlich wirklich sehr reizvoll ist.

Sylt
Moin Mädels, war schön mit Euch

Wir gehen über den geliebten Holzplankenweg zurück. Hier muss es wunderschön sein zum Sonnenuntergang. Die Sonne geht direkt in Richtung Meer unter. Von hier oben haben wir einen tollen Blick über den endlos erscheinenden Sandstrand.

Sylt
Petras Lieblingsweg bei Sonnenuntergang

Aber, Sylt ist nicht nur Reichen-Mekka, sondern auch das Wellenreiter- und Surferparadies Deutschlands. Und das begann mit den Sylter Rettungsschwimmern 1953. 1966 wurde der erste Surfclub auf Sylt gegründet. Wir beobachten einen Wellenreiter, der mühsam versucht sich auf seinem Brett zu halten. Die Sylter sagen: „Wer hier Surfen gelernt hat, kann es auf der ganzen Welt“.

Sylt
Aller Anfang ist schwer…

Interessant soll auch das Biikebrennen im Februar sein. Mit riesigen Feuern, wollen die Friesen den Winter vertreiben. Aber auch die Walfänger wurden damals mit den hohen, weit sichtbaren Feuern auf die See verabschiedet. Das hört sich interessant an, vielleicht ein Grund dann einmal nach Sylt zu fahren?

Sylt
Beeindruckt haben mich die Sylter Düne

Bei Kampen befindet sich die Uwe-Düne. Aber wieso Uwe-Düne? Sie wurde nach dem Juristen Uwe Jens Lornsen benannt, einem Vorkämpfer für ein unabhängiges, vereintes Schleswig-Holstein kämpfte.

Es hat zu regnen begonnen. Norddeutscher Nieselregen, der geht durch und durch. Wir fahren zurück zur Fähre, die uns auf das bodenständige Rømø zurück bringt. Morgen geht es wieder nach Hause – leider.

Gesas Fazit: „Römö, wie die Dänen ihre schöne Insel nennen, ist eine Reise wert. Traumhaft muss es sein, wenn die Heide blüht. Röm, wie die Deutschen sagen, wird mich wieder sehen. Ob mit eigenem Landy, das weiß ich noch nicht. Danke liebe Kirsten für die schöne Zeit und dass ich mit der Red Lady fahren durfte, trotz Schrecksekunde als ich Kupplung und Bremse vertauscht habe.

Defender TD 5 90
Wäsche zum Abschluß der Reise – das Salz muss runter
Defender TD5 90 Softtop
Auch der Unterboden wird gereinigt, aber mit weniger Druck..nun ist die Red Lady wieder startklar.

Übrigens, vorne regnet es jetzt nicht mehr rein, das Softtop ist dicht, dafür hinten…

Oktober 2017

PS.: Demnächst geht es auch weiter mit dem Balkan Reisebericht 2017

Mädelswochenende mit der Red Lady auf Rømø

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8 Gedanken zu „Mädelswochenende mit der Red Lady auf Rømø

  1. Das erinnert mich an meine ersten Tage auf Sylt, als man noch durch die Dünen Richtung List laufen konnte. Röm und Sylt sind meine absoluten Favoriten an der Nordsee. Es gibt nichts Schöneres als mit der Fähre von Röm nach Sylt zu fahren. Ich genieße es zu jeder Jahreszeit, egal bei welchem Wetter. Gesa und ich diskutieren gerade über die Klassiker, Landy oder G-Modell. Wir sind noch auf der Suche nach einem geeigneten Auto für unsere Reisen. Gruß Axel

  2. Ganz nett, war aber mehr auf Vampierjagt eingestestellt als auf drei Grazien im Roten Auto mit Flatterdach und frischen Norden.
    Aber es soll ja noch kommen. Ein Reibekuchen vor den anderen.
    Gut bloging! Es gibtnoch überall Viel zu tun. Viel Erfolg.Dieter

  3. Dein Foto vom stimmungsvollen Sonnenuntergang könnte auch in einen Draculafilm passen. Oder liegt es nur daran, dass ich gerade mit dir auf Reisen in Transsylvanien war!? Erstaunlich, was Römö so alles zu bieten hat. Um Sylt werde ich wohl weiterhin einen großen Bogen machen. Auf überteuerten Touristen-Napp habe ich keine Lust und in der übrigen eher einsamen Zeit ist es mir zu kalt!

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