Sanft bewaldete Hügelketten, malerische Bachläufe, kleine Dörfer, das ist die Bukowina, oder das Buchenland, angrenzend an die Ukraine. Menschen lebten in diesem Landstrich seit vorgeschichtlichen Zeiten, denn es ist eine sehr fruchtbare Region. Das wußten auch die Tataren und so gab es frühzeitig Kämpfe um das Land.

Aufbruch bei Vladimir

Kloster Voronet

Aber nicht nur die Tataren sorgten für Ungemach, sondern auch der sich weiter ausbreitende ungarische Katholizismus. Er brachte „Innere Unruhe“.  Auch nahmen die Bedrohungen aus dem Osmanischen Reich zu.

Als Gegenwehr ließen sich die ersten rumänischen Woiwoden – Herrscher –  Befestigungen und orthodoxe Klöster, als Stätten zur geistigen Erbauung und Zentren für Bildung und Kultur, bauen.

Wir erreichen das Kloster Voronet – ziemlich touristisch aufgezogen, wie wir finden. Wir kaufen ein Parkplatz Ticket und schlängeln uns durch die Nippes-Buden-Gasse hinauf zum Kloster. Wir treffen auch die netten Schotten wieder. „You will not be disapointed“, sagt er zu uns.

Wir öffnen die braune Holztür und treten ein. In einem kleinen Vorraum sitzt eine genervte Nonne. 30 RON bezahlen wir für 2 Personen und 2 Fotogenehmigungen.

Die Geschichte

1488 hat der Einsiedler Daniil von Voronet Stefan dem Großen einen guten Rat in einer Notlage gegeben. Der Tipp hat ihm zum Sieg verholfen. Aus Dankbarkeit ließ er die heilige Stätte errichten – in nur 3 Monaten und 3 Wochen. Lange wohnte hier die Mönchsgemeinschaft, bis sich die Bukowina 1775 der Habsburger Monarchie anschl0ß. Die Klostergemeinschaft wurde aufgelöst.

Die Malereien

Stauned gehen wir um das UNESCO Weltkulturerbe herum. Die Anlage ist liebevoll bepflanzt, bunte Rosen säumen den Weg.  Bekannt ist Voronet  für die blauen Malereien, die von 1534 -35 entstanden sind. Bis heute ist es ein Rätsel, woraus das blau von Voronet damals gemischt wurde.

 

An der Westwand ist das „Jüngste Gericht“ dargestellt. Am meisten mitgenommen durch den Regen ist die Nordseite der Kirche. Aber wir meinen noch Adam und Eva im Paradies entdeckt zu haben.

Der  pompöse Innenraum – Fotos verboten – erschlägt mich fast. Es riecht nach Weihrauch. Kräftige Farben scheinen den schummrigen Raum mit den bunt bemalten, spitzbogigen Keramikscheiben zu erhellen. Ich traue mich gar nicht zusprechen. Ein junger Mann mit einer weißen Pumphose und einem schwarzen Shirt liegt regungslos auf den Knien. Die Arme vor der Brust gefaltet, betet er stumm.

Wieder am Tageslicht, setzte ich mich auf eine Bank an der Südseite, an der viele Porträts dargestellt sind.

Übrigens wurde das Klosterleben in der Bukowina erst 1998 wieder eingeführt und 1991 hier eine neue Klostergemeinschaft gegründet. Jetzt bewohnen und bewirtschaften Nonnen die Anlage.

Kloster Neamt

Unsere Reise geht weiter zum nächsten Kloster. Es ist schon später Nachmittag. Kurz vor dem Kloster steht mitten auf einer Wiese ein Brautpaar. Die Information des Klosters hat schon geschlossen. Eintritt kostet es nicht. Wir finden Neamt nicht weniger prächtig als Voronet. Es ist das älteste seiner Art.

Zwei wertvolle Kunstschätze sind hier zu bewundern: Die Ikone Mutter Gottes, die  im Jahr 665 in Lida geschaffen wurde und der Altar, der aus der benachbarten Festung Neamt stammt. Und es soll dort Bruder Anton geben, der von Ikonen, über Rosenkränze bis hin zu selbst gemachter Marmelade alles verkauft. Er soll in der Bücherei sitzen zwischen schiefen Büchertürmen. Ihn haben wir leider nicht getroffen.

Beim Rundgang um die Kirche entdecke ich das Brautpaar wieder. Wir kommen ins Gespräch. Die Rumänen leben in Frankfurt, stammen von hier und haben gestern ihre Hochzeit gefeiert. Die Sonne steht schon tief, sie sind  zum Fotoshooting unterwegs. Ich wünsche viel Glück und sie eine schöne Weiterreise. Überhaupt, sind die Rumänen die wir gesprochen haben, alle sehr freundliche und zuvorkommende Menschen. Wir haben uns zu keiner Zeit unwohl oder unsicher gefühlt, sind keinen Wegelagerern oder Taschendieben begegnet. Selbst mit den Hunden habe ich mich arrangiert. Sie greifen nicht an, verschwinden wenn sie laut angerufen werden.

Idyllischer Platz am Fuße der Karpaten

Wir müssen nun dringend eine Unterkunft für die Nacht finden. Park4Night hilft. Es sind noch ein paar Kilometer Richtung der kleinen Ortschaft Duran am Ceahlau Massiv. Das Navi führt uns auf einen Waldweg, eine kleine holprige Strasse, endet auf dem Platz.

Die Rezeption ist unbesetzt, verlassen scheint der Platz. Ein rumänisches Pärchen mit einem Camper – ich frage nach – er kann kein englisch, sie ein wenig. Aber ich verstehe: bezahlt wird morgens, dann sei jemand an der Rezeption. Dann ist Sonnenuntergang.  Die 2 stehen auf einer Erhöhung haben ein Fernglas in der Hand. Wir gesellen uns hinzu, sehen gemeinsam auf den Berg, die roten Felsen im abendlicht. Sie fragen nach unserer Route. Das Pärchen diskutiert, dann meint sie: „Look card“. Bis es dunkel wird bekommen wir wieder neue Reise-Tipps. Rumänische Erklärung vom ihm, sie notiert die Orte auf meinem  IPad.  Danke liebe Viki für die tollen Tipps.
Inzwischen ist es fast stockfinster, kleine bunte Licht Spots leuchten auf dem Platz. Die Hunde, knurren und heulen, verteidigen ihr Revier, Zeit ins Bett zu gehen. das Rauschen des Baches wiegt uns in der Schlaf.

Klostertour durch die Bukowina

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6 Gedanken zu „Klostertour durch die Bukowina

  1. Das Kloster sieht richtig schön aus! Praktisch, dass ihr so viele Tipps bekommt. Seid ihr denn bisher in der Zeit oder schneller/langsamer als gedacht?
    Gute Reise weiterhin!

    1. Hey Schatzi, ja die Tipps von den Menschen vor Ort sind Gold wert, deshalb suchen wir sie auch. Naja, bisschen hinterher sind wir, Rumänien ist sehr schön, besonders die kleinsten Straßen, müssen dann doch wohl mal Autobahn fahren, um Strecke zu machen, also kein Strandtag in Bulgarien 😉 gute Nacht aus Siebenbürgen hdl

  2. Die Landschaft ist sehr vielfälltig und oft beeindruckend.
    Was ist das Geheimnis der nächtlichen Glühpunkte? Sind diese Hunde, die euch von West- bis Ost-Rumänien begleiten, eine Art „heiliger Kühe“der Rumänen? Weiterhin erlebnissreiche Reise und bei Platzregen geschlossene Landy-Fenster.

    1. Nabend Dieter, wir vermuten es waren Solarlampen, haben aber vergessen am nächsten Morgen nachzusehen. Die Landschaft ist so abwechslungsreich, dass wir gar nicht sagen können, was uns am Besten gefallen hat….und ja, wir haben auch mit Rumänen über die Hunde gesprochen. Sie werden nicht bejagt, nicht kastriert, aber auch nicht NUR geliebt…. Deine Gedanken hatten wir auch, fast wie die Kühe in Indien. VG heute aus der Nähe von Hermannstadt

  3. Sehr beeindruckend, die Klosterfotos! Wie geht es eigentlich mittlerweile dem Rücken von Robert? Hoffentlich wieder super!?
    Schön etwas positives über Rumänen zu hören. Hier in Berlin sind sie leider nur durch aufdringliches Betteln, als „Landstreicher“ und als Kriminelle aufgefallen. Von den netten und gut integrierten hört man nur ganz selten. Die gesamte Berichterstattung in unseren üblichen Medien ist ja seit Langem fast nur auf negative Superlative ausgerichtet. Das verkauft sich am Besten.
    Wie wohltuend, deine erfrischend positiven Reiseberichte zu lesen!!!

    1. Moin Gisa, danke der Nachfrage, dem Rücken geht es besser. Das „Landstreicher-Problem“ gibt es hier wohl auch, viele vermutlich Roma haben wir in den Karpaten gesehen, in ärmlichsten Verhältnissen lebend. Übrigens, hätten die Roma & Sinti einen eigenen Statt in Europa, wären sie zahlenmäßig der 9t größte. Die Leute die hier deutsche Autokennzeichen hatten, waren meist Rumänen, die in Deutschland arbeiten und sehr gut deutsch sprechen. Tja, leider hast Du finde ich auch, mit der oft zu negativen Berichterstattung recht. Scheint wollen was die Menschen hören wollen. Grüße heute aus Bulgarien

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