Sprengisandur

Wir sind unterwegs im Hochland von Island, auf der Sprengisandur Piste. Die längste Piste Islands führt über 200 Kilometer quer durch das Hochland, hindurch zwischen den Gletschern Hofsjökull und Vatnajökull. Wir sind gespannt was uns auf unserem Stück der Piste erwartet – war sie doch früher wegen ihrer Wetterumschwünge  gefürchtet…

Start zur Sprengisandur

Sternenklare Nacht –  -1°C  – super Sonnenaufgang – Frühstück in der wärmenden Sonne mit Atlantikblick. Wir starten gegen 11:00 Uhr in Grettislaug, fahren entlang des Weges 748 den wir gekommen sind. Einkaufen, tanken, Post in Sauðárkrókur, ab auf die  75 und weiter auf der 752, die zur F752 wird. Später wechseln wir auf die F26. Mein Fahrtag. Ich freue mich auf die Hochlandpiste, die durch die Sprengisandur führt.

Sonnenaufgang in Grettislaug
Wenn Du wissen möchtest, aus welcher Richtung der Wind pustet, sieh auf den Allerwertesten der Islandpferde, denn den strecken sie in den Wind
Ein Schild weist auf den Beginn des Gebietes hin
Nun beginnt die Off-Road Strecke, Luftdruck runter

Luftdruck auf der Off-Road Piste

Robert lässt Luft aus den Reifen. Vorne von 2,2 bar auf 1,8 bar, hinten von 2,5 bar auf 2 bar. Warum Luftdruck ablassen? Die Reifen haben mehr Traktion = Auflagefläche auf dem Boden, da sie platter sind. Die Reifen rutschen weniger und greifen besser. Natürlich rappelt es so auch etwas weniger im Landy – Geschirr, Kühlschrank etc.. Und zu guter Letzt ist es auch für uns bequemer, wir werden nicht ganz so durchgeschüttelt. Unser Tun wird mißtrauisch beäugt.

…immer dabei…

Mal so nebenbei…

So etwas wie eine Müllkippe haben wir bisher nicht entdeckt auf der Insel, aber „Schrottplätze“ für alte Autos. So wie hier, plötzlich am Hang. Mitten in der Landschaft stehen ausgediente Defender verschiedener  Typen herum. Das tut uns in der Seele weh, diese alten Landys hier so in der Landschaft vergammeln zu sehen. Schade drum, alte Baujahre, die jetzt schon historisch sind, stehen dazwischen.

Du suchst Ersatzteile für Deinen Landy? Auf Island wirst Du bestimmt fündig

Durch grüne Wiesen

Die Landschaft ist grün, die Wiesen sind saftig, der Weg wird schlechter. Ein Zaun versperrt die Weiterfahrt. Wir gehen davon aus, dass hier steht: „Bitte nach der Durchfahrt schließen“. Robert öffnet, ich fahre hindurch, Robert schließt das Gatter.

Hmmm, was mag das heißen? Wir denken: Durchfahrt ok, aber bitte schließen.
Unser Revier! …denken sich die drei wohl
So sind sie, erst auf der Straße den großen Max markieren, dann abhauen

Oft sind die Schafe hier auf Island in Dreier-Banden unterwegs. Erst den dicken Max markieren und eine Straßensperre errichten, dann kneifen und Hakengas geben. Wir müssen herzlich lachen über die wippenden Wollknäule mit den Streichholzbeinchen.

Die Landschaft ändert sich schlagartig

Es geht steil bergauf. Wir sind inzwischen auf fast 700 m. Waren wir nicht vor zwei Stunden noch am Atlantik? Kein Grashalm ist mehr zu sehen. Das Leben scheint hier oben erloschen. Ruppige schwarze Steinpiste, der Wind pfeift heftig. Ich muss immer ein wenig gegenlenken.

Alles sieht so unwirklich aus, wie auf einem andern Stern. „Houston we have landed on the moon – gonna take some pictures for you“.

Die Landschaft verändert sich in trübes grau-schwarz
Sprengisandur
Schotter,  Steine, Sand prägen das Hochplateau
Oben fließt ein Fluß – irgendwie müssen ja die tollen Wasserfälle entstehen 😉
Regen – Sonne – Sturm und Wasserdurchfahrten
Das isländische Farbenspiel und es ist moorig
Flüsse kerben sich in die Landschaft ein
Phantastische Natur im Hochland der Sprengisandur Piste, große Seen – den heute heftigen Wind sieht man der Piste nicht an

Sprengisandur

Den Namen hat die Piste übrigens erhalten, weil die Islandpferde möglichst schnell hindurch sprengen sollten, um wieder Gras zu finden. Wir haltern auch weniger und haben einen Zahn zugelegt, denn das Wetter ist heute echt miiiieeess. Plötzlich ein fieses unbekanntes Quietschen. Ich halte sofort. Fahre vorsichtig wieder an – das gleiche Geräusch. Rückwärts, vorwärts, dann ist es weg – vermutlich „Steine in den Bremsen“. Dann fliegen wir weiter durch die größte Wüste Europas.

In der früheren Zeit vermutete man hier oben Trolle, böse Geister und Geächtete. Sie sollen hier ihr Unwesen getrieben haben. Hoffe wir begegnen ihnen heute nicht oder sie sind uns gut gesotten ;-).

Laugarfell Camping

Beim Aussteigen fliegt mir die Tür aus der Hand. Wow, der Wind hat weiter zugelegt. Wir treffen den allein reisenden Finnen mit dem Motorrad und das Pärchen mit Kind aus dem Schwarzwald, mit ihrem 6×6 Toyota wieder. Sie wollen hier übernachten. Die Hütte hat einen der schönsten HotPots im Hochland. Wir steigen kurz aus und unterhalten uns, wollen jedoch noch weiter bis zum Nyidalur-Camping am Gletscher Tungnafellsjökull. Wir werden noch vor der Wasserdurchfahrt kurz vor der Nyidalur Hütte gewarnt. Sie soll die Komplizierteste in der Gegend sein. Ich suche das 00 auf vor der Weiterfahrt. Stolze 500 ISK – vier Euro (!) kostet mich das.

Nyidalur Mountain Hut

Endlich sind wir da. Ich bin froh, das Nachtlager erreicht zu haben – 18:00 Uhr. Ruhepause für heute. Die Wasserdurchfahrt war überhaupt nicht schlimm, denn es war kaum Wasser da. Aber fragen solltest Du, bevor Du die Strecke fährst. Bei Hochwasser ist die Durchfahrt sicherlich nicht einfach. Sie führt über einen mit Stangen markierten Weg in Schlangenlinie durch den Fluß, ist steinig und holprig.

Die Hütte betrete ich durch eine „Doppeltür mit kleinem Zwischenraum“. Macht Sinn bei dem Wetter hier oben. Die Rangerin sieht uns verwundert an: „You didn’t hear about the warning?„. „No„, antworte ich, „What’s going on?“ Inzwischen ist Robert auch in der Hütte.

Wir beratschlagen was wir tun sollen. Windstärke 12, mit Böen, ist angesagt für die nächsten 2 Tage. „The next safe place is: Hrauneyjar“, sagt sie uns. Puh, noch 2 – 3 Stunden Fahrt, je nach Durchkommen.  Draußen ist es schwarz geworden, Regen prasselt gegen die Scheiben der Schutzhütte, der Wind pfeift um die Hausecken, klagt sein Leid, jammert..

…man kann sagen, auf der Flucht vor Windstärke 12…

Wir beschließen weiter zu fahren. Ich schwinge mich wieder hinter das Steuer. Los geht der wilde Ritt über die schwarze Piste, die bei gutem Wetter sicherlich phantastisch wäre. Die Sicht ist bescheiden. Schlaglöcher sind kaum zu erkennen und wir treffen das ein oder andere.

Zwei und eine viertel Stunde später sind wir wohlbehalten im Hotel angekommen. Hier ist es nicht mehr so stürmisch wie im Hochland. Das Hotel ist voll. Viele haben sich hierher geflüchtet. Ein Zimmer im „Jugendherbergsstil“ mit einem Bad, dass die besten Zeiten hinter sich hat, kostet 169 Euro.

Egal – im Dachzelt schlafen können wir heute nicht. Wir genießen den unfreiwilligen Luxus: Zimmer, Bett, Badezimmer, Frühstück.

Ankunft im Hotel – draußen sieht es bedrohlich aus

Für heute machen wir uns lang – good night from Iceland

Weitere Berichte über Hochlanderfahrungen findest Du hier:

August 2018

 

Island – unterwegs in der Sprengisandur

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4 Gedanken zu „Island – unterwegs in der Sprengisandur

  1. Als ich heute Mittag am Briefkasten war, fand ich eine mega tolle Überraschung, eine superschöne Postkarte von Euch. Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut 🙂 vielen Dank Ihr Lieben 🙂 Na da habt Ihr ja wieder ein anspruchsvolles Stück hinter Euch bei dem Wetter. Aber die Aufnahmen sind wieder mega, was für eine grandiose Landschaft, ich wünschte ich könnte beamen, ich wär sofort dort 🙂 Habt noch viel Spaß und kommt gut durch das miese Wetter. Freue mich auf die Fortsetzung. Lg von Dummy-Photographie 🙂

  2. Hallo
    Hier spricht der Isländer mit dem deutschen Immigrationshintergrund 🙂 aus’m NETTO in Höfn.
    -Ich korrigiere mal ein paar Fehler bzw Falsch-Deutungen die mir bis jetzt aufgefallen sind.
    Die Wal-Stadt im Norden heisst Húsavík, und nicht norddeutsch Husarwik/Husarvik. U und I mit Apostroph, bedeutet das es jeweils ein langer, offen gesprochener Vokal ist – Huuhsawiek -, Betonung wie immer die erste Silbe. Bedeutet nichts anderes als „Hausbucht“.
    Myvatn = Mückensee. Falsch wäre der See Myvatn, ist dann ähnlich wie der See Bodensee ;-)). Dementsprechend wird von der Myvatn-Region gesprochen.
    Ähnlich verhält es sich mit die Sprengisandur = DER/DIE Explosions-Sand/Sände, so wird die Strecke durch dieselben benannt und die Wüsten Region drumrum.
    Und das Schafe meistends zu dritt unterwegs sind, nun im Frühsommer würde man besser erkennen warum :-)) Mutter mit zwei Lämmern. Jetzt um diese Jahreszeit sind beide kaum noch zu unterscheiden, auch wegen der vielen Wolle.
    Viel Spass noch die letzten Tage
    Werner

    1. Moin Werner, also mit den Schafen, da hätte ich auch selbst drauf kommen können – es sah immer aus wie ein „Gehörnter“ mit zwei weiblichen Tieren dazu – fast immer ;-). Vorgestern waren wir bei einem Schaftabtrieb „dabei“. Aber, da habe ich nicht nachgefragt – Bilder dazu folgen. Vielen Dank für Deine Ergänzungen und Korrekturen. Freue weiter von Dir zu hören. LG Kirsten

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