N 64°27.76 W 20°14.70 – das sind die Koordinaten der kleinen Hütte, idyllisch gelegen in einem „Talkessel“. Der perfekte Ort, fern ab des Rummels – bis zum Gullfoss sind es ca. 20 km – die Nacht zu verbringen. Dazu solltest Du allerdings mit einem geländegängigen Fahrzeug unterwegs sein.

Morning has broken: „Camping“ Island Hagavatn

Die Nacht war kalt. Bevor wir aufstehen drücke ich auf den Knopf der Fernbedienung der Standheizung. Je nach Außentemperatur ist es nach fünf bis zehn Minuten kuschelig warm im Landy. Ich schäle mich aus dem Schlafsack und schaue hinaus. Grau in grau präsentiert sich der neue Tag.

Wir befinden uns im Hochland zwischen den Seen Sandvatn und Hagavatn, die durch den Fluß Farið verbunden sind.

F335 Hagavatnsvegur

Das ist die Straße, die uns zu der gelben Hütte – „Camping“ Island Hagavatn – geführt hat. Die schnuckelige Unterbringung gehört zum Ferðafélag Íslands = Isländischer Wanderverein. Zum Schutz gegen Wind und Wetter wurden ein paar Bäume direkt neben die Hütte gepflanzt.

Logo des Wanderveiens

Die Hütte ist recht klein. Strom und fließend Wasser gibt es nicht. Aber für die Wasserzufuhr haben wir ja die Farið, denn es gibt wohl kaum irgendwo soooooo kristallklares Wasser wie auf Island. Und viel mehr als das Rauschen des Wassers, wirst Du hier auch nicht hören. Ruhe und Frieden.

Warum empfehle ich diese kleine Hütte? Weil es hier wundervoll friedlich ist inmitten der archaischen Natur

Mittig vor dem Fenster der Schutzhütte steht ein großer Holztisch, der Platz für sechs bis acht Personen bietet. Direkt hinten an die Sitzbänke des Tisches anschließend, befinden sich robuste Doppelstockbetten mit Schaumstoffmatratzen. Zugegebenermaßen haben einige Matratzen ihre besten Zeiten hinter sich. Der vergilbte Schaumstoff sieht aus, als wenn jemand hungrig an den Ecken geknabbert hätte. Ein kleiner Ofen aus Großmutter Zeiten, etwas Holz und ein bisschen Geschirr gehören zur Hüttenausstattung. Spartanisch.

Unsere Benzinlampe hängt an der Decke

Die Übernachtung/Benutzung ist nicht kostenlos. Rechts neben dem Eingang weist ein Schild Preise aus, für Wanderer und Camper.  Darunter hängt ein Eisenkasten mit einem Schlitz für den Geldeinwurf.

Die Toilette befindet sich etwas abseits und dient zusätzlich als Geräteschuppen. Und da es auch hier dunkel ist, habe ich einen Stein in die Tür gelegt und die Aussicht genossen.

Das stille Örtchen der anderen Art

Wichtig: Camping in Verbindung mit Hütten

Um Unfrieden und Mißverständnisse zu verhindern, wie es uns passiert ist , solltest Du Dich vorher anmelden, sofern die Hütte zum Wanderverein gehört (www.fi.is) oder zum Outdoor-Aktivitäten-Verein. Jetzt in der Nachsaison wird es nicht so verkniffen gesehen, aber während der Hauptsaison ist eine Anmeldung unerlässlich. Werner, der Auswanderer, den wir in Höfn im Supermarkt kennengelernt haben, hat uns aufgeklärt, dass diese Hütten keine Schutzhütten sind und es durchaus passiert, dass  die Hütten von  Wandergruppen exklusiv gemietet werden. Wer die Hütten als Camper bei schlechtem Wetter zum Kochen oder zum Aufenthalt aufsuchen möchte, sollte anfragen. Meist hängt in den Hütten ein Zettel mit der entsprechenden Telefonnummer aus. So auch in dieser.Vorrang haben im Zweifelsfalle jedoch immer die Wanderer.

„Camping“ Island Hagavatn – ein Blick rundherum

…zur Abwechslung regnet es mal wieder
Auf dem Weg zur Hütte durchfahren wir verschiedene Gesteinsfelder – braun – grau -schwarz- von feinsandig bis steinig
Karge Vegetation
Matsch und Moder – Autowäsche ist vergebene Liebesmühe

Weiter rollen die Räder

Bevor es weiter geht in Richtung Westfjorde, wollen wir uns den Wasserfall – Leynifoss – ansehen. Von der Erhebung neben dem Wasserfall erhoffen wir uns einen Blick auf den Gletscher Eystri-Hagafellsjökull mit dem vorgelagerten See Hagavatn.

Kurzer Fotostopp

Bis zur Hütte war die F335 eine recht gut befahrbare Schotterpiste. Das ändert sich nun. Der Weg führt durch den Fluss, ist holprig und steinig. Eine Wegmarkierung ist nicht recht zu erkennen. Wir folgen alten Fahrspuren.

Für Wanderer soll es einen kleine Brücke zur Überquerung des Flusses geben
2 stufig tost das Wasser des Leynifosses hinunter in den Fluss Farið

Es wird ziemlich ruppig. Die letzten knapp 100m führen mit über 40% Steigung den Hang hinauf. Es geht teils hinweg über lose rutschige Lavasteine. Schafft das der Landy?  Eigentlich schon. Aber verhalten wir uns auch richtig?

Vielleicht kannst Du die steile Pist von hier oben, mit Blick nach unten zu den Landys ein wenig erahnen

Die Situation erinnert mich an unser Fahrtraining bei Land Rover in Wülfrath. Die Steigung war größer, aber es gab kein loses Lavaschottergestein. Da ist wohl langsam mal ein weiterführender Kurs fällig ;-).

Wie dem auch sei, bis hier hin und nicht weiter, die Landys haben Pause. Den Rest geht es per pedes hinauf.

Im Vordergrund der See Hagavatn, der Gletscher verschwindet hintem im Einheitsgrau

Wie genießen den Fenrblick und ich träume mir azur-blauen Himmel herbei. Ich stelle mir vor, wie sich die Landschaft im See widerspigelt und der majestätische Gletscher sich weiß strahlend gegen den blauen Himmel abgrenzt…

September 2018
Island Hagavatn – Übernachtungstipp

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