Reisebericht Skrudur

Go West – ein weiterer Tag in den Vestfirðir. Heute besuchen wir Skrudur. Durch ein Tor betrete ich eine andere Welt. Wow – das kommt unerwartet hier in den wildromantischen Westfjorden mit den zerklüfteten Lavafelsen.  Blumen, Obst und Gemüse, ein Tor aus Walfischknochen, ein Glashaus… lass Dich im „Reisebericht Skrudur“ entführen in ein buntes Island der Ruhe und Harmonie…

Reisebericht Skrúður

Landy aus. Wir halten. Stille umgibt uns. Wir sind allein. Schwarze, zerklüftete Lavafelsen ragen imposant in den blauen Himmel. An einem Pfahl häng ein Kasten. Hier ist ein Obolus zu entrichten. Wir blicken auf eine grasbewachsene Steinmauer mit einem mint-weißen Tor. Das umgekehrte Herz im Tor sieht aus wie ein freundliches Fenster, eine Einladung einzutreten.

Reisebericht Skrudur

Wir treten ein und staunen. Im Sommer 1905 wurde der Garten angelegt und mit ersten Blumen und Gemüsearten bepflanzt. Damit hat sich der Gründer, Pfarrer Sigtryggur Gudlaugsson, einen Traum erfüllt.

Ordentlich sind die Beete mit Steinen eingefasst. Eine grüne Bank lädt zum Verweilen ein. Ich setze mich – fühle die Ruhe, die die kleine Oase ausstrahlt. Fast hypnotisierend wirkt das Plätschen des Brunnens auf mich.

Bei Bienen und Hummel herrscht geschäftiges Treiben. Fleißig sammeln sie Nektar und sorgen für die Bestäubung der bunten Pracht.

Es blüht und summt im Garten von Skrudur
Alle Pflanzen sind beschriftet, was für eine Arbeit, denn es gibt hier Hunderte
Ein harmonischer Garten mitten zwischen den wildromantischen Lavafelsen von Island
Reisebericht Skrudur
Steinterassen mit Blumen und Sträuchern
Wow, wenn ich an meine mickrigen Kohlrabi im Hochbeet zu Hause denke…

Nutz- und Ziergarten

Der Garten erfüllte damals verschiedene Zwecke

  • die Schüler der angrenzenden Jungenschule Nupur konnten hier Grundkenntnisse in Gartenbau und Pflanzenkunde erwerben
  • er zeigte den Schüler, dass selbst in Islands rauem Klima mit der richtigen Pflege, viele Pflanzen gedeihen können
  • die Schüler lernten sich gesund zu ernähren, mit Gemüse und frischen Kräutern

Also, ein wenig neidisch bin ich schon, als ich die mehr als Apfelsinen großen Kohlrabi sehe. Hier wird über jede Pflanze Buch geführt. Kartoffelsorten, Apfelbäume, Kräuter, Wildblumen…

7. August 1909

Das ist das Datum, an dem der Garten eingeweiht wurde. Der Pfarrer hatte es zu Ehren des 150jährigen Jubiläums der Kartoffel auf Island ausgewählt.

Als Pfarrer Gudlaugsson verstarb, geriet sein Garten in Vergessenheit, verwahrloste. Erst 1992 wurde Skrudur wieder aufgebaut.

Eintrag im Gästebuch

Während Robert sich im Gästebuch einträgt, schaue ich mir die alten Bilder an, die die Wand des kleinen Glasbaus zieren. Ich stehe vor den Plänen des Gartens. Alle Pflanzen sind nummeriert und aufgeführt.

Schade, dass ich nicht lesen kann, welche Pflanzen hier gepflanzt wurden – Isländisch.

Internationaler Gartenbaupreis

Der kleine Garten ist inzwischen auch über die Grenzen Islands hinweg bekannt. 2013 bekam das 70m x 35m große Quadrat auf kargem Fjordboden den Internationalen Gartenbaupreises Carlo Scarpa. Die Jury überzeugte die Landschaftsgestaltung unter extremen Umweltbedingungen, wenige Kilometer vom Polarkreis entfernt.

Reisebericht Skrudur
Ein Tor aus Walfischknochen

Allerdings ist es nicht mehr das Originaltor. Die Originalknochen stammten aus dem Kiefer eines 1892 gefangenen 30m langen Blauwales. 2010 wurden sie abgebaut und in das Naturhistorische Museum von Bolungarvik gebracht. Die Knochen des heutigen Tores stammen aus dem Kiefer eines Finnwales.

Und wo liegt nun Skrúður

Nun möchtest Du sicher wissen, wo sich der Ort befindet. Hier schon einmal die Koordinaten für das Navi: 65,9 ° N 23,6 ° W. Wir sind am Morgen in der Hauptstadt der Westfjorde in Ísafjörður gestartet. Auf direktem Wege über die 60 und die 624, sind es ca. 35km bis zum Garten von Skrudur. Vom Abzweig 624 aus sind es noch ca. 8km bis zum „Botanischen Garten“.

Ísafjörður

Stadtbesichtigung Ísafjörður – Altstadt
Zwar gibt es in der Altstadt viele herunter gekommene Häuser, einige jedoch sind schon renoviert.
Stadtbesichtigung Ísafjörður – Neustadt
Wir gehen durch den Hafen und blicken hinüber zur Stadt. Die Stadt umfasst das Ende des Skutulsfjörður, bildet einen Halbkreis.

Bevor wir  Ísafjörður verlassen, finden wir im Hafen eine Fiskbud. Wundervoll! Endlich bekommen wir wieder frischen Fisch. Ich freue mich schon jetzt auf das Abendessen.

Vielen Dank für die Fotogenehmigung

Während wir warten, schaue ich mich im Laden um. Bilder von damals und heute zieren die Wände. Es gibt Fischlerderprodukte und allerlei mir unbekannte Dinge.  Nach uns ist der Laden leer und ich nutze die Gunst der Stunde für ein paar Fragen.

Trockenfisch=Stockfisch

 „Wo und wie wird der Fisch getrocknet“, möchte ich wissen. „Im Winter“, erklärt der Fischer, „wird der Fisch bei -1 bis -10°C auf Holzgestelle gehängt. Im Sommer wird er gesalzen und dann aufgehängt. Das Trocknen dauert ein paar Wochen.“

In der Auslage steht ein Glas mit weißen quadratischen Stückchen, die in einer Flüssigkeit schwimmen. „Was ist das?“, möchte ich wissen. „Hákarl“, antwortet der Fischer, „Hai“. Wie er exakt verarbeitet wird habe ich nicht verstanden. Nur, dass es sehr lange dauert und dass er wohl ziemlich stinkt. Auf die Frage, wie er schmeckt, lacht er: „Streng und stark, es gibt einen Energiekick“. Natürlich gibt es dazu den Isländischen Schnaps: Brennivín.

Außerdem sehe ich zwischen dem Fisch, Fläschchen mit Tran (aus Haileber) stehen und mehrere Stückchen Schafsfett liegen. „Wir benutzen es als Butter. Im Winter wärmt es die Organe von innen“, sagt der Fischer uns schmunzelnd.

Dann erzählt es uns etwas über die Tradition des Fischessens. „ Am 23. Dezember, wenn die Fischer mit ihrem frischen Fang nach Hause kommen versammelt sich die ganze Familie. Es wird gefeiert. Die alten Trockenfischreste werden verzehrt.“ Seine Augen leuchten, während er erzählt. „Am 24. kommt der frische Fang auf den Tisch und am ersten Mond nach Silvester gibt es Räucherfisch“. Er liebt diese Tradition und lebt sie noch heute. „Wir sind dann über 20 Personen: Schwester, Bruder, Kinder, Enkel- und Urenkelkinder, Onkel und Tante, alle kommen zusammen“.

Kundschaft kommt herein. Wir bedanken uns für das Gespräch und reisen weiter.

Impressionen vom Tag

Abstecher auf der 65 nach Suðureyri, hier hängen ein paar Fischköpfe zum Trocknen aus.
Ein Fischkopf ist herunter gefallen. Er liegt im nassen Gras. Mir wird schlagartig speiübel. Der wiederlich Ekel erregende Gestank kitzelt in der Nase.
Reisebericht Skrudur
Pause am weißen Sandstrand zwische schwarzen Lavafelsen.
Ein herrlicher Tag mit gefühlten 20°C wohl der wärmste, den wir auf Island hatten.

Wir übernachten in dem kleinen Örtchen Þingeyri. Zum Sonnenuntergang brutzelt der Fisch in der Pfanne.

Die letzten Sonnenstrahlen fallen durch ein Gebüsch am Strand.
Zum Sonnenuntergang brutzelt der Fisch in der Pfanne.
Ein wunderschöner Sonnenuntergang bei Þingeyri

Nachts gucke ich immer mal wieder hinaus. Yes, auch heute tanzen die Nordlichter in einem langen schmalen grünen Band für uns über den Himmel…

September 2018
Island – Reisebericht Skrúður

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2 Gedanken zu „Island – Reisebericht Skrúður

  1. Von deinen schönen Fotos hat mich der Garten am meisten erstaunt und beeindruckt. Ein Glück, dass mit den Fischfotos nicht auch gleich der Geruch zu mir weht!

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