Wir fahren durch das Gebiet Landmannalaugar und hinein in das Hochland – 4×4 ist angesagt. Gestern Abend in Hrauneyjar im Hotel, in das wir vor dem Sturm geflüchtet sind, habe ich noch über den Karten gebrütet und eine schöne Route für heute heraus gesucht – mein Navitag.

Aufbruch im Hotel gen Landmannalaugar

Frühstück, packen – wir bringen unser Übernachtungsgepäck zurück in den Landy. Von dem Sturm der Nacht habe ich nichts mitbekommen. Heute hängen noch schwarze Wolken bedrohlich tief am Himmel.

Leergefegtes Frühstücksbuffet

Gespräch mit dem Ranger

An der Rezeption des Hotels steht ein Ranger, um Fragen der Touristen zu beantworten, Touren zu zeigen oder bei verschiedensten Problemchen behilflich zu sein.

Ich warte bis ich an der Reihe bin und zeige ihm meine gestern geplante Route auf unserer Karte: 26/208/F208/210/F210…

Er runzelt die Stirn, sieht mich ernst an und sagt: „That’s too dangeros for you. You can’t drive that way“.  Hmmmm, mit einem einfachen „Nein“ gebe ich mich nicht zufrieden, da kennt er mich schlecht. Ich zeige ihm, wo wir schon waren. Er möchte wissen, welches Auto wir fahren und welche Bereifung der Wagen hat. Wir gehen gemeinsam hinaus.

Als er den Landy sieht, die Bereifung und Robert uns entgegen kommt, hellt sich sein Gesicht auf. „Ahhhh, ok, you don’t drive alone and the car is pretty good for that trip“, er strahlt uns an und erklärt, dass einer seiner Lieblingsplätze auf der gewählten Route liegt. Auf einen besonders grünen Berg in der Lavawüste sollen wir achten.

Wir bekommen noch interessante Tipps für die Übernachtung und den nächsten Tag. Der nette Ranger verabschiedet uns mit den Worten: „Have a safe trip and come back in one piece“. Dann kommt die Belehrung: die letzen Worte eines Ranger sind immer der Hinweis auf die Strafen, die Dich beim Verlassen der Wege und unerlaubten Übernachtungen – besonders im Hochland – erwarten.

Richtig so! Ich bekomme eine Wahnsinnswut, wenn ich die Reifenspuren abseits der Pisten sehe oder die platt getrampelte Natur, in der freundlich gemalte Verbotsschilder stehen.

Die Räder rollen einem spannenden off-road Tag entgegen

Wir starten auf der 208 Richtung Norðurnámur, biegen auf die 210 bei Snæbýli, die dann zur F210 wird.

Mal so zwischendurch: Thema  „off-road-fahren“ und „wild-camping“

Das heißt auf Island:

  • nicht durch die Walachei zu brettern, wir es Dir passt
  • immer auf markierten Wegen zu bleiben, AUCH im Hochland
  • die „F-Straßen“ sind nur für 4×4 Fahrzeuge gedacht
  • nicht abseits ausgewiesener Campingplätze zu übernachten
  • gegebenenfalls eine Erlaubnis den Landbesitzers für die Übernachtung einzuholen
  • EIN Zelt für EINE Übernachtung, ist für Wanderer erlaubt, wenn kein Campingplatz in der Nähe ist, dort niemand wohnt, das Gelände nicht eingezäunt ist und keine Natur beschädigt wird

F208 – Reifendruck ablassen

Wir durchqueren ein Labyrinth schwarzer Lavazungen und Lavatürme, umgebenen von Flüssen und grünen Oasen. Islands Vulkane haben ganze Arbeit geleistet und kunstvolle Meisterwerke erschaffen.

Nun führt der Weg steil bergan, gibt die Sicht frei auf schneebedeckte Hänge. Es pfeift hier oben, ist eiskalt. Schneeregen peitscht gegen die Scheiben. Aber sogleich kommt die Sonne wieder durch. Der Fernblick ist phantastisch. Eine Wasserdurchfahrt folgt der nächsten. Die Pegel sind zur Zeit recht niedrig, mehr als 60 cm Wassertiefe sind es bisher nicht.

Landmannalaugar

Wir befinden uns in der Landmannalaugar, durchqueren einen Teil. Landmannalaugar heisst so viel  wie: „Warme Quellen der Leute vom Land“.

Die  bezaubernd farbenprächtige Landschaft hat uns in ihren Bann gezogen. Staunend steige ich immer wieder aus, drehe mich langsam im Kreis, ist das schön. Träume ich?

Mein Hirn bekommt gerade nicht sortiert, was es sieht. Für mich kann auch kein Bild der Welt den Eindruck wiedergeben, der sich mir „eingebrannt“ hat. WOW! Dieses Wunder der Natur ist das größte Rhyolitgebiet Islands. Graue, hellgrüne oder hellrote Farbtöne dominieren das Bild der Landschaft.

Bei Touristen sind die warmen Quellen – wohl die größte Badewanne Islands – am Berg Blahnukur ein beliebtes Reiseziel.  In der „alten Zeit“ haben sich die Bauern von den Strapazen der Schafabtriebs, der auch gerade momentan stattfindet, in den Quellen erholt.

Es gibt noch weitere Pisten, die in das Gebiet hineinführen, wie z.B.: F225. Sollten wir Island wieder besuchen, dann steht eine genauere Erkundung dieser Landschaft oben an.

Dein Wagen sollte auf jeden Fall 4×4 tauglich sein, um diesen märchenhaften Landstrich zu besuchen.

mehrere Lavazungen laufen hier im Tal aus

 

Ein Herz für Island – in den Hängen liegt Schnee

Rangerin an der Flussdurchfahrt

Eine Stunde später folgt eine längere Wasserdurchfahrt. Nach der Passage halten wir an. Dort steht ein weißer Landy aus Deutschland. Wir treffen Sabine und Stefan mit ihrem TD4. Auch eine Rangrein mit ihrem Toyota Hillux ist vor Ort. Eine Dame mit einem bepackten Tourenrad kommt die Piste entlang gehoppelt. Hut ab!

Die Rangrein klärt uns auf, dass einige Flüsse durch den Regen der letzten Tage angestiegen sind und wir vorsichtig sein sollen. Sollen wir alleine weiter fahren? Oder wollen wir die nächste Strecke gemeinsam meistern?

Nach dem Gespräch mit der Rangerin ist schnell entschieden: wir tun uns für den weiteren Weg zusammen.

Und noch eine Wasserdurchfahrt

An den nächsten Furten beraten wir gemeinsam, wie sie am Besten zu queren sind. Eine Durchfahrt ist sehr holprig. Im Flussbett liegen große Stein und als wir in ein Loch holpern, schwappt das Wasser über die Motorhaube. Kein Problem. Mit Untersetzung und eingeschalteter Differenzialsperre trägt uns der Landy zuverlässig an das andere Ufer. Sabine und Stefan folgen. Vom sicheren Ufer aus, sieht alles harmlos aus. Es wirkt lange nicht so „dramatisch“ wie es sich im Landy anfühlt.

Dort unter dem Regenbogen sind wir gerade hindurch gekommen.

Ein Märchenberg

Die Landschaft ist inzwischen lavaschwarz. Die Piste windet sich kurvig hinauf durch das Hochland Islands. Oben angekommen, fehlen mir die Worte. Wie aus dem Nichts stehen wir vor einem grün schimmernden Berg mitten im weiten Schwarz der Hochebene. Ich fühle mich, als wenn ich beginnen sollte mit: Es waren einmal oder, es begabt sich im Jahre……. Wir verweilen, sprachlos… Das muss der Lieblingsberg des Rangers sein.

Ups, aber wo ist der weiße Landy? Sie sind nicht mehr hinter uns. Besorgt, fahren wir rückwärts. Dort stehen sie, Motorhaube geöffnet – die Motorkontrollleuchte steht auf rot. Nach einem Neustart des Landys leuchtet sie nicht mehr. Nur ein Fehler? Hoffentlich!

Wir fahren wieder los und erfreuen uns noch einmal an der Ansicht des Berges. Dann geht es mit Speed durch den Lavasand, um den Berg herum, zum Camping – Strútur. Das ist der Tipp, den uns Rangers aus dem Hotel heute Morgen gegeben hat.

 

Idyllisch gelegen, direkt am Schwemmland des Flusses, dominiert hier wieder das leuchtende GRÜN die Landschaft.

Wir stellen unsere Landys zwischen Hütte und Waschhaus, dort gibt es einen geebneten Platz.

Strútur – Camping

In der Hütte sieht es ziemlich chaotisch aus. Im Spülbecken steht ungewaschenes Geschirr. Benutze Becher & Teller, Karten & Spiele, Weinflaschen und allerlei Kram liegen auf den Tischen herum. „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen und wer hat aus meinem Becherchen getrunken“, sind wir bei den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen gelandet? Das würde mich heute nicht wundern.

Wir reinigen uns eine kleine Ecke, kochen , essen, waschen ab und besprechen die Route für den nächsten Tag. Friedlich neigt sich der wundervolle Tag dem Ende entgegen.

Enemies

Laute Schritte, erboste Stimmen, wütende Gesichter.  Ohne ein „hallo“ oder ein „guten Tag“ sollen wir sofort verschwinden. Vorbei ist der „Schneewittchen-Zauber hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen“. Schließlich wäre die Hütte exklusiv gemietet (!!!), werden wir weiter angepoltert. Jetzt fehlen noch Blitz und Donner vom Himmel zur Untermalung. Die Landys sollen wir weiter weg parken, sie stören dort wo sie stehen.

Ich erkläre der erbosten Wortführerin – der bösen Stiefmutter, dass wir diesen Tipp von einem Ranger bekommen haben. Schließlich darf sich jeder in der Schutzhütte aufhalten. Der bärtige Hüne in blauer Montur hinter ihr, schimpft auf isländisch.

Keine Lust auf weitere Diskussionen mit der aufgebrachten Bande und vielleicht sind es ja auch böse Trolle, gehen wir hinaus. Die Landys bleiben stehen wo sie sind. Inzwischen wechseln sich Regen und Schnee ab. Wie gut, dass wir autark sind…

Island – Landmannalaugar

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3 Gedanken zu „Island – Landmannalaugar

  1. Was für ein Bericht und diese Landschaft, unbeschreiblich schön, hoffe dass ich das auch noch in echt sehen darf 🙂 Also so wie du die Hütte beschrieben hast, so haben sich die Leute auch verhalten, passt ja mal. Mir wäre es echt schwer gefallen da ruhig zu bleiben. Ich mag aggressive Menschen gar nicht, die passen nicht in diese wundervolle Natur. Hoffe die haben Euch dann in Ruhe gelassen. Auf jeden Fall wieder ein sehr schöner Bericht mit traumhaften Aufnahmen. Liebe Grüße und gute Fahrt.

    Sylvio von Dummy-Photographie

    1. Moin Sylvio, aufregen bringst ja nichts, aber diskutieren auch nicht. Die waren beratungsresistent.
      Da passt(e) mancher(es) nicht hin;-) – Mensch, Auto, Benehmen an Sehenswürdigkeiten oder Verhalten in Waschhäusern……
      Aber habe ich ein Recht auf Exklusivität?

      Danke für Dein Lob, neuer Bericht ist online Grüße von unterwegs 🙂

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