Norwegen Roadtrip 2018

Grenzenlose Weite, urige Vegetation, steile Felswände, ungezähmte Natur, rauschende Wasserfälle, Europas größtes Hochplateau. Wir sind unterwegs in und um den Nationalpark Hardangervidda.

Norwegen Roadtrip 2018
Reiseroute für 2 Tage

Hardangervidda

Norwegisches Sprichwort:
Å leve lykkelig til sine dagers ende
kann man bare gjøre fra dag til dag.“

Was so viel heißt wie: „Nur wer vom Augenblick zu Augenblick lebt, kann sein ganzes Leben glücklich sein.“ Und genau so fühlt es sich an den größten Nationalpark Norwegens Hardangervidda zu bereisen. Der Alltag ist gaaaaanz weit weg im hintersten Stübchen. Es zählt der Augenblick. Und der macht glücklich. Norwegens größter Nationalpark ist ein Geschenk der Natur.

8.000 km² , im Mittel zwischen 1.200 – 1.400 Höhenmeter sind die Maße des riesigen Plateaus.  Hier lebt auch die größte wilde Renntierherde mit ca. 15.000 Tieren.

Der Weg zum Hardangervidda

Wir starten im Sportboothafen von Tau, wollen weg von der Küste. Dort soll es ab morgen regnen.

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Das Wetter wird umschlagen

Die Berge werden höher, die Landschaft wir rauer. Die Schneeschmelze hat die Wasserfälle zu reißenden Monstern anschwellen lassen.

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Die Straßen, die sich an den Felswänden entlang schlängeln, werden schmaler. Manchmal sind sie nur einspurig und es gibt Ausweichbuchten, um Gegenverkehr vorbeizulassen.

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In der Ferne entdecken wir die ersten schneebedeckten Gipfel. Es ist warm, fast windstill. Leicht kräuselt sich das Wasser des Fjordes.

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Bei Jarvik setzen wir über

Stengt zu deusch: gesperrt

Das glauben wir erst einmal nicht und fahren weiter auf der E134. Kleine Tunnel, wilde Natur – kein Empfang, keine Möglichkeit nachzusehen, was es auf sich hat mit der Sperrung.

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Die raue Natur ist bezaubernd

Noch ein Schild: Stengt. In Sauda frage ich an einer Tankstelle und erfahre von dem großen blonden jungen Mann an der Kasse: „Yes, stengt. Toooooo much snow, the road ist closed.“

Macht nichts. Wir freuen uns ein zweites Mal unter dem eben passierten Wasserfall hindurch zu fahren.

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Kostenlose Wasserfallwaschstraße

Wir fahren immer entlang des Fjords, gelangen zum Langfoss.

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Langfoss

Gegen späten Nachmittag erreichen wir Kinsarvik und überachten dort.

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Am nächsten Morgen sind wir früh hoch. Wir wollen uns die 4 Wasserfälle ansehen. Hier am Husedalen beginnt der Nationalpark Hardangervidda. Den Parkplatz haben wir in ein paar Minuten erreicht.

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Husedalen – die fantastischen 4

Hardanger Fossasti wird die Tour genannt und soll hin und zurück sechs Stunden dauern. Berggebiet – mittelschwer. Auf geht’s. Wir folgen dem roten T des Wandervereins.

Schnell haben wir den Tveitafoss erreicht. Von hier gibt es zwei Wege hinauf. Der eine führt direkt unter einer Wasserleitung steil bergauf. Ich inspiziere ihn – heute ist mir nicht nach Abenteuer und Kletterei. Weg zwei – that’s my way: unverfänglicher Schotter, fahrbahnbreite Serpentinen. Beide Wege enden dort, wo ein Birkenwald beginnt.

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Über Baumwurzeln, Stock und Stein, kommt Nr 2, der Nyastolfoss in Sicht. Robert packt die Fotoausrüstung aus und ich schlendere ein wenig weiter. Nun bin ich allein. Hier leben sie bestimmt, die Trolle. Ich liebe Märchen und Mythen.  Vielleicht beobachten sie mich auch gerade. Groß und böse sollen sie sein, sie mögen keine Christen. Doch sie kommen nur bei Nacht heraus. Und wenn ein Troll es nicht rechtzeitig in seine Höhle schafft, dann wird er zu einem Fjell. Wohl der Grund, wieso es in Norwegen so viele große Fjells inmitten in der Natur gibt.

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Wieder verändert sich die Landschaft. Es geht bergauf über Felsbrocken – Trolle? Ein schmaler Gebirgsweg schlängelt sich an der Felswand entlang. Uffff, ist das unwegsam. Nein, heute nicht mit mir. Ich setze mich auf einen Felsen und zoome mir die brodelnden Wassermassen heran. Bis hier hin und nicht weiter.

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Robert kommt mit dem Stativ auf der Schulter um die Ecke. Er möchte weiter. Ich streike. Er steigt den Gebirgsweg noch ein wenig weiter hinauf, ist aber bald zurück. Wir packen Stullen, Obst und Würstchen aus, draußen schmeckts doch immer am Besten. Dann treten wir den Rückweg an.

Norwegen Roadtrip 2018Hier könnte ich noch stundenlang sitzen – nur ein bisschen laut ist es

Eidfjord

Wir sind auf der sonnenbeschienen Seite des Fjordes Richtung Eidfjord unterwegs. Nach einem Tunnel rollen wir durch ein kleines Dorf. Stooooop! Wie im Bilderbuch, ich muss ein Bild machen. Die Obstbäume stehen in voller Blüte links und recht der Straße, über Kilometer – wunderschön.

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Obstblüte

Wir erreichen Eidfjord, parken, gehen spazieren. Nippesläden: Robert verdreht die Augen, ich bin schon verschwunden im Kitsch. Endlich bekomme ich ein kleines Buch mit Trollgeschichten. Am veganen Bioeisstand gönnen wir uns jeder zwei köstliche Kugeln, setzen uns an den Eidfjord, einen Ausläufer des Hardangerfjords. Ein Lied kommt mir in den Sinn: „So soll es sein, so kann es bleiben, so habe ich es mir gewünscht.“

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Eins Eis in Eidfjord

Wir sitzen wieder im Auto, ich verstehe die Karte nicht. Gestrichelt bedeutet Tunnel, mit Serpentinen und Abbieger? Tatsächlich, sind wir in einer anderen Galaxie gelandet? „Scotty beam me up“, fährt es mir durch den Kopf.

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Ein Kreisel im Tunnel

Unglaublich, neonblau leuchtet es uns entgegen, ein Kreisel im Tunnel. Und dan wartet auch schon das nächste Highlight auf uns.

Voringfoss – 182 Meter freier Fall

Der imposante Wasserfall liegt am Westrand des Hardangervidda und donnert hinab in das Måbødal. Es ist der wohl berühmteste Wassefall in Norwegen. Aber Achtung, absturzgesichert ist am Parklatz nichts. Fussspuren und die frei getretenen Baumwurzel zeugen davon, wie dicht sich die Besucher an die brüchigen Kanten wagen.

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Und das hat hier schon Leben gekostet. Neben diesem Gedenkstein steht ein weiters Kreuz. Ein kleines Mädchen ist abgestürzt. Wie tief es hinab geht und wie gewaltig der Wasserfall ist, sehen wir erst, als wir zum Aussichtspunkt gehen.

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Mit mächtigem Getöse stürzen die Wassermassen in die Tiefe

Siehst Du das riesige rote Gebäude an der Bildkante? Es sieht aus, wie eine Miniatur am Wasserfall. Es ist ein Hotel. Eine Plattform ragt vor dem Hotel von der Hochebene des Hardangervidda über den Wasserfall.

Unterwegs auf dem Hochplateau

Die Straße windet sich weiter hinauf und plötzlich stehen wir oben auf dem Hochplateu. Mir fehlen die Wort, oder besser die Buchstaben… Und wenn ich die Bilder sehe, bekomme ich gleich wieder eine Gänsehaut.

Norwegen Roadtrip 2018 - Hardangervidda
Unendlickeit und Ruhe
Norwegen Roadtrip 2018 - Hardangervidda
Surreal sieht die Landschaft hier oben aus

Es wird schon wieder zu viel für einen Tag, aber es ist so, so, so schön. Meine Gedanken drehen Pirouetten vor Glück – Gedankenfetzen des Tages ziehen unsortiert vorbei, auch der Preikestolen von gestern schleicht sich dazwischen. Wir halten wieder einmal.

Hier oben ist es kalt, aber egal. Ich stürme hinauf auf einen Schneehügel und bin zack bis zum Knie weg.  Ich möchte noch ein Bild von den lautlosen Schneeflitzern haben.

Norwegen Roadtrip 2018 Hardangervidda
Ski-Kyter rasen über die Schneeflächen

Blaue Finger, durchgefroren sitze ich wieder im Landy. Viel zu schnell verlassen wir das Hochplateau, biegen ab bei Geilo auf die 40 Richtung Oslo. Es zieht sich zu. Die Wetterapp kündigt nun auch hier Regen für 18:00 Uhr an. In den letzen Sonnenstrahlen taucht eine Auerhenne an der Straßenkante auf.

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Erst komme ich…wir halten vor der Auerhenne.

Wir halten und beobachten, wie der scheue Hühnervogel die Straße mißtrauisch kreuzt. Perfekt getarnt ist die Dame, mit dem waldbodenfarbenen Gefieder. Bei meinem Gang durch den  Bayerischen Wald mit einem Ranger, habe ich einiges erfahren über das fast gänsegroße „Urhuhn“.

Die Stabkirche von Uvdal

Der Tag neigt sich dem Ende zu. Wir sind in Uvdal angekommen, haben beschlossen hier zu übernachten. Aber zuerst möchte ich mir doch endlich eine Stabkirche von innen ansehen. Es gibt ein kleines Museumsdorf oberhalb von Uvdal. Leider hat es noch geschlossen. Es öffnet erst Anfang Juni.

Aber im Ort selbst befindet sich auch eine große Holzkirche. Jedoch zu spät für einen Besuch. Es ist nicht das Original, was Du hier siehst. Der Kirche wurde über die Jahrehunderte hinweg immer etwas hinzugefügt.

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Stabkirche von Uvdal

So sind hier mehrere Epochen in einem Bauwerk vereint. Münzen, die unter dem Boden der Kirche gefunden wurden, lassen auf einen ersten Kirchenbau im 12. Jahrhundert schließen.

Wir mieten eine kleine Hütte für die Nacht. Pünktlich um 18:00 Uhr fallen die ersten Tropfen. Gemütlich sitzen wir im Trockenen, lassen uns Brot, Käse und Wein schmecken.

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Übernachtung in einer Hütte in Uvdal

Lange hält der Regen nicht an. Nebelschwaden steigen über dem Fluß auf, als sich die Sonne noch einmal kurz an schneebedeckten Gipfeln zeigt.

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Abendstimmung nach dem Regen

Und noch ein letzter Blick nach draußen auf die beleuchtete Brücke, bevor die Augen zu fallen.

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Good night Norway
Hardangervidda – berauschende Urgewalt

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4 Gedanken zu „Hardangervidda – berauschende Urgewalt

  1. Da gibt es ja ein highlight nach dem anderen!
    Nun willst Du sicher für die nächste Reise Norwegisch lernen, das war sicher
    nicht das erste und letzte Mal dort!?

    1. Moin, nein, norwegisch steht nicht auf der Liste, auch wenn ein paar Worte mehr nicht schaden können. Wir waren bestimmt nicht zum letzen Mal dort, aber im August ist erst einmal Island dran. Und wenn ich die nächste Sprache lerne, dann steht spanisch auf der todo-Liste ganz oben an. VG

  2. Hi Kirsten,der Hardangervidda macht süchtig, wir waren ja im Juni 2017 dort und haben die Hochebene von verschiedenen Orten angefahren und sind berauscht gewesen. Diese Ruhe und enorme Weite und die „andere“ Vegetation verleiht dem eine besondere Stimmung, die mich überwältigt hat. Ihr musst unbedingt auch im Sommer die grüne Vegetation erleben. Im nächsten Leben werde ich eine Gletschertour über mehrere Tage buchen, selbstverständlich mit Guide, ich bin ja nicht lebensmüde.

    1. Da hast Du Recht. Und Wort können die Schönheit der Natur nicht annähernd wieder geben, auch die Bilder verblassen. Eine Gletschertour würde mich auch wahnsinnig reizen, mal sehen, erst einmal muss der Arm „heile“ sein. Danke für Deine Kommentare, freut mich.

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