Roadtrip

Fast 4000 Kilometer unter den Rädern, das schlechte Wetter scheint uns zu verfolgen. Der Natur tut der Regen gut, uns geht er richtig auf die Nerven. Wir durchqueren verbrannte Gebiete. Bald sind wir in Griechenland. Ich bin gespannt auf die Besichtigung der historischen Stadt Didimoticho – doch dann kracht’s gewaltig…

Transittag nach Griechenland

Ich freue mich auf die morgendliche Dusche, die auf dem letzten Campingplatz ausgefallen ist. Mal sehen, was der blaue Waschcontainer zu bieten hat. Dusche Nr 1: die Temperatur lässt sich nicht regeln, 2 Drehknöpfe mit einem roten Punkte – autsch, heiß, jetzt bin ich wach! Nr. 2: Temperatur lässt sich regeln, prima. Aber die Freude währt nicht lange – das innere des Duschkopfes fliegt mir ins Gesicht, landet scheppernd auf dem Boden. Yolo – dann eben ohne!

Richtung Jambol geht die Reise heute auf der Hauptstraße los. Wir verlassen die Straße bald Richtung Süden. Einige Kilometer weiter Richtung Nordwesten wären wir in das Rosental gelangt. In dem windgeschützten Tal wächst eine besondere Blume – die Damaszener Rose. Aus ihren Blütenblättern wird das teuerste Rosenöl der Welt destilliert. Dieser Rose hat „Chanel Nr. 5“ seinen betörenden Duft zu verdanken. Ich wußte nicht, dass Bulgarien der weltgrößte Rosenölerzeuger ist. Das Tal steht beim nächsten Bulgarienbesuch auf der Bucketlist – am liebsten zur Rosenernte.

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Das haben wir heute vor uns

Stoppelfelder wechseln sich ab mit riesigen Fotovoltaikfelder, dazwischen kleine Friedhöfe mit weißen Steinen und Kreuzen. Wir fahren parallel zur türkischen Grenze Richtung Griechenland. Hier, in der rein ländlichen Region, sind wieder mehr Pferdekarren zu sehen. Die Dörfer ähneln den Straßendörfern in Rumänien – Siebenbürgen.

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Die kleinen Dörfer sehen verlassen aus

Links und rechts der Straße befindet sich eine langgestreckte Kette kleiner Häuschen verschiedener Renovierungsgrade, mit menschenleeren Bänken vor der Haustür an der Straße. Allerdings schossen in Rumänien zwischen den Dörfern keine Betonbauten mitten aus der Landschaft.

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Betonbau unterwegs

Letztes Picknick in Bulgarien

Gegen Mittag halten wir zum Picknick. Ich kann der Landschaft den heißen Sommer ansehen, alles ist verdorrt. In der Ferne sind die Glocken von Ziegen zu hören – jedenfalls riecht es nach Ziegen. Oder ist es der Müll in der Landschaft, der den „strengen Duft“ verbreitet? Unbegreiflich, warum die Bevölkerung die schöne Natur so misshandelt.

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2tes Frühstück
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Abseits der Straße wird Hausmüll entsorgt

Kurz vor der griechischen Grenze zwischen Topolewgrad und Swilengrad, haben Brände gewütet, es riecht verkohlt und ich bilde mir ein noch Rauch zusehen. Es hat sich zugezogen, die schwarzen Wolken verheißen nichts Gutes: bitte, nicht schon wieder Regen.

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Oft habe ich in diesem Sommer in der Presse von dem heißen, trockenen Sommer in Südeuropa gehört
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Hier scheint kein Leben mehr zu sein

Bei Kilometer 4000 überqueren wir die griechische Grenze. Ein verwittertes, leerstehendes Grenzhäuschen auf der bulgarischen Seite, eine kurze Kontrolle auf der griechischen Seite und schwups sind wir in Griechenland.

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Das Grenzhäuschen verfällt langsam

Ein bisschen fühlt es sich an wie „nach Hause kommen“

Griechenland! Noch 66 Kilometer bis Didimoticho unserem nächsten Ziel. Eine griechische Verwandte – Archäologin – hat uns dazu geraten, diesen Ort auf jeden Fall zu besichtigen.

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Der Himmel wirkt langsam bedrohlich

Ich hänge meinen Gedanken nach, während das Reisemobil uns Kilometer für Kilometer weiter trägt. Ich freue mich, mein Herz schlägt höher. Griechische Melodien, die ich vor 30 Jahren gehört habe, als ich hier wohnte, kommen mir in den Sinn. Erinnerungen: an warme Sommerabende in Tavernen, an Delphine die im Mondlicht in Strandnähe spielen, an Bouzoukiklänge, an die abendlich beleuchtete Promenade von Thessaloniki…

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Es knallt ohrenbetäubend, Blitz und Donner, der Himmel öffnet seine Pforten. Der Scheibenwischer vom Reisemobil ist den Wassermassen nicht gewachsen. Meine Rosa-Gedankenwelt löst sich auf im Regen. Die dicken Reifen rauschen laut auf der regennassen Straße. Wir erreichen Didimoticho. An eine Stadtbesichtigung ist nicht zu denken. Das Wasser kommt in Sturzbächen die Straße hinabgeschossen.

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Didimoticho

Ich muss auf Toilette. Ich bin genervt. Wortlos, niedergeschlagen sitze ich im Auto. Robert fährt bergauf. Dort oben liegt die alte Burg, auch Reste der Stadtmauer sind zu sehen – aus dem Fenster, durch den Regen.

An mehreren Stellen in der Stadt sind Überreste der Stadtmauer zu sehen

Robert fährt weiter und wir sind aus Didimoticho, der Stadt mit der doppelten Stadtmauer, hinaus. „Nein, zurück, ich möchte die alte Moschee sehen und die große Kirche „Panagia Elefterotria“… und ich benötige dringend ein 00. Robert dreht, der sinnflutartige Regen hat ein wenig nachgelassen. Wir verfransen uns in kleinsten Gassen – der Liebste schimpft wie ein Rohrspatz – dann sind wir auf der anderen Seite aus der Stadt hinaus. Meine Laune ist auf dem Tiefpunkt. Noch einmal zurück, wir stehen vor der  großen Kirche….parken, flitzen, durch den Regen die Stufen hinauf: geschlossen!

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Schade, die Kirche ist geschlossen

Leicht durchnässt geht die Fahrt weiter. Wir finden die Moschee und sind enttäuscht – Baustelle an Europas größter und ältester Moschee.

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Die älteste Moschee Europas habe ich mir anders vorgestellt

Verflixt, schon wieder haben wir die Ausfallstraße erwischt. Die Luft im Reisemobil ist geladen, ein Wort gibt das andere. Lagerkoller – 4000 Kilometer auf engstem Raum! Robert will nicht drehen, ich will ein 00 – aus vollem Halse brüllen wir uns an. Das schlaucht. Wieder zurück! Wir halten an einem Kaffee. Beim Aussteigen stehe ich mit meinen Nike-free knöcheltief in den herabrauschenden Wassermassen. Auch das noch! Bei Cafe-Frappe und Kuchen, die große Karte auf dem Tisch, schweigen wir uns an. In der Rstauranttoilette kippe ich das Wasser aus meinen Schuhen, gucke in den Spiegel. Ein mürrisches Gesicht blickt mich an. Ich muss lachen und denke: one life, live it – ich will nicht streiten. Ich grinse das Gesicht noch einmal an, es grinst zurück. Dann geht die Reise weiter, dieses Mal endgültig hinaus aus Didimiticho. Camping Natura, direkt am Strand, lautet das 180 Kilometer entfernte Ziel nun.

Nestos National Park

Wir sind an der Küste, können die Insel Thassos im glitzernden Meer sehen. Hinter uns hängt das Unwetter bedrohlich tief in den Bergen fest – dort kann es bleiben. Hier ist es trocken, die Sonne lässt sich wieder blicken.

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Ein gewohntes Bild in Griechenland, sind die Olivenhaine

Die Laune im Reisemoobil hat sich gebessert. Die Landschaft hat sich verändert. Wir sind am Nestos-Delta, einem der wichtigsten Feuchtebiete Europas angekommen. Eine schmale Straße führt durch das sumpfige Delta. Zwischen kleinen bewachsenen Inseln sind Kormorane und Pelikane zu sehen. Bis hinein in das Wasser des Deltas stehen Bäume. Es sieht aus, wie im Urwald. Ein paar Kilometer weiter ist auch schon der Campingplatz.

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Im Hintergrund beginnt das grüne Naturschutzgebiet, während die vorgelagerte Küstenlandschaft hier nach Wasser dürstet

Camping Natura

Der Camping Platz hat seit gestern geschlossen, aber wir werden noch hinaufgelassen. Auch ein niederländisches Pärchen mit einem Wohnwagen ist gerade angekommen. Ansonsten sind wir alleine. Ich unterhalte mich mit dem Campingplatz Perosnal, sie freuen sich, dass ich griechisch spreche. Ich erstehe noch regionalen Wein, in dem eigentlich schon geschossenen kleinen Kiosk. Und eigentlich wollten wir hier auch waschen, ansonsten müssen wir bald die Wendeunterhose einführen. Mit einer kleinen Handwäsche ist es nicht getan, doch die Maschinen sind nicht mehr angeschlossen.

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End of season

Später kommt noch ein irisches Pärchen mit einem knallroten VW T4 Synchro auf den Platz gerauscht. Sie sind auf Hochzeitsreise, kommen gerade aus Istanbul. Die Sonne steht schon recht tief, ich schnappe mir meine Badesachen und verschwinde im Meer. Es gab schon bessere Tage auf dieser Reise…..

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Ich bin dann mal im Wasser…
26. September 2017
Es kracht – that’s life

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6 Gedanken zu „Es kracht – that’s life

  1. Wenn einer eine Reise tut..
    Bei aller Liebe zu „Chanel Nr.5. noch mal nach Bulgarien ins Rosental?
    Sehr schwer vorstellbar.
    Der Blick in den Spiegel – elne gute Idee von Dir! Wundervoll !
    Freut Euch jetzt auf Island.
    Aber vielleicht kannst Du ja noch von Sonne auf dem Balkan berichten.

    1. Moin Eli, das heißt ja nicht gleich im nächsten Jahr. Aber ich finde, das Inland Bulgariens ist ein wenig kurz gekommen. Und, sollten wir noch einmal dort sein, dann zu einer früheren Reisezeit. Wenn ich an den Spiegel und das Auskippen der Schuhe denke, muss ich wieder schmunzeln. Ja, es gab auch noch sonnige Tage, demnächst hier nachzulesen bei Steppenroller… Und Island, das ist noch weit weg, aber die Karte hängt schon über dem Kamin.

  2. Am tollsten fand ich dein Foto: End of Season! Schon schade mit dem vielen Regen, würde mich auch sehr nerven. Wer weiß, ob und wann die Menschheit das „Wettermachen“ perfektionieren wird!?

    1. End of Season: Da haben wir ein bisschen mit der Drohne am Strand herumgespielt, denn der war menschenleer.

      Ja, das war ärgerlich mit dem Regen, aber er wollte trotz Beschwörungsformeln nicht aufhören 😉

      Wenn man überlegt, dass sich auch die Chinesen 2008 die Olymischenspiele mit Silberjodid „schön schießen“ wollten
      und dafür um den Austragungsort herum Bauern dafür angeheuert hatten,
      dann hat die Wetterbeeinflussung schon lange begonnen und eine Perfektionierung kommt bestimmt.

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