Stahl blauer Himmel, smaragdgrüner Fluss, blutroter Tokoja, sandfarbene Pusztapferde, schwarzverstaubte Auerochsen und für mich eine Mega-Schrecksekunde in der abendlichen Zeltplatzidylle.

Ein neuer Tag

Dort wo die Flüsse Bodrog und Theiss sich küssen liegt Tokaj. An einem dieser Flussarme haben wir übernachtet. Der morgendliche Blick, hinweg über die Foxwing, macht mich glücklich, strahlt Frieden aus, rückt das heimische Hamsterrad in den Hintergrund. Das bedeutet Urlaub.
Robert sitzt am Fluss, trinkt seinen Kaffee, ich genieße den Blick von oben, bevor ich hinunter krabbele.
Nach dem Frühstück geht’s zu Fuß nach Tokaj, 10 Gehminuten vom Campingplatz entfernt. 10:30Uhr: Noch wie ausgestorben ist das Zentrum der Weinregion. Viele Weinkeller haben noch nicht geöffnet, denn einen solchen wollen wir besuchen.

Tokaj

Am Ende des beschaulichen Städtchens mit sozialistischem Charme finden wir dann doch eine Kellerei, die geöffnet hat. Wir treten ein. Die Damen sind enttäuscht, dass wir keine Weinprobe möchten. Nun, nicht dass uns die Uhrzeit stört, aber in Ungarn heißt es: 0,0 Promille.

Der Keller ist über 500 Jahre alt. Die Trauben werden hier allerdings nicht mehr gepresst, dazu ist die Produktion zu gross geworden. Die Temperatur im Keller liegt bei ungefähr 10 Grad, beim Fermentieren darf es auch etwas wärmer sein. In Eisenverschlägen lagern die Weine nach Jahrgängen und Rebsorten sortiert.

Nach der Besichtigung kaufen wir eine Flasche „Trockenen Tokaja“ für 10Euro für unser Abendessen.
Als wir aus der Kellerei zurück in die kleine Hauptstraße kommen, muss ein Bus angekommen sein. Überall sind ältere Damen in Leggings oder in Hosen mit 3 Streifen, bunten Blusen, Sandalen oder Turnschuhen, wild durcheinander schnattern, einem Stadtführer folgend.


Time for us to go, aber ich benötige noch dringend Briefmarken. Das war nicht ganz einfach, jedoch die freundlichen Damen in der Post und ich haben nach 15 min alle Probleme gelöst. Die Briefmarke nach Taiwan, die Briefmarke in die USA, die nach Österreich und diverse nach Deutschland….möchtest Du auch eine haben? „Klick here“ für eine Schreibspende und vergiss nicht Deine Adresse einzutragen.

Schreibspende

On the road

Wir fahren über kleine Landstrassen, wieder vorbei an riesigen Sonnenblumen- und Maisfeldern. Ungarn ist nach Frankreich und Spanien der größte Saatenproduzent und liefert besonders nach Deutschland den meisten Süßmais. Weinberge, Ziegeleien, Tierzuchtanlagen.

LKWs donnern an uns vorbei, große landwirtschaftliche Maschinen, sind unterwegs, auf den kleinen Straßen herrscht reges Treiben. Und wenn wir die kleinen Dörfern passieren, wird unser Reisemobil bestaunt. Dafür bestaunen wir Pferdekarren und Traktoren, mit denen alles mögliche transportiert wird…

 

Hortobagy Nationalpark

Nach ungefährt 150 km erreichen wir den Hordobagy Nationalpark, Ungarns ersten und größten Nationalpark ……und der Puszta-Campingplatz ist geschlossen. Mir egal, ich will aussteigen und gucken, fragen, möchte die wilden Pusztapferde sehen.

Ein freundlicher Ungar begrüßt uns im Infocenter, und erklärt uns: wann der Bus fährt zur Besichtigung, wie wir eine „Safari Tour“ buchen können, was es kostete, wo wir übernachten können. Er ruft dort sogar auf dem Campingplatz für uns an.

Für ca. 18 Euro fahren wir mit dem Bus in den Nationalpark und mit einem Landrover in das größte mitteleuropäische Steppengebiet, direkt zu den Auerochsen und den scheuen Pferden. Die Auerochsen bleiben liegen und gucken gelangweilt. Sie sind kastriert, zur Zucht nicht geeignet, wird uns erklärt. Nur wenige Bullen, die alle Merkmale der früheren Urrinder besitzen dürfen sich fortpflanzen. Wenn ich es richtig verstanden habe, stammen einige sogar aus der Zucht aus dem Neandertal.


Die Pferde sind scheuer, schauen jedoch neugierig zu uns herüber. Eines will sich dem Wagen nähern. Es wird von der Herde zurück gedrängt. Ich finde sie wunderschön – wild, ursprünglich. Es ist die einzige nicht domestizierte Pferderasse – auch in der Mongolei sind sie heimisch.


Anschließend schauen wir uns den kleinen Tierpark an. Zufällig kommen wir zur Fütterung der Wölfe. Ein ausgenommenes Reh wird neben mir über den Zaun in das Gehege geworfen und nach ein paar Rangkämpfen weggezerrt.

Camping Ökotura

2km liegt unsere Übernachtungsstätte vom Park entfernt.  Habe ich Euch eigentlich schon über das Wetter heute informiert? Geschätzt 24 Grad, seeeeehr windig, inzwischen wolkenlos. Kein Neid. Für uns bedeutet das, dass wir alles vernünftig sichern müssen, mit Heringen, Seilen werden die Wände der Foxwing abgespannt.

Nun freuen wir uns auf die ungarischen Grillwürstchen und den heute erstandenen Wein aus Tokaj – ein leckeres Abendessen. Inzwischen toben 12-13 jährige Kinder um uns herum, der ein oder andere mag genervt sein, ich liebe Kinderstimmen – hier scheint ein Schullandheim zu sein und verstecken spielen ist gerade angesagt.
Wir planen für morgen – plötzlich fliegt ein Kind vorbei mit einem riesigen Satz – stolperte wohl über einen Hering. Ich bin besorgt, es krümmt sich, auch die Lehrerinnen sind schnell zur Stelle. Riesen Auflauf vor unserem Platz, der Kleine wird sitzend auf einem Stuhl davon getragen. Später gehe ich noch einmal zur Rezeption, um mich zu informieren, wie es dem Jungen geht. Ein Krankenwagen steht vor der Tür. Ich soll noch einmal schildern wie er gefallen ist, dann braust der Krankenwagen mit ihm davon.

Die wilde Puszta ruft

Beitragsnavigation


2 Gedanken zu „Die wilde Puszta ruft

  1. Das war ja spannend, aber auch aufregend mit dem Kind, dem es hoffentlich wieder gut geht.
    Habt ihr denn auch Piroschkas Ort besucht, der Name ist mir gerade
    zu schwierig..
    Weiterhin gute Fahrt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.