Dalmatien

Ca. 320 km liegen heute vor uns. Wir starten in der quirligen Adriastadt Dubrovnik und wollen am Abend in Pakostane übernachten. Was gibt es in Dalmatien zu sehen? Der Tourismus in Kroatien boomt: – hat sich das auf die Preise ausgewirkt? – ist es vorbei mit der Einsamkeit an den Stränden? Ein Blick in das Urlaubsparadies Dalmatien…

Dalmatien: Dubrovnik

Gestern sind wir in Dubrovnik angekommen und haben einen ruhigen Platz mit Meerblick auf dem Campingplatz Solitude ergattert. Der Platz liegt ca. 5 km von der Altstadt entfernt. Pärchen, Familien mit Kindern, spielen, kochen, sitzen bei ihren Campern, Motorradfahrer bauen Zelte auf, Off-Road Fahrzeuge sehe ich kaum. Auf dem Platz gibt es ca. 400 Unterkunfts-Einheiten und damit Platz für über 1000 Personen.

Um Dubrovnik zu besichtigen ist der Campingplatz ideal gelegen, für einen längeren Urlaub wäre das für uns nichts – zu viele Stellplätze, zu viel Trubel.

Transit Tag

Stadtbesichtigung

Der irische Literatur-Nobelpreisträger Bernhard Shaw sagte einst: „Those who are looking for paradise on earth should come and visit Dubrovnik.“ Ausgerüstet mit Stadtplan starten wir zu Fuß Richtung Altstadt und steigen dann in den Bus ein. Die Busstation liegt nahe am Campingplatz. Einen Fahrplan haben wir an der Rezeption erhalten.

Die Sonne steht schon tief, als wir die historische Altstadt durch das Pile-Tor betreten. Die 2 km lange Stadtmauer ist vollständig erhalten. Wir gehen treppauf-treppab durch das antike Häusermeer. Aber wo geht es hinauf auf die Stadtmauer? Menschenmasse schieben sich durch die Gassen.

Nur am Pile-Tor geht es hinauf auf die Stadtmauer – erfahre ich, als ich frage. Und wo ist Bernhard Shaws Paradies. Ich fühle mich überhaupt nicht wie im Paradies – oder ist dort auch so ein Menschenrummel?

Transit Tag

An jedem Restaurant steht ein „Schlepper“ der uns zum Essen verhaften will. Nach meinem 5ten freundlichen: „No,  thank you“, antworte ich gar nicht mehr.

Stradun – die Flaniermeile vom Pile-Tor bis zum Uhrturm ist blitze-blank geputzt. Vorbei am prunkvollen Rektorenplatz und der Galeria Dulcic Masle Pulitika gehen wir hinaus aus der Altstadt. Ein Weg führt außen an der Stadtmauer entlang. Hier ist es ruhig. Ein letzter Schein der Sonne ist am diesigen Horizont zu sehen. Das eben noch türkis schimmernde Meer wirkt jetzt dunkel. Eine magische Abendstimmung.

Transit Tag

Kathedrale Velika Gospa

Zurück im Trubel der Massen stehen wir vor der römisch-katholischen Kathedrale Velika Gospa. Die mächtige Kuppel und die barocke Fassade sind wunderschön anzusehen. Selfi-Sticks werden in die Höhe gehalten.  Ich habe keine Lust mehr zu fotografieren. In der Kathedrale soll eine majestätische Innenausstattung zu besichtigen sein. Normalerweise würde ich mich sofort hinein stürzen, aber ich bin genevt von den vielen Menschen. Eine Gruppe Follow-the-umbrella-Asiaten huscht im Eilschritt knipsend und schnatternd an uns vorbei. Ich bin enttäuscht. Alstadtmagie ade – denn das war es, was ich blauäugigerweise erwartet hatte. In den kleinen Bauten der puppigen Gassen der antiken Stadt, reihen sich Souvenirläden aneinander: Magnete, Hüte, T-Shirts, Süßigkeiten, Eis… Jetzt haben wir Anfang Oktober. Ich glaube in der Hochsaison fühlst Du Dich hier, wie ein Sardine in der Büchse.

Auf die Stadtmauer will ich nicht mehr – Eintritt 90 Kuna, ca. 12 € p.P. Mein Magen hängt in den Kniekehlen, aber hier essen will ich auch nicht mehr, alles Nepp. Robert tut mir ein wenig leid, bei meinem Dauergenörgel – ich muss hier raus…

Abendessen

Der Bus schaukelt uns zurück in die Stadt gen Zentrum. Irgendwo an der großen Straße, Kralija Tomisvara steigen wir aus. Wir gelangen in eine Art Urlaubssiedlung. Die Fußgängerzone ist sehr belebt und führt hinunter an das Meer. Links und rechts des Weges befinden sich Restaurants, Bars, Hotels und Läden. Am Ende stehen wir in einer kleinen Bucht.

Transit Tag

Zurück in der Fußgängerzone setzen wir uns in ein Restaurant. Es ist voll. Die Bedienung ist überfordert. Das Essen überzeugt nicht. 60€ für 2 wäßrige Fischsuppen, 1 x Pasta, 1 x Risotto, Bier und Wein. Das war das teuerste Essen auf unserer Balkan Tour bisher. Wir kommen mit der Bedienung ins Gespräch, als es leerer wird. Sie erzählt uns: „Es war eine Super-Saison. Sonst haben wir im September schon geschlossen und einen Monat früher gestartet, sind wir in diesem Frühjahr auch. Viel mehr ausländische Touristen kommen nach Kroatien“. Auf die Frage wer hier zu Gast ist, erwänht sie hauptsächlich: Engländer, Norweger, Finnen und Deutsche.

Das war gestern Abend. Mein Fazit: Dubrovnik ist eine gezielte Städtereise wert, aber nicht auf der Durchreise nebenbei zu besichtigen. Eintritts- und Essenspreise sind nicht günstig.

Die Räder rollen weiter

Dalmatien
Umgebungsplan

Weiter geht die Reise durch Dalmatien. Nachdem wir für den Campingplatz mehr gezahlt haben, als für die Hotelübernachtung auf der Transalpina, freuen wir uns, den Trubel der Stadt hinter uns zu lassen. Über die Franjo-Tudmann Brücke verlassen wir Dubrovnik.

Dalmatien
Große „Traumschiffe“ laufen in den Hafen von Dubrovnik ein
Dalmatien
…sie scheinen mitten durch die Stadt zu fahrenDalmatienFranjo-Tudmann Brücke

Es wird ruhiger auf der Straße, aber viel Verkehr ist trotzdem noch. Wir sind den kroatischen Autofahrern zu langsam. Halsbrecherische Überholmanöver sind keine Seltenheit. Und, dass diese oft tödlich enden, ist nicht zu übersehen. Standen in den vorher bereisten Ländern des Balkans kleine Kreuze mit Blümchen, oder Bildern zur Erinnerung an die Todesopfer an der Straßenkante, so habe ich hier das Gefühl an Gräbern vorbei zu fahren.

Dalmatien
Alle paar Kilometer befinden sich große „Grabsteine“

Abstecher an den Strand

Robert bremst plötzlich. Er hat einen kleinen Weg entdeckt. Der Weg ist einspurig, führt an einer kleinen Kirche vorbei, hinunter an die türkise Adria. Fischerboote liegen an einem Steg, Netze sind zum Trocknen ausgehängt, Eimer und Trandportkisten stehen an einem Steinschuppen für den Fang bereit. Eine Ecke weiter am Kieselstrand liegt ein Tourist auf einer Holzliege. Hier  ist vom Massentourismus nichts zu merken. Es gibt doch noch ursprüngliche Dörfer in Dalmatien.

Dalmatien
Wir fahren in das kleine Dörfchen Slano

Dalmatien

Hinter uns entdecken wir, versteckt zwischen Bäumen ein Campingplatz-Schild. Was für ein schöner Platz. Eine kleine Enklave der Ruhe. In Kroatien ist „Wildcampen“ verboten und wird mit saftigen Gelsstrafen geahndet. Das wäre ein Platz den wir uns aussuchen würden, aber für heute ist es noch viel zu früh, um ein Nachlager aufzuschlagen.

Dalmatien

So geht die Reise weiter, oben auf der Küstenstraße.  Die Landschaft ist zerklüftet. Viele kleine Inseln ragen aus dem Wasser, teilweise grün, teilweise nur felsig.

Dalmatien
Hunderte kleiner Inseln gibt es hier

Ston

Auf der gegenüberliegenden Halbinsel Peljesac entdecken wir eine Mauer, die über die Hügel führt. Was hat es damit aufsich?

Dalmatien
Was mag das für eine Mauer sein?

Die Römer haben 1336 mit dem Bau der 5 km langen Steinmauer begonnen. Noch heute ist sie die längste Festungsmauer Europas. Auf dem Berg Starigrad kannst Du Dir die Überreste eines römischen Kastells ansehen. Die Wehrmauer kannst du gegen eine Gebühr von 40 Kuna besichtigen.

Wir durchfahren den Zipfel von Bosnien und Herzegowina, der direkt an das Meer anschließt. 10 Min Wartezeit an der Grenze, 15 min Fahrzeit, dann werden wir durchgewunken und sind wieder in Kroatien.

Dalmatien
Grenze Kroatien / Bosnien und Herzegowina

Und noch ein Abstecher

Wieder fahren wir über einen schmalen Weg hinunter an die Küste. Die idyllische Bucht des Örtchens Klek ist fast menschenleer. Wir steuern vorbei an einem Pärchen, das auf einer Restaurant Terrasse Kaffee trinkt. Ihr verwunderter Blick folgt uns. Vor uns blockiert ein Wagen den Weg. Das Reisemobil steht schräg, als wir halb über den nach oben führenden Weg fahren müssen. Irgendwie passen wir vorbei – Milimeterarbeit. Aber wie geht hinter der Kurve weiter?

Dalmatien

Dalmatien

Der Weg hat jetzt Landy-Breite. Auf der Fahrerseite geht es geradewegs hinunter in das Meer und auf der Beifahrerseite kannst Du die Steinmauer berühren. Dann stehen wir vor einer Treppe. Wir wissen, dass wir Treppen hoch fahren könnten, das haben wir im Geländetraining gelernt…

Dalmatien
Ende Gelände

Es ist still geworden im Auto. Mist! Hier ist Schluß, natürlich fahren wir nicht die Treppen hinauf – da hilft nur der Rückwärtsgang. Wasserkante und Mauer im Vesir pirschen wir uns langsam zurück. Der Schweiß steht uns auf der Stirn, nicht nur weil es heiß ist.  Das Pärchen sitzt noch immer auf der Terrasse und beobachtet uns, als wir wieder um die Kurve kommen – rückwärst. Dann endlich können wir drehen. Puh, mir reichts für heute mit dem mal-an-die-Küste-gucken-Abenteuer.

Dalnatien

Weiter geht die Reise Richtung Split. Wir beschließen die Stadt auf der Autobahn zu umfahren, verlassen die Küstenstraße auf Höhe der Insel Brac.

Brac

Brac ist die größe Insel Dalmatiens und die drittgrößte der Adria. Dort befindet sich der berühmteste Strand Kroatiens, das „Goldene Horn“. Je nachdem wie der Wind steht, ändert der zipfelmützenartig anmutende Kieselstrand seine Form. Aber Brac hat sich auch als Steinlieferant einen Namen gemacht. Der Mamor-ähnliche Stein wurde im Weißen Haus verbaut.

Vodice

Wir gelangen zurück auf die Küstenstraße nahe der Kleinstadt Vodice. Der ehemals kleine Fischerort hat sich zu einem der beliebtesten Urlaubsziele in Dalmatien entwickelt. Schmale Altstadtgassen, Palmen an der Promenade, Hotels, Appartments, lange Strände, Souvenirläden, Bars, Restaurants – uns ist es zu touristisch.

Pakostane

Dann erreichen wir unser heutiges Ziel: Camping Kozarica. Wir sollen uns einen Platz aussuchen, gehen zu Fuß los und finden ein ruhiges Eckchen, die Nr. 127. Der Campingplatz ist sauber und gepflegt, die santitären Anlagen in gutem Zustand. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass 2 Waschhäuser für den sommerlichen Ansturm, es gibt mehr als 100 Stellplätze und dazu noch kleine Häuschen, ausreichen. Restaurant und Kiosk haben schon geschlossen – Saisonende. Riesige Pinien bieten Schutz vor der sommerlichen Hitze. Unser Reisemobil passt gerade so eben unter die Bäume.

Dalmatien
Ausschnitt aus dem Stellplatzplan

Dalmatien

Am Kieselstrand führt ein Steg aus Holzbohlen in die türkise Adria. Der perfekte Ort, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Bewaffnet mit einer Weinflasche und 2 „Gläsern“ machen wir uns auf den Weg dorthin.

Dalmatien

Herrlich kitschig vesinkt der glühende Ball hinter den Bergen des Kornati-Natoinalparks in Dalmatien. Von irgendwo klingt leise Musik herüber.

Dalmatien

Wir haben Hunger. Heute wird wieder selbst gekocht. Nach unserer Ankunft haben wir im hiesigen Minimarket eingekauft. Die Waren kosten zwar weniger als in Dubrovnik, aber die Preise ähneln denen zu Hause. Importierte Markenprodukte sind teurer als einheimische Produkte. Für Fleisch, Obst und Gemüse haben wir weniger bezahlt als in Deutschland.

Es ist angerichtet: Grillteller, mit einem Reis-Linsen-Hirsegemisch, dazu Tomaten mit Schafskäse.

Dalmatien

Dalmatien

„Ich will morgen nicht weiter fahren“, sagte ich zu Robert. „Dann bleiben wir eben hier“, ist die Antwort. Yuppi, ein Strandtag. Satt und zufrieden krabbeln wir in unsere Koje,  das Meeresrauschen wiegt uns in den Schlaf…

4. Oktober 2017
Dalmatien: von Dubrovnik bis Pakostane

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2 Gedanken zu „Dalmatien: von Dubrovnik bis Pakostane

  1. Am besten haben mir die lauschigen kleinen Buchten gefallen. Wie schade, dass das beamen immer noch nicht erfunden ist, sonst würde ich mich gern an das eine oder andere von dir entdeckte Fleckchen teleportieren! Wie funktioniert denn eure Tischlampe, mit Gas, Benzin oder Strom?

    1. Mit Benzin funktioniert sie. Aber natürlich haben wir auch noch Leselampen und Stirnlampen sind immer gut, damit man die Hände frei hat. z.B.: in Australien in stockfinsterer Nacht auf dem Weg zum Buschklo 😉

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