Defender Land Rover Lnady

Weiter geht die nächtliche Fahrt  auf der Autobahn gen Bulgarien. 44 km sind es noch bis zur Grenze. Inzwischen steht der Mond hoch über uns, es ist sternenklar. Ein bisschen Wehmut macht sich bereit – Rumänien ist ein fantastisches Reiseland. Dob-r den, was erwartet uns in Bulgarien?

Rückblick Rumänien

Gestartet sind wir heute Morgen in Cisnadioara bei Michael auf dem Ananas-Campinplatz. Nun ist es Nacht geworden. Der Campingplatz, Camping Medusa in Eforienord in Rumänien hat trotz angekündigter Öffnungszeit im Internet geschlossen, so müssen wir weiter fahren.

Rumänien war eine Reise in eine andere Zeit: einsam in den Karpaten;  über den Wolken auf der Transalpina und der Transfaragasan; mittelalterliche Städte, Dorfleben wie damals; prunkvolle Kirchen und Klöster; mit der Mocanita, der Waldbahn on Tour; die Strickerinnen von Viscri. Gelebte Tradition und eindrucksvolle Natur in völliger Einsamkeit.

Defender Land Rover LandyEin typisches Bild in Rumänien

Natürlich haben wir uns vor der Reise über das Land informiert. Wurden vor Taschendieben und Trickbetrügern gewarnt, vor langen Staus an den Grenzübergängen. Wieso das Auswärtige Amt dazu rät sich in die Krisenvorsorgeliste einzutragen, haben wir überhaupt nicht verstanden. Sicherlich würden wir hier nicht „wild-campen“, wegen der Hunde und weil wir uns nicht ausreichend auskennen. Aber die Rumänen waren immer hilfsbereit, freundlich, die Campingplätze waren einfach, aber sauber und liebevoll hergerichtet. Traurig hingegen schien das Leben der Roma. Abgeschieden in den Karpaten, in Holzverschlägen mit Plastik umspannt…

Rumänien
Sonnenuntergang in der Nähe von Bukarest

Wir erreichen die Grenze – Ausreise-Einreise, problemlos sind wir in Bulgarien. Lediglich der Kauf der Vignette gestaltet sich an der schlecht beleuchteten Grenze etwas schwierig. Schließlich entdecken wir den kleinen Kasten, mit einem Mann besetzt und bezahlen für 7 Tage 8€.

Das dürfte unsere ungefähre Reiseroute gewesen sein.

Saint George Resort in Bulgarien

Ich empfinde die weitere Fahrt als unangenehm. Die Bulgaren scheinen ein Überhol-Gen zu viel abbekommen zu haben. Da wir uns nicht auskennen, fahren wir entsprechend vorsichtig und werden an den unmöglichsten Stellen überholt.

Es ist stockfinster, wenige Straßenlaternen, wenige Lichter von Ortschaften in der Ferne, ein Hund taucht im Licht des Scheinwerfers auf. Sind wir hier richtig? Über kleine Straßen geht es hinunter und hinauf Richtung Meer. Erleichterung!  Wir entdecken ein Hinweisschild zum Campingplatz und sind endlich am Ziel, im kleinen Örtchen Kavarna Topola. Wir sollen uns einen Platz suchen, ruft man uns zu, Formalitäten morgen – keine Einweisung und wohin nun?

Erst jedoch muss ich dringen auf die Toilette. In dem zugehörigen Restaurant tanzen ältere Herrschaften ausgelassen Volkstänze, nach  für meine Ohren ungewohnten Klängen. Auf den einfachen Tischen stehen Teller mit Essensresten, Weinkaraffen, Schnapsgläser. Ich mag es, die fröhlichen Menschen durch die Scheibe zu beobachten. Stickige Luft schlägt mir entgegen, als ich eintrete, um die Toilette zu suchen.

Aus der Toilette kommt mir ein ekelhafter Gestank entgegen. Ich muss würgen, ziehe mir schnell meine Bluse vor die Nase. Tränen schießen mir in die Augen. Auch durch die Bluse hindurch ist der beißende Gestank unerträglich. „Was mögen diese Menschen gegessen haben?“, denke ich. Die Toiletten sind braun von innen, Papier ist alle. Ich ernte verständnislose Blicke, als ich aus der Toilette herausgestürzt komme und mich im Laufschritt hustend in die Abendluft rette.

Morgens an der Schwarzmeerküste

Bulgarien
Der erste Blick am Morgen durch das Mückennetz hinaus aufs Meer

Blick aus dem Dachzelt: endlich! Sonne und blauer Himmel, raus aus den Federn. Zeit die aufgehende Sonne mit Kaffee und Tee unter der Foxwing zu begrüßen. Wir haben gestern im Dunklen goldrichtig geparkt, stehen auf kargem Untergrund direkt an einer Klippe mit Blick über eine Bucht mit weißem Sandstrand. Und den Strand wollen wir heute genießen.

Defender Land Rover Landy
Der Weg führt über Sand, Steine und Treppen hinuter zum Strand
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Das Schwarze Meer glitzert in der Sonne

Defender land Rover landyMenschenleer ist es hier am Strand

Defender land Rovder LandyAuch die Strandbar ist um diese Jahreszeit schon verlassen

Wieder am Platz, sehen wir uns genauer um. Der Blick nach hinten, zeigt einen Campingplatz, der in die Jahre gekommen ist – ungepflegt, etwas verkommen. Einige Camper sitzen vor ihren Wagen. Die meisten Camper sind jedoch verlassen. Zerschlissene Stoffe flattern an den schattenspendenden Unterständen für Wohnwagen. Niemand kümmert sich um die Obstbäume. Wespen umschwärmen die am Boden liegenden gärenden Pflaumen. Auch die Sanitären Anlagen des Platzes, sind nicht besser als die des Restaurants. Die Türklinke baumelt, gehalten durch eine letzte Schraube an der Toilettentür, die Dusche scheint verstopft, strotzt vor Dreck. Und der Gestank, der hier auch wieder entgegen schlägt, er soll gesund sein –  rührt er doch von dem hier fließenden schwefelhaltigen Wasser her, das in der Region als Heilwasser verkauft wird.

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Heute können wir endlich unsere Solaranlage testen – sie funktioniert einwanfrei

Schopska und Rakia

Kochen wollen wir hier nicht, es gibt keine zumutbare Möglichkeit für den Abwasch. Und so ziehen wir nach dem Strandbesuch los und erkunden die Umgebung auf der Suche nach einem Restaurant.

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Leer steht der Einlass zum Campingplatz
Defender Land Rover Landy
Das Schild scheint aus besseren Zeiten zu stammen, jedenfalls sah das Restaurant nicht so aus.
Defender Land Rover Landy
Überall Bauruinen und verlassenen Anlagen, nur kein Restaurant. Die Region leidet unter den nahen Hochburgen der Goldküste.

Am Abend setzen wir uns, als einzige Gäste, in das Restaurant des Hotels nebenan. Gestern war dort noch eine Große Hochzeitsfeier, aber nun schließt es auch für diese Saison. Es liegt direkt an der Steilküste, und bietet einen tollen Blick auf das Meer. Wir werden freundlich bedient, probieren landesübliche Speisen.  Der Schopska ist ein einfacher Salat: gewürfelte Tomaten, Paprika, Gurken, Zwiebeln und Petersiele, darüber fein geriebener Schafskäse – sehr zu empfehlen. Schopska heißt übrigens Schafskäse.

Defender Land Rover Landy
Liebevoll dekoriert

Als Hauptgericht gibt es für Robert ein Kavarma-Kebap mit Schweinefleisch, für mich mit Hähnchenfleisch. Mit dem in Deutschland bekannten Döner-Kebap hat das allerdings nichts zu tun. Das Fleisch wird gewürfelt und angebraten und mit verschiedenen Gemüsesorten solange gekocht, bis von der Flüssigkeit nur noch Fett übrig ist. Dann wird es im Tongefäß serviert und am Tisch „angezündet“.

Defender Land Rover Landy
Das Tonschiffchen brennt außen herum

Wir sind pappsatt und fragen nach dem typischen Schnaps. Rakia (40 – 60%) – ist die Antwort. Wir werden aufgeklärt, dass die Bulgaren den Schnaps jedoch vor oder zum Schopska trinken. Er kommt als erstes auf den Tisch, 5cl. Na dann Prost – Наздраве, Nazdrave.

Zeit schlafen zu gehen, das Plätschern des Meeres wiegt mich in den Schlaf.

Ich freue mich auf morgen, dann rollen die Räder wieder, weiter geht die Reise…

Sonntag, 24. September 2017
Ankunft im Bulgarien – Strand & Meer, Schopska & Rakia

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4 Gedanken zu „Ankunft im Bulgarien – Strand & Meer, Schopska & Rakia

  1. Wie war denn die Meerestemperatur, konnte man noch ohne Pelzmantel baden? Euer Sonnenmodul sieht toll aus! Was kann man damit alles aufladen?
    Wenn man den Diesel in Deutschland nicht schnell sauber bekommt, müssen wir wohl auch bald zurück zum Pferde- oder Eselgespann?!

    1. Das Wasser war nicht mehr besonders warm.

      Das Modul lädt die Batterie wieder auf, Z.B.: für Kühlschrank und Ladegeräte für Handy, LaopTop & Co.

      Tja, mal sehen, was Politik und Lobbyisten sich da noch so einfallen lassen

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