Africa

Afrika off-road – der Weg ist das Ziel

Wer will schon Straßen – wir freuen uns auf Afrika off-road. Vor der Reise haben wir einen Track auf das iPad gespielt und hangeln uns nun mit unserem Defender 110 daran entlang. Manchmal ist eine Piste zu sehen, aber manchmal ist da einfach nichts außer Sand und Dünen, Schotter und Geröll. Unser Ziel ist der Plage Blanche. Dort wollen wir übermorgen zum Sonnenuntergang sein und die Nacht am weißen Strand verbringen. Wie lange wir dorthin brauchen können wir schlecht einschätzen, mal sehen…

Plage Blanche
Die erste Etappe zum Plage Blanche führt von unserem Übernachtungsplatz unter einem Baum irgendwo im Nirgendwo bis zum Küstenort El Quatia

Entlang der algerische Grenze

Vor unserer Reise habe ich viele Geschichten über diese Strecke gelesen. Von: man sollte sich der Grenze nicht nähern, man würde ständig vom Militär kontrolliert, es wäre gefährlich dort zu fahren – bis: traumhafte Strecke. Und wie immer im Leben, ist es das Beste sich ein eigenes Bild zu machen.

Wir starten von unserem Übernachtungsplatz unter einem Baum – nach Morgentoilette und Frühstück – in den Tag. Meinerseits etwas miesssss gelaunt, denn meine Wade ist rot-blau und geschwollen, die blöden Stiche eitern noch immer.

Afrika off-road
Ich habe mich an die Wüstentoilette gewöhnt.
Afrika off-road
Morgens in der Wüste

Leben in der Wüste

Zwischen Himmel und Sand durch Dünen. Wir finden den Weg entlang der algerischen Grenze sensationell. Wir hoppeln durch und entlang des Wadi Draa. Kein Militärposten der uns aufhält, kein Tourist dem wir begegnen, nur hin und wieder Berber-Nomaden/Halbnomaden. Sie gelten als Ureinwohner Nordafrikas. Sie leben in Jurten oder kleinen Lehmbauten – ziehen mit ihren Ziegen, Eseln und Dromedaren durch das unwirtliche Land.

Es macht mich betroffen

Viele leben von der Hand in den Mund.  Ein Leben mit der Natur, ohne Strom und fließend Wasser. Viele sind arm. Viele haben kein Auto, um ihre kargen Ernten zum Markt zu bringen. Und wenn Auto, dann steht meist ein alter Defender – Santana, hergestellt in Spanien, vor der „Tür“.  Oft sehen die Kinder  verwahrlost aus und schon in jungen Jahren fallen den Menschen die Zähne aus. Aber ALLE haben uns freundlich angelächelt und uns eine Tee angeboten. Einige sagen: „Ich bin gesund, was will ich mehr.“

Wir Touristen schimpfen über immer mehr Straßen und Teer an entlegensten Orten Marokkos. Sie werden nicht für uns gebaut, sondern für die Menschen die dort leben. „Es soll verhindert werden, dass alle weiter in die Städte flüchten, die Bedingungen auf dem Land sollen verbessert werden“, erklärt uns ein Berber, der sesshaft geworden ist und eine Auberge führt.

Plage Blanche
…mitten in der Kargheit
Afrika off-road
Wieder ändert sich die Landschaft. Kakteen sind uns bisher noch nicht begegnet
Afrika off-road
Und hinter den Bergen? Jetzt fehlen noch Giraffen, Zebras und Löwen – Afrika off-road
Afrika off-road
Statt dessen, traben unsere Freunde die Dromedare wippend vor unserem Landy die Piste entlang
Afrika off-road
Hinter der nächsten Düne taucht ein Mann auf einem Brunnen auf. Die Ziegen warten auf ihr Wasser.

Der südlichte Punkt unserer Reise

Wir begeben uns auf den Weg hinüber zur Atlantikküste. Knapp 50 km sind wir jetzt von Westsahara entfernt. Seit der Fahrt durch das Ait Mansur Tal sind wir keinem Auto begegnet, sind durch kein Dorf gefahren, waren nur in der Natur,  nun heißt es ab auf den Asphalt – direction Tan-Tan.

Afrika off-road
Die Zivilisation hat uns wieder, nix mehr Afrika off-road. Das ist der südlichste Punkt unserer Reise – nun geht’s nordwärts, leider….

El Quatia oder Tan-Tan Plage

Ich habe mich auf das Meer gefreut. Ich habe mich auf den Campingplatz gefreut, der im Reiseführer beschrieben wurde als „sehr zu empfehlen“. Die Sanitären Anlagen wurden als sehr sauber beschrieben. Es soll ein Zeltrestaurant geben und das Wichtigste: Eine Waschmaschine, denn nach 2 Wochen ist die saubere Wäsche aus.

 

Atlantikküste
Wir erreichen die Atlantikküste – ein rauer Wind pustet uns entgegen

Kalter Wind bläst uns entgegen. Der Campingplatz sieht ganz anders aus als beschrieben. Zu unserem Pech wird die Straße davor gerade erneuert. Fette Maschinen fahren stinkend und laut ratternd hin und her. Wo ist das Essenszelt? Dreckiges Geschirr türmt sich in der Spüle vor den WCs. Und die sind unter aller Sau – wie man so schön sagt. Es stinkt, braune Streifen ziehen sich bis unter die Klobrille…. Müssten wir nicht unsere Kleidung waschen, hätten wir sofort kehrt gemacht.

Camping Equinox
Camping Equinox – unser Platz für die Nacht
Afrika off-road
Von der Terrasse, genieße ich den Blick über das Meer – wenigstens etwas
Camping Equinox
Am nächsten Tag türmte sich das dreckige Geschirr doppelt so hoch wie gerade hier zu sehen ist

Im Ort möchte ich unbedingt eine Apotheke aufsuchen. Der Apotheker sieht sich meine Wade an, runzelt skeptisch die Stirn. Ich verlasse die Arzneiausgabe mit einem Antibiotikum, einem starken Antihistaminikum und einer Intimlotion mit Kamillenextrakt zum Auswaschen der Stiche. 28€ kostet der Spaß. Meine Laune ist auf dem 0-Punkt. Vielleicht finden wir ja ein nettes Strandcafe, um auf andere Gedanken zu kommen.

Africa

Fehlanzeige. Auch am Strand gibt’s nur trübe Aus- und Ansichten. Sollte die Stadt einst ausgebaut werden für den Tourismus? Es sieht so aus, als wenn der Geldhahn von einem auf den andern Tag abgedreht wurde. Bauruinen, Dreck und Schutt prägen das Bild der Promenade. Jugendliche Männer gammeln sitzend auf der Mauer am Strand herum. Plötzlich kommen Polizisten angelaufen, eine Verfolgungsjagd am Strand – es kommt Leben in die träge Masse Mensch im Kaffee – ein Mann wird abgeführt, alle setzen sich wieder. Ich will weg.

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Nachdem das Zeltrestaurant nicht mehr existiert suchen wir ein Fischrestaurant und werden fündig. Unsere Getränke werden vergessen, eine Vorspeise des Hauses wird serviert, dann kommen die Hauptgerichte. Katzen stromern um uns herum, betteln laut miauend nach Essbarem. 100 MAD (10€) ärmer verlassen wir das Restaurant.

Fisch-Paella
Mein Magen hängt auf halb acht, ich habe mir eine Paella bestellt
Sonnenuntergang am Atlantik
Der Wind legt sich, die Sonne geht schlafen und wir auch.

Camping Equinox

Bevor ich schlafe gehen versuche ich noch Bilder in den Blog zu laden – nicht möglich. Und die Wäsche? Die hat sich in der Maschine wohl kaum bewegt, einen Schleudergang gibt es auch nicht. So nass wie wir sie aufhängen mussten, hängt das ein oder andere Teil am nächsten Tag noch auf der Leine. Nach unserer Erfahrung ist der  Camping Equinox nicht zu empfehlen, auch wenn die Besitzer sehr nett und hilfsbereit sind.

Unser Resumee

Das Wlan funktioniert schlecht bis gar nicht, die Duschen bekommen eine 3-, Toiletten indiskutabel, Waschmaschine defekt und völlig veraltet, Spüle nicht nutzbar wegen einem Berg dreckigen Geschirrs, marode Möbel auf einer lieblos gestalteten Dachterrasse, Gestank nach Urin in der Ecke in der wir campierten – für all das 70MAD + 30 MAD Waschkosten. Das ist teuer für Marokko.

Plage Blanche
Soll natürlich Militärstation heißen
Wäsche machen
Morgentoilette erledigt, die Wäsche ist noch immer nass, ich will weg hier

Weiter geht die Reise

Ich will nur weg hier – weiter – zurück in die Einöde. Wir packen. Die nasse Kleidung wird in Handtücher gelegt. Wir benötigen noch ein paar Lebensmittel und halten an einem kleinen Laden. Dort steht gerade der „LKW“ für den Nachschub vor der Tür.

Bye the way – das Antibiotikum habe ich nicht genommen. Aber das Antihistaminikum hat über Nacht seinen Dienst getan – etwas abgeschwollen, juckt nicht mehr – und mein Bein riecht nach der Dusche wie eine Kamillenwiese.

Wir fahren zurück bis zum Ort Tan-Tan, überqueren wieder einmal das Wadi Draa und fahren entlang des Flusses in Richtung dessen Mündung in den Atlantik.

Ksar Tafnidilt

WOW – hinter einer Kurve taucht vor uns der Nachbau eines Wüstenforts auf. Es gibt Stellplätze für  Camper, verschiedenste Zimmer mit oder ohne Halbpension, ein Schwimmbad im Innenhof. Hätten wir das gewusst, hätten wir hier übernachtet. Hier kannst Du Dich weiter über die Unterkunft informieren.

Ksar Tafnidilt
Ksar Tafnidilt – eine Oase in der Wüste

Afrika off-road

Dann wird das Gelände rauer. Wir lassen den Reifendruck wieder auf 1,5 bar ab. Die Dünen scheinen ein weiteres Mal unendlich zu sein. Der Sand hat hier im Gegensatz zur rötlichen Erg Chebbi einen warmen gelb-beigen Farbton, ähnlich dem der Erg Chegaga. Und eine Fahrspur? Die gibt es gerade nicht oder wir haben sie verloren – Afrika off-road. Ein wenig östlich, ein bisschen nördlich, wir gelangen auf eine Sandpiste und sind zurück auf unserem Track.

Afrika off-road
Zurück in der Einsamkeit
Afrika off-road
Der Wind hat sich gelegt, die Temperaturen sind gestiegen. Auch der Himmel zeigt wieder sein freundliches blau.
Afrika off-road
Der Sand ist tief. Der Landy brummt. Ich bin glücklich.

Aus dem Nichts

Wie so oft tauchen Menschen – für uns aus dem Nichts – auf. Barfuß kommen Vater und Sohn mit wehender Kleidung winkend auf uns zugelaufen. Wir halten an. Es nervt mich, dass ich nur so rudimentär französisch spreche. Die freundlichen braunen Augen des Berbers scheinen zu lächeln. Neugierige Kinderaugen sehen uns an. Ich steige aus. Wir werden zum Tee eingeladen, lehnen aber dankend ab – zu früh für einen langen Stopp.

Ich krame noch ein paar Müsliriegel aus dem Kühlschrank. „Shukran“, sagt der kleine Junge schüchtern. Danke – eines der wenigen arabischen Worte, die hängen geblieben sind.

Einladung zum Tee
Wie so oft, tauchen plötzlich Menschen aus dem Nichts auf
Wüste
Dort hinten, in der Mitte des Bildes steht seine Jurte, daneben ein alten Defender – dort wohnen sie. Fernab der Zivilisation
Afrika off-road
Stoooooooooooooop – ich muss ein Foto machen, es blüht etwas. Aber was?
Afrika off-road
Die Karavane zieht weiter – einige Minuten stehen wir und warten bis alle Dromedare die „Piste“ überquert haben

Das Wadi Draa – Afrika off-raod

Die Draa, mit 1.100 Metern der längste „Fluss“ Marokkos, begleitet uns auf unserer Reise in den letzten neun Tagen. Der Fluss schlängelt sich von Ouarzazate über Zagora und M’hamid zwischen Hohem Atlas und Antiatlas hindurch. Er bildet die Grenze zwischen Algerien und Marokko und biegt kurz vor der Westsahara ab in Richtung Atlantik. Orient trifft Ozean. Wir fahren am Delta entlang und folgen dann der schroffen Küste in Richtung Norden.

Afrika off-road
Hier treffen sich der Fluss Draa und der wilde Atlantik

Militär und Fischer

Alle paar Kilometer kommen wir an Militärposten vorbei, kleinen weißen Kontainer mit Besatzung – Fotos verboten. Der Weg dorthin ist mit weißen Steinen abgesperrt. Auch vor der marokkanische Küste reißt der Migrantenstrom nicht ab und so wurden die Militärposten verstärkt.

Dazwischen sind ärmliche Fischerhütten zu sehen. Zusammen geschustert aus Plastik, Müll, Decken, Leinen und was sonst so an Strandgut zu finden war. Trampelpfade führen die steilen Klippen hinunter. Ein Militärkonvoi überholt uns. Die Männer haben schwarze Turbane um und gucken ernst. Niemand winkt uns zu.

Africa

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Lawrence von Arabien

Weiter get die Fahrt ins Inland. Und plötzlich habe ich das Gefühl in einer Filmkulisse zu stehen. Aber kein Lawrence ist zu sehen. Was das für Gebäude sind, die hier mitten im Nichts stehen, ist uns leider verborgen geblieben.

Das Tal ist grün und ein seltenes Gut ist zu sehen – Wasser. Unser Track stimmt überhaupt nicht mehr. Hier müssen kürzlich riesige Sandmassen verschoben worden sein. Irgendwie versuchen wir auf die andere Seite des Tals zu gelangen. Und dann stehen wir wieder am Atlantik. Es ist spät geworden, die Sonne senkt sich gen Ozean.

Africa
Zu gerne würde ich wissen, was das für Bauten sind
Afrika off-road
Rund um die grüne Oase sind Dromedare, Schafe und Ziegen zu sehen – aber die wollte ich nicht auf dem Bild haben 😉

Plage Blanche angekommen – Ziel erreicht

Mit 150 km ist es angeblich der längste Strand Marokkos – der weiße Strand – am Rande der Sahara. Leider ist es schon fast dunkel als wir den Strand erreichen, so ist er eher grau. Über eine schmale steile Piste sind wir hinunter gefahren. Der Sand ist tief. Laut tosend brechen hohe Wellen am Strand. Wir halten an, müssen uns anschreien um uns zu verständigen. Dunst – …oder ist es Nebel? – zieht wabernd über den Strand. Ist gerade Ebbe oder Flut?

Und nun? Wo schlafen wir?

Hier soll ich übernachten? Never ever. Der Plan von der Strandübernachtung ist schnell verworfen, aber was nun? Erst einmal schnell hinauf, bevor es ganz dunkel wird. Oben angekommen werden wir von einem Militärposten abgefangen. Freundlich aber bestimmt verlangt der Soldat unsere Papiere und ein „Fiche“ wechselt den Besitzer. Freundlich aber bestimmt, weist er darauf hin, dass wir auf diesem Plateau nicht übernachten dürfen, Sperrgebiet. Aber auf dem nächsten, dort sollen wir parken, sie würden in der Nacht auch auf uns aufpassen.

Africa

Flugs ist das Nachtquartier aufgeschlagen, unter Beobachtung des Militärs. Wir bereiten unser Abendessen zu – frisches Brot und eine Gemüsepfanne. Es ist kalt. Es ist laut. Ich muss mal. Aber wohin? …unter Militärbeobachtung neben das Vorderrad des Landys mit Blick auf das Farbenspiel des Sonnenuntergangs. Unsere Übernachtung am Plage Blanche hatte ich mir etwas romantischer vorgestellt.

Afrika off-road
Oben an der Klippe steht ein Soldat und beobachtet den Sonnenuntergang
Afrika off-road
Dann kehrt Ruhe ein, der Wind lässt etwas nach.

Wir räumen zusammen und kuscheln uns in unsere Decken. Das Tosen der Wellen wird leiser und wiegt mich in den Schlaf…

Ein durchdringendes Scheppern! Ich schrecke hoch, passt das Militär doch nicht auf? Was war das? Ich wage kaum Luft zu holen, lausche in die Nacht…

Afrika off-road

Oktober 2019
Afrika off-road – Marokko 2019 – Ziel Plage Blanche

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Ein Gedanke zu „Afrika off-road – Marokko 2019 – Ziel Plage Blanche

  1. Schön zu hören, dass es deinem Bein wieder besser geht! So ein Pech, das der Strand und das Meer nach der trockenen Wüstenlandschaft kein grandioses Highlight geworden ist! Wie die wenigen Leute im Landesinneren wohl überleben? Wenigstens haben sie saubere Luft und müssen keine üblen WCs benutzen.

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