Australien

Windjana Gorge – phänomenales Naturschauspiel

Das heutige Ziel ist die Windjana Gorge. Wir sind gespannt auf die Felsformation der Napier Range, die wie aus dem Nichts aus der Grassavanne herausragen soll. Ich sag nur: Colours of Australia, Abenteuer in der Natur…

Ein neuer Tag ist angebrochen

Oktober 2016 – Wir sind heute Morgen sehr früh von dem Imintja Campground gestartet und haben die Bell Gorge besichtigt. Dann ging es weiter auf der Gibb River Road. An den Linksverkehr haben wir uns inzwischen gewöhnt. Ich habe die Tage nicht gezählt, aber es müsste bald die 3 Woche unseres Reisetraums anbrechen.

Wir verlassen die Gibb River Road in Richtung Windjana Gorge Nationalpark. Es ist heiß, die Sonne brennt vom leicht bewölkten Himmel. An der Straße stehen vereinzelt abgemagerte Kühe. Kadaver von Kängurus und Kühen liegen in verschiedenen Verwesungsgraden am Wegesrand. Greifvögel bedienen sich der Überreste. Sie fliegen auf, wenn wir uns nähern. Wir hinterlassen eine riesige Staubwolke. Die Piste ist ziemlich schlecht. Schlaglöcher, Spurrillen, Steine und Wellblech sowie sandige Abschnitte wechseln sich ab. Da heißt es, beherzt auf das Gaspedal zu treten und zu hoffen, dass wir nicht wieder einen Plattfuß haben werden. Aus der Ferne nähert sich eine Staubwolke, Gegenverkehr. Es dauert eine ganze Weile, dann passiert uns ein Landy, man grüßt sich. Dann sehen wir erst einmal nichts!

Windjana Campground

Wir haben unsere heutige Schlafstätte erreicht. Wir rollen langsam über den Windjana Campground. Am Eingang steht ein kleiner Briefkasten mit Unterlagen für die Selbstregistrierung. Wir bezahlen 12 AU$ pro Person pro Übernachtung, das sind ca. 9 €. Wir füllen den Zettel zur die Selbstregistrierung aus. Das Geld wird  abgezählt, mit dem Zettel in den Umschlag gesteckt und den Durchschlag legen wir hinter die Windschutzscheibe. Es ist ratsam immer Kleingeld dabei zu haben. Mit Plastikgeld kommst Du im Outback oft nicht weit.

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Der erste Blick auf die Napier Range

Tatsächlich! Wie beschrieben, türmt sich vor uns ein ca. 100 m hohes Felsmassiv auf. Imposant ragen die dunkelgrau, orangen Kalksteinfelsen der Schlucht aus dem Boden. Schnell haben wir uns auf dem Campground eingerichtet und ihn inspiziert. Der Camper steht unter einem der wenigen Schatten spendenden Bäume der Grassavanne. Es gibt ein paar Buschtoiletten und Wasserhähne für Trinkwasser. Kein Strom. Generatoren sind hier verboten. Der Patz ist relativ leer. Naturnah, so lieben wir es.

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Buschtoiletten auf dem Windjana Campground

Eigentlich wollten wir gleich los wandern. Aber es ist 14:00 Uhr und einfach noch zu heiß. Ich schreibe meinen Blogbericht. Am späten Nachmittag setzen wir uns in Bewegung.

Ancient Barrier Reef

Vor 350 Millionen Jahren lag die Kimberley-Region im tropischen Meer. Die Region gehörte zu dem „Ancient barrier reef“, auch Devonian Reef genannt. Es soll 1.000 km lang und 20 km breit gewesen sein.  Der Meeresboden sank langsam ab, das Reef wuchs in die Höhe. Durch Erosionen wurde /wird das fossile Leben frei gelegt, ein Blick in die Erdgeschichte. Der Lennard River hat sich über  Millionen Jahre einen 3,5 km langen Weg durch die Schlucht genagt.

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Der Eingang in die Schlucht

Wir sehen eine schmale Felsspalte. Sie ist der Eingang. Nachdem wir uns durch die Felsspalte geschlängelt haben eröffnet sich uns ein Blick in eine grüne Oase. Eukalyptus-, Feigen- und Papierrindenbäume wirken vor uns wie ein undurchdringlicher Dschungel. Hier gibt es bestimmt Schlangen. Zur rechten Seite türmt sich die Felswand auf, zur linken können wir durch das Blattgrün einen Blick auf den Lennard River erhaschen. Wir folgen dem Trampelpfad. Kurze Zeit später wird der Blick auf die Schlucht frei. Wir stehen im Flussbett auf einer riesigen Sandbank. Der Fluss führt zum Ende der Trockenzeit kaum noch Wasser. Er schlängelt sich an der anderen Felsseite entlang.

Gänsehaut Feeling

Für uns seltsame Geräusche klingen durch die Schlucht. Es stinkt beißend. Kakadus schwärmen krächzend umher. Andere Laute hören sich bellend an. Sieht aus, als wenn ein grau, blauer Vogel diese Geräusche von sich gibt. Wir hören durchdringend, schrilles Gezeter und trauen unseren Augen nicht. Die Bäume direkt am Fluss sind schwarz verhangen von Flughunden. Es müssen 1.000sende sein. Das ist der beißende Geruch! Dagegen, reglos und ruhig, liegen dutzende Freshies dösend auf Sandbänken entlang des Flusses. Über der Schlucht am blauen Himmel kreist ein Milan. Die Felsen spiegeln sich im Wasser. Die Sonne senkt sich langsam. Die Schatten in der Schlucht werden lang. Es ist mystisch.

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Das Krokodil liegt im Weg

Flughunde

Ich gehe hinunter an den Fluss, um näher an die Flughunde heran zu kommen. Urig sehen sie aus, eingehüllt in ihre Flughäute. Bis 40 cm sind sie lang, haben große Augen und ein schwarz-braun, puschelig wirkendes Fell. Sie streiten sich um die oberen Plätze in den Bäumen, schließlich möchte keiner den Kot des Anderen auf den Kopf bekommen. Sie sind friedliche Vegetarier, sie tun uns nichts. Das stimmt nicht ganz!  Sie können Virusüberträger sein. Sie selbst stecken sich durch ihr ausgezeichnetes Immunsystem nicht an und weisen keine Symptome auf.

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Jeder kämpft um obere Plätze im Baum

Im Gegensatz zu ihren kleineren Artgenossen haben die Flughunde keine Echoortung, sondern orientieren sich mit ihren Augen und ihrem ausgezeichneten Geruchsinn. Weiter heran komme ich nicht, ich stehe schon fast im Wasser. Ich traue auch den Freshies nicht, die mich aus der grauen Brühe beäugen und trete lieber schnell wieder zurück.

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Zu 1000senden hängen sie in den Bäumen

Wer beißt mich da?

Plötzlich wird es unangenehm. Etwas hat mich gestochen, in die Wade. Ich trage eine kurze Hose und ein ärmelloses Shirt. Noch ein Biss am Oberarm. Ich kann gar nicht so schnell um mich schlagen, die die Viecher mich anfallen. Nun schwirren schon 10 um mich herum. Schwarz, ca. 1,5 cm groß, ähnlich wie Bremsen sehen sie aus. Im Affenzahn verlassen wir die Schlucht.

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Nur raus aus der Schlucht

Am Campground begegnen wir einer Rangerin. Sie rät uns zum Sonnenuntergang in die Schlucht zu gehen: „Watch the flying fox, it’s spectacular“. Lange Hose, Langarmshirt UND eine Dosis Aerogard, Tropical Strenght. Die blaue Dose hat uns schon gute Dienste erwiesen. Jedes stechende Insekt hat einen Bogen um uns gemacht, nachdem wir uns eingesprüht haben. Die heimischen Insektenmittel kannst Du zu Hause lassen, die helfen hier nicht.

Ein Dach aus Flughunden

Bewaffnet mit Fotoapparaten und GoPro kehren wir zurück. Wir haben uns einen kleinen Baumstamm als Sitz herangezogen und den Blick Richtung Schluchtausgang gerichtet. Die Krokodile schwimmen inzwischen alle im Wasser, die Sandbänke haben sich geleert. Die Felsen scheinen zu glühen, im Licht der untergehenden Sonne – spiegeln sich im Wasser wider.

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Abendstimmung, rot leuchten die Felsen

Der langbeinige Vogel, der an der Wasserkante entlang watet, wird von den Krokodilen beäugt.  Er verlässt das Wasser, immer wenn sie näher kommen. Es ist ruhiger geworden in der Schlucht. Nur das Gezeter der Flughunde ist geblieben. So auch der beißende Gestank. Sie sind unruhig, wechseln ihre Plätze.

Inwischen ist es schummrig geworden in der Schlucht. Schwarz heben sich Felsen und Pflanzen von Himmel ab. Dann beginnt das Spektakel. Die Flughunde werden lauter. Wie auf Knopfdruck schwingen sie sich zeitgleich aus den Bäumen. Wie das Ausschlagen eines Handtuches klingt es. Der glutrote Himmel schimmert durch das Dach der Flughunde über uns. 1.000sende zugleich! Der Himmel scheint zu flimmern, die Luft scheint zu vibrieren. Sie fliegen aus der Bucht hinaus und kehren tief über das Wasser hinweg schießend zurück. Vom Wasser herauf erklingt das Geräusch der zuklappenden Mäuler der Freshis. Knackend, Knochen brechend hört es sich an, wenn sie Beute gemacht haben. Schaurig und faszinierend, empfinde ich das, was sich dort abspielt. Nie werde ich den Geruch der Flughunde vergessen.

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Sie schwärmen aus, bedecken den abendlichen Himmel

Wir machen uns auf den Rückweg. Mit Taschenlampen suchen wir uns den Weg durch die grüne Oase, die jetzt bedrohlich wirkt. Die Geräusche begleiten uns, bis zu der schmalen Felsspalte die in die Schlucht hinein geführt hat.

Fazit

Wir waren hellauf begeistert von diesem unglaublichen Schauspiel der Natur. Ein Highlight! Solltest Du die Windjana Gorge besuchen, lass es Dir nicht entgehen. Insektenschutz, Wasser, Fotoapparat, entsprechende Kleidung und Taschenlampe, so steht dem Naturschauspiel in der Windjana Gorge nichts mehr im Wege.

Herbst 2016
Windjana Gorge – Flashback

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4 Gedanken zu „Windjana Gorge – Flashback

  1. Faszinierend Dein Bericht und diese tollen Bilder dazu.
    Den Flughunden hätte ich mich nicht genähert, ich mag sie gar
    nicht, sind mir unheimlich. Freshies sind wohl Krokodile?

    1. Moin moin, Danke. Freshies sind Süßwasserkrokodile. Dort stehen wir nicht auf dem Speiseplan. Sie tun nichts, es sein denn, Du ärgerst sie. Das gibt dann böse Bisswunden. Vor den Salzwasserkrokodilen solltest Du Dich hüten, dort stehen wir auf dem Speiseplan. Mehr darüber kannst Du auf der Seite: „Tiere in Australien“ erfahren.

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