Nationalpark Wattenmeer

Wat mutt, dat mutt. Heute geht’s ins Watt, so hat die Red Lady die Aufgabe, mich an die Nordsee zu transportieren. Das Land der Fischköppe ist ihr noch unbekannt, denn sie stammt aus Bayern. Ich habe eine Verabredung, eine Reportage steht an.

Auf geht’s ins Watt

Noch schnell ein Brötchen beim Bäcker holen und los. So der Plan. Vor dem Bäcker steht eine ältere Dame mit Hund. Gebannt schaut sie auf den vorderen unteren Teil des Autos und die Reifen. Mist, denke ich, ist da etwas? Schnell steige ich aus und gucke nach. Nix. Dann sehe ich zu der Dame. Sie sieht nun mich an und sagt: „So einen wollen wir auch haben, aber die meisten die wir gesehen haben, waren schrottig, aber der hier…“ Sie schaut wieder auf mein Auto.

Wir unterhalten uns über Baujahr, Motor, Rost und Unterbodenschutz. Unterbodenschutz! Da fällt mir ein, dass ich doch bei Mike Sanders vorbei schauen wollte, um mir alles genau anzusehen und erklären zu lassen. Nun aber geht es erst einmal an die Nordesee.

Wattenmeer
Gigantische Schleusentore am Eidersperrwerk

Da bin ich

Bausstellen, Vollsperrung – ich bin zu spät am Treffpunkt. Ich bin mit einem Ranger des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer verabredet. Der Ranger wartet schon auf mich. Wir treffen uns auf dem Parkplatz des Eidersperrwerks. Grinsend steigt er aus, zeigt auf die Red Lady und sagt: „Sie wissen schon, dass das mein Auto ist?“ Wieder einmal beginnt eine Landy Diskussion. Aber er hat Recht, zu einem Ranger würde natürlich ein Defender besser passen als ein Golf.

Das Eidersperrwerk war 1973 das größte seiner Art. Gewaltige 5 Tore schützen  das Umland vor Sturmfluten. Wir gehen auf das imposante Bauwerk hinauf und widmen uns den Lachmöwen- und Küstenseeschwalbenkolonien, die direkt am Sperrwerk hausen.

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Die Vogelkolonie am Eidersperrwerk

So ein Durcheinander

Ein Gewimmel von Vögeln. Hier ist echt Alarm. Wie finden die Paare sich bloß wieder? Nestbau, Paarung, Streit um die besten Plätze! Einige scheinen auch schon zu brüten. Und mitten zwischen den vielen Möwen, segelt eine elegante Küstenseeschwalbe entlang. Sie mag den Möwenrummel gar nicht, brütet lieber etwas abseits. Was mag hier erst los sein, wenn die Lütten geschlüpft sind?

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Elegant segelt sie um uns herum

Der Ranger erzählt, dass die eleganten Flieger recht böse werden können und Du aufpassen musst, dass Du nicht mit einer blutige Stirn nach Hause gehst, wenn Du ihnen zu nahe kommst.

Wir fahren mit den Autos weiter an den Deich.

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Keck, wie dem Mutterschaf die Locke über die Stirn hängt

Wildnis Wattenmeer

Die Schafe blöken und rennen davon, als ich die Red Lady am Deichfuß parke. Sie beäugen  das Geschehen misstrauisch. Oben vom Deich haben wir einen sensationellen Fernblick über Salzwiesen, Watt und mehr. Nur das Meer, sehen wir noch nicht.

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Deich, Salzwiesen und dahinter das Watt

Salzwiesen, das ist das Schwerpunktthema in diesem Jahr im Nationalpark. Salzwiesen bilden den Übergang zwischen Meer und Land. Trist und struppig sehen sie jetzt aus. „Wunderschön“, schwärmt der Ranger, „ist es, wenn bald der  Strandflieder zwischen Portulak-Keilmelde und Seegras blüht.“ Schafe dürfen hier nicht mehr weiden. Natur, Natur sein lassen ist die Devise des Nationalparks. Übrigens, aller Nationalparks, so hat es mir der Ranger aus dem  Nationalpark Bayerischer Wald auch erklärt.

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Trist sieht es jetzt aus

Während wir die Salzwiesen durchqueren, unterhalten uns über Schnecken, Muscheln und Wattwürmer. Über Seeadler, Füchse und den Wolf. Nicht nur im Bayerischen Wald ist Meister Isegrim wieder heimisch, sondern er ist auch bis hier vorgedrungen.

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Muschel stecken im abfließenden Wasser
Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Der Wattwurm hatte eine gute Verdauung 😉

Hilfe ich stecke fest

Weiter geht die Wanderung durch die Priele. Das Wasser läuft noch ab. Die Prielwände sind teilweise glitschig wie Schmierseife. Da heißt es, fest zutreten mit der Hacke zuerst. Schritt für Schritt. „Auch beim Herausziehen des Fußes, die Hacke zuerst“, sagt mir der Ranger. Gar nicht so einfach. Der Fuß will, aber der Gummistiefel bleibt stehen. Schnell stecke ich den Fuß zurück. Neuer Versuch, nur nicht umkippen. Beim Abstützversuch gibt es eine schwarze Hand, denn sie versinkt im Schlick. Schließlich bin ich auf der anderen Seite angekommen und der Ranger streckt mir seine helfende Hand entgegen.

Ehrfurcht

1 Stunde Fußmarsch weiter: Ich sehe auf den Boden. Hier draußen gib es nichts mehr, nicht einmal Queller, den Vorreiter der Pflanzenwelt.

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Weit und breit nichts als Watt
Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Kraterlandschaft, wie auf dem Mond?

Es ist grau. Wellenförmig grau, mit Kratern, Rissen und Furchen, karg, wie auf dem Mond. Ich hebe den Kopf ganz langsam: grau, grau, grau, dann die Wasserkante, dann der Horizont. Die Sicht ist heute fantastisch, auch wenn Regenwolken aufziehen. Wir können bis nach Cuxhafen blicken, sehen den Fernsehturm.

Ich drehe mich um. Wow, eine kleine grüne Linie am Horizont, der Deich. Die Windräder scheinen, gerade einmal daumengroß. Die tiefen Priele sind nicht zu sehen. Alles sieht friedlich aus, so friedlich. Ich bin glücklich. Herrliche Natur. Vielleicht sollte ich auch Ranger werden.

Weiter geht die Fahrt

Auf dem Rückweg hat es angefangen zu regnen. Der Horizont ist im Wolkengrau verschwunden. So schnell kann es gehen. So schnell kann es auch gefährlich werden. Vorherige Information über die Wetterlage, das ist hier das A und O.

Nachdem wir eine kurze Runde mit der Red Lady gedreht haben, verabschieden wir uns. Ich bedanke mich für die tolle Stunden und die geballten Informationen.

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Die schöne Zeit der gelben Felder hat begonnen

Meine Fahrt geht weiter nach Norden, entlang des Deichs. Die Rapsfelder stehen in voller Blühte – gelb prägt die Landschaft nun, so weit das Auge reicht. Prächtig. Ich bin in St. Peter Ording angekommen und möchte an den Strand, mit der Red Lady. Ich fahre über den Deich auf den riesigen Parkplatz. Fast menschenleer ist er, ein paar Wohnmobile parken in einer Linie. Freie Fahrt…

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Fahrvergnügen auf Sand
W wie Watt

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10 Gedanken zu „W wie Watt

    1. Moin Ännschen, dann treffen wir uns doch einfach mal, lernen uns kennen und fahren lang, wo auch immer dann, machen uns einen netten Tag mit der Red Lady ;-), Grüße aus dem Norden

  1. Der Lady in Red wird hier „Luxus Nordsee“ vorgeführt.
    Ohne Touristen, ohne Strandkörbe, etc .
    Der Duft von Salz, der Wind, die Stille, die Weite – ein Sehnsuchtsort für mich!
    Danke

    Eli

    1. Hallo liebe Eli, das kann ich verstehen, dass das ein Sehnsuchtsort für Dich ist. So wie bei diesem Besuch hat mich das Watt auch noch nie beeindruckt. Ich habe mich so klein gefühlt in dieser Weite. Hab eine schöne Woche…

  2. Das waren ja „Bilderbuch-Schäfchen“! Mit dem richtigen Blick kann man sogar aus einer grauen tristen Landschaft schöne Fotos heraus kitzeln! LG Gisa

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