Schwefeldämpfe am Krater

Ätna – Ehrfurcht und Faszination

Die Spannung steigt. Die Wanderung auf den Ätna steht bevor. Wird das Wetter mit spielen? Dürfen wir direkt an den Kraterrand? Wir sind nun schon seit ein paar Tagen auf Sizilien, wohnen in der Altstadt von Syracus. Wir haben einen direkten Blick auf das Meer. Morgens weckt uns sie Sonne, wenn sie glutrot aus dem Meer empor steigt. So auch heute, wir müssen früh los.

Es geht entlang der Küste Richtung Katania, bis zum Fuße des Ätna. Wir fahren weiter hinauf über den Ort Nicolosi und erreichen das Refugio Sapienza auf 1900m Höhe. Wir scheinen Glück mit dem Wetter zu haben. Heute Morgen ist noch keine Wolke am Himmel zu sehen.

Ätna in the morning
Der morgendliche Blick auf den Ätna

Rifugio Sapienza

Hier befindet sich ein großer Parkplatz für PKWs und Busse. Solltest Du hier parken fällt eine kleine Parkplatzgebühr an. Als wir dort geparkt haben, kam ein Italiener herum, der die Parkgebühren eingesammelt hat. Wenn Du nicht nur zum Krater hinauf wandern möchtest, sondern die Gegend etwas genauer erforschen willst, länger bleiben möchtest, dann bietet sich das  Rifugio für die Übernachtung an. Und wenn Du neugierig bist wie es dort aktuelle aussieht auf der Seite des Rifugio Sapienza gibt es auch eine Live-WebCam.

Wir gehen hinüber, zur Anmeldung für die Wanderung auf den Ätna. Eine Tour kostet 80€ (Stand 2014). Ja, es ist viel Geld. Das sollte allerdings nicht abschrecken, die Wanderung ist das Geld wert. Bei der Anmeldung werden wir genauestens inspiziert. Ist das Schuhwerk geeignet? Haben wir eine warme Jacke dabei? Haben wir Proviant dabei, besonders Wasser? Anschließend wird nach unserer Fitness gefragt… nach Abschluss der Triathlonsaison, fühlen wir uns noch fit. Auch die Frage nach gesundheitlichen Störungen, wie Herzproblem und Astma wir uns gestellt. Zuletzt müssen wir noch einen Zettel unterschreiben, dass wir den Vulkan auf eigene Gefahr besteigen. Dann, nach allen Formalitäten erhalten wir unser Ticket in das Abenteuer. Inzwischen ist es langsam voll geworden. Menschen aller Nationalitäten, allen Alters, mit Sandalen und HighTec Wanderausrüstung strömen herbei. Nicht jeder darf mit hinauf. Am Ende werden Helme verteilt in verschiedenen Farben. Wir bekommen einen weißen Helm, für eine englischsprachige Führung.

Visitorcenter Ätna
Es ist noch früh, wir müssen warten bis das Visitorcenter öffnet

La Montagnola

Endlich es ist soweit. Der Tross von Touristen setzt sich in Bewegung. Wir gehen hinüber zur Seilbahn Telecabina – Funivia dell’Etna. Für uns ist die Fahrt inklusive. Solltest Du keine Wanderung gebucht haben und einfach nur mit der Seilbahn hinauf fahren wollen, bezahlst Du 30€ (Stand 2014) pro Person. Allerdings würde ich raten einen Guide zu buchen, denn ohne die Erklärungen und die geführten Routen kommst Du nicht weit.

Wir schweben über Zitronen- und Orangenbäume, Feigen- und Pistazienbäume hinauf. Dann ändert sich die Vegetation. Birken, Kiefern und Ginster wechseln sich ab. Schließlich sehen wir Wachholder, Sanddorn und Ginster, bald dann nur noch Farne, Moose und Flechten. Aber auch die verrosteten Seile der vorherigen Seilbahn ragen aus der Lava hervor. Bei einem der letzten Ausbrüche wurde die Seilbahn sowie das Touristenzentrum und die Souvenirshops komplett verschüttet. Unsere Fahrt endet auf 2500m am Aussichtspunkt La Montagnola.

Flechten, Farne und Moose sind aus der Seilbahn zu sehen

Torre del Filosofo

Wir begeben uns zu den riesigen Unimog Offroad-Fahrzeugen, die uns weiter durch die vegetationslose Landschaft, hinauf auf 2950m befördern. Die kleine Berghütte, Torre del Filosofo, wurde nie offiziell eingeweiht. Sie diente den Vulkanologen, Bergführern und Wanderern als Unterschlupf. Sie wurde immer wieder von den Ausbrüchen des Ätna bedroht und schließlich 2002 komplett unter Auswurf und Asche vergraben. Nur die Antennen waren noch zu sehen.

Crateri Silvestri
Der Bus bringt uns weiter hinauf

Von hier aus geht es zu Fuß weiter. Lachend und schatzend setzt sich unsere Gruppe auf dem festen Untergrund in Bewegung. Unser Bergführer hat auf der seichten Steigung ein zügiges Tempo angeschlagen, sodass die Gespräche langsam verstummen. Nach einer Weile erreichen wir ein Seil, das quer über den Weg gespannt ist, es beginnt die gelbe Zone. Sperrgebiet ohne Guide! Der Bergführer erzählt uns einiges über den Vulkan und weist zum wiederholten Male auf die Gefahren & Regeln hin: Auswurf von Steinen, reizende Gase, die Kanten nicht zu dicht betreten, spätere Helmpflicht, Gruppe nicht erlassen.

Der Aufstieg zum Süd-Ost Krater

Es ist windig geworden und kalt. Ab und zu weht eine Schwefelwolke herüber. Die Luft ist dünn geworden, das Atmen fällt schwerer. Hintereinander Schritt für Schritt arbeiten wir uns den Berg hinauf, der Untergrund ist weich geworden und unter der lockeren Lava befindet sich eine Schneeschicht.

Schnee unter der Asche
Keine 3 cm unter der Asche befindet sich Schnee

Die ersten geben auf, wollen nicht weiter gehen. In der lockeren Lava befinden ich nun auch größere Brocken, die der Ätna ausgespiehen hat, ab hier ist Helmpflicht. Mit jedem Schritt tritt sich das lockere Gestein zurück, es fühlt sich an, als wenn man überhaupt nicht mehr vorwärts kommt.

Helmpflicht beim Aufstieg
Nun ist Helmpflicht

Ich schwitze und bekomme schlecht Luft. Ich habe mir den Rolli über den Mund gezogen, die Gase lösen bei mir einen ständigen Hustenreiz aus. Doch durch die Nase bekomme ich auch nicht wirklich Luft, sie hat sich in einen reißenden Gebirgsbach verwandelt. Und die Augen, sie fühlen sich an wie nach einem Sandsturm in der Sahara. Das Tempo ist zügig, um aus dieser Wolke wieder heraus zu kommen. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Hier oben fühle ich mich ganz klein und überhaupt nicht fit.

Plötzlich ist alles wie verwandelt! Frische Luft, Schwefelschwaden wabern auf dem Boden um die Füße herum und ein atemberaubender Blick auf den Krater tut sich vor den tränenden Augen auf.

Schwefeldämpfe am Krater
Schwefeldämpfe wabern über den Weg
Oben angekommen
Ich bin erledigt, es stinkt, die Augen tränen unaufhörlich, die Nase läuft und läuft
Der Kraterrand des Ätna
Am Kraterrand geht es steil hinab in den Schlund des Vulkans
Am Randes des Kraters des Ätnas
Ein unbeschreiblicher Blick von hier oben zurück auf die Kante auf der wir eben noch standen

Vergessen ist die Quälerei den Berg hinauf, mein Puls normalisiert sich langsam. Fasziniert und ehrfürchtig sehe ich hinunter in den Schlund des Ätna. Das Gefühl ist unbeschreiblich, wir sind angekommen. Während ich noch wie gebannt hinunter starre in die Tiefe, erklingt eintiefes Grollen hinter uns. Selbst unser Bergführer scheint beeindruckt und schaut interessiert weiter hinauf in Richtung des nächsten Kraters.

Die Bocca Nuova

Wir sind doch noch nicht oben. Zügigen Schrittes setzen wir unseren Weg fort, es geht steil hinauf, bis auf 3279m. Ich ramme meine Fußspitzen in das lockere Gestein, um nicht ständig wieder zurück zu rutschen, mein Puls rast. Das tiefe Grummeln wird lauter. Schließlich stehen wir oben an der Kante der Bocca Nuova, dem „neuen Mund“ der bei dem Ausbruch 1968 entstanden ist. Unsere Guide erzählt uns, dass dieses Grummeln erst vor 10 Tagen begonnen hat und auch nicht immer zu hören ist. Eigentlich gehört dieser Teil nicht zu unserer Führung und die Tour-Zeit haben wir auch schon längst überschritten. Aber unser Guide ist selbst so fasziniert, dass ihm die Verlängerung der Tour Spaß bringt. Er erklärt uns, dass es sehr selten so „warm“ und „windstill“ hier eben sei.

Schwefelwolke am Ätna
Zum Abschied stößt der Ätna eine große Schwefelwolke aus

Hinunter geht es dann allerdings wieder ziemlich schnellen Schrittes. Ich drehe mich immer wieder einmal um, dort oben war ich gerade eben noch.

Unten angekommen ist es schon 17:00 Uhr. Der Tag ist wie ein Wimpernschlag vorbei gegangen. Diese Wanderung vor 2 Jahren war eindeutig das Eindrucksvollste, was ich bisher gesehen habe.

Es hat sich ein wenig zugezogen, morgen soll es Schnee geben auf dem Ätna. Wir fahren zurück nach Syracus und lassen den Tag mit einem schönen Abendessen am Meer ausklingen.

Noch ein paar Tipps, solltest Du den Ätna besteigen:

  • auf die örtliche Wettervorhersage achten und wirklich nur bei gutem Wetter starten
  • Sonnenbrille, auch gegen Staub, auf gar keinen Fall Kontaktlinsen
  • Kleidung nach dem Zwiebelprinzip (Funktions-Shirt, Pullover, regen- und windfeste Jacke)
  • knöchelhohe feste Wanderschuhe mit ordentlichem Profil, gibt es notfalls auch vor Ort zu leihen (meine waren hinterher schwarz und hatte Schnitte von dem scharfkantigen Felsen)
  • ich würde auf jeden Fall eine feste lange Hose empfehlen
  • Ein Halstuch, oder ähnliches, das Du Dir vor dem Mund binden kannst gegen die giftigen Gase
  • ausreichen Wasser und Müsliriegel
  • ich bin kein Wanderstock-Typ, aber hier hätte ich mir doch manchmal welche gewünscht
  • gesundheitlich solltest Du fit sein, alle andere wäre gefährlich für Dich und Deine Gruppe

Hier auch noch ein paar informative Links zum Ätna:

Immer aktuelle Tipps zum Ätna, Infos hier…
Institut für Vulkanologie in Katania, Infos hier…
Interessant ist auch diese Seite über Vulkane, Infos hier…

Zu guter Letzt auch noch ein Tipp zu einem, wie wir finden, tollen Reiseführer für Sizilien, der unser ständiger Begleiter war.

Herbst 2014
Ätna – ein Reiserückblick

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Ein Gedanke zu „Ätna – ein Reiserückblick

  1. Am tollsten fand ich die Fotos der bunten Gruppe auf dem schwarzen Geröll! Die düstere Vulkanlandschaft oben hat mich an Lanzarote erinnert. Dort hatte ich allerdings mehrere Vorteile: Frische, angenehm temperierte Meeresluft, ein Ausbruch war nicht zu erwarten und dünne Höhenluft und die Pflicht eines besonderen Fitnessnachweises gab es auch nicht. Nur in Sachen Schuhwerk hätte ich doch besser Bergstiefel angehabt, denn die vulkanischen Gesteinsreste waren scharf wie Glassplitter. Die Sohlen meiner Sommerschuhe waren weggeraspelt und nach dem Ausflug unbrauchbar.

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