Um 1431 soll er in Schäßburg = Sighisoara zur Welt gekommen sein. Dem Woiwoden wird besondere Grausamkeit nachgesagt: „…der dy jungen kinder praten ließ…“. Was habe ich mich, als kleines Kind vor Dracula dem Vampir gegruselt. Nun möchte ich doch wenigstens „sein“ Schloss besuchen, hier in Transsilvanien – wissen was dran ist an dem ganzen Spuk…

Ananas Camping bei Michelsberg = Cisnădioara

Am Morgen ist es trocken, jedoch hängen die Wolken noch tief in den Karpaten. Wir gehen hinüber zu dem kleinen Häuschen des Ananas Camping mit dem Schild Reception. Dort wohnt Michael, vielleicht Baujahr 44, aus Deutschland. Er ist zuständig für das schöne Fleckchen Erde auf dem wir übernachtet haben. Er schwärmt von den bald schneebedeckten Gipfeln der Karpaten im Sonnenschein und erzählt uns von der Bärin mit den 2 Jungen, die Luftlinie kaum 500m weiter lebt.

Zu gerne wäre ich noch einen Tag geblieben, hätte mir Geschichten über Land und Leute angehört und hätte Michael auf einer Wanderung begleitet.

Während er den Rucksack auf den Rücken geschnallt hat und sich mit einem seiner Hunde auf den Weg macht, ruft er uns noch ein: „Grüßt mir Schleswig-Holstein“ zu, denn dort hat er gelebt, in der Nähe von Kappeln.

2944 km haben wir inzwischen auf der Uhr

Weiter geht unsere Reise, entlang einer mit Geranientöpfen geschmückten Straße, durch Michelsberg. Das kleine Bergdorf ist umgeben von Wiesen und Wäldern. Ein Stück höher liegt die Kirchenburg, die von unserem Schlafplatz prima zu sehen war.  In unser Navi haben wir „kürzeste Route“ nach Bran eingegeben, was meist die längste Fahrzeit bedeutet. Wir gelangen über holprige kleine Straßen, durch abgelegene Ortschaften.

So, wie die freundlich winkenden Rumänen sich den Hals nach unserem Landy verdrehen, so verdrehe ich ihn mir in jedem kleinen Dorf, beispielsweise Vistea de Sus. Eine Zeitreise durch unberührte Natur, alte Gemäuer, Dorfleben wie in damaligen schwarz/weiß Schinken.

Wo bleiben die blutbenetzten Eckezähne?

Wir gelangen in den Ort Bran = Törzburg. Besser gesagt, wie stehen uns hinein. Vampire aus Pappmaché weisen den Weg zur Burg hinauf, die einst auch die Habsburger bewohnten.

Kulturschock, nach unserer ziemlich einsamen Fahrt. Eine lange Schlange von Reisebussen und Autos wälzt sich durch den kleinen Ort. Die Parkplatzsuche gestaltet sich schwierig, schließlich finden wir einen. Die als Dracula-Schloss bezeichnete Törzburg liegt auf einem kleinen Hügel.

Vor dem Weg hinauf befinden sich Souvenirstände, Freßbuden, eine Geisterbahn. Jung und alt aus aller Herrenländer schieben sich zur Kasse. Wir verzichten auf den Schlossbesuch, als wir die Schlange nach der Schlange sehen.

Hast Du die Kasse hinter Dich gebracht, stehst Du weiter den Hang hinauf bis zum Eingang in die Burg. Dafür ist uns die Zeit zu schade, überhaupt das Gedrängel zu dicht, die Menschen zu viele. Aber einen Magneten mit Dracula für unseren Engel-Kühlschrank kaufe ich noch schnell, bevor wir den Rückzug antreten.

Alles Humbug?

Ja, würde ich sagen – hier regiert der Kommerz im Vampirmantel. Sicherlich, es hat Vlad III Draculea gegeben, aber gewohnt hat er in diesem Schloss nicht. Man munkelt er sei hier vorbei gekommen. Gewohnt hingegen hat er wirklich in der Burg Poenari ca. 150 km entfernt. 1462 hat er sich dort vor Tartaren und Türken versteckt.

Im Volksmund war der Woiwode (=slawischer Herrscher) ein Mensch von Grausamkeit, besonders auf den Kriegszügen gegen die Osmanen. Seine Opfer soll er zur Abschreckung gepfählt haben und mit deren blutigen Rümpfen die Häuserwände beschmiert haben.

Eine gute Vorlage für den irischen Schriftsteller Bram Stoker, der Vlad III in der Romanfigur Dracula unvergesslich macht.

Ab ans Meer

Wir sind froh als wir aus dem Rummel von Bran hinaus sind. Es beginnt wieder zu regnen – langsam nervt es. Wir wollen Sonne, beschließen noch 400 km weiter zu fahren Richtung Konstanza, nach Eforie Nord. Dieses Mal schnellste Route – ein wenig Landstraße, dann Autobahn.

Am Straßenrand werden die Erzeugnisse der Umgebung verkauft, es gibt viele Käsestände.

Wir halten. Das Mütterchen schneidet uns dicke Stücken zum Probieren ab, von ca. 8 verschiedenen Käsesorten. Den Preis zeigt sie uns auf der Waage. Die Käse sind nicht nur auf dem Tresen  gestapelt, sondern auch im Wagen, der gleichzeitig als Bett fungiert.

Wir freuen uns auf den Abend, frischer Käse, Brot und Wein. Ich darf Bilder machen, wir verabschieden uns und sie winkt uns lächelnd nach.

Richtung Küste wird es heller, die Wolken verschwinden, ein wundervoller Sonnenuntergang kündigt sich an, dicke Insekten klatschen gegen die Scheibe.

Camping Medusa, hat laut Internet bis Ende Oktober geöffnet. Es liegt nur 50 m vom Strand entfernt. Ich freue mich auf das Meeresrauschen. Doch, wir stehen vor einem heruntergekommenen, verschlossenen Platz. Es wird dunkel. An der nächsten Tankstelle werden die letzen rumänischen Leu in Diesel verwandelt, während wir beratschlagen was wir tun. Ein Kurzer Anruf beim Camping Saint George 120 km entfernt, ja es ist geöffnet. Der Mond schmunzelt vom Himmel, weiter geht es nach Bulgarien…

Vampir gesucht – Vlad III. Drăculea

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4 Gedanken zu „Vampir gesucht – Vlad III. Drăculea

  1. Danke für den spannenden Einblick. Das Dracula mehr Mythos ist, davon ging ich ja aus. Aber wahrlich solch einen Kommerz hätte ich nicht vermutet im sonst eher verlassenen Rumänien.
    Die Herzlichkeit der Menschen in diesem faszinierenden Lande „hinter den Wäldern“ ist aber einzigartig, wie wir das auf unserem ersten kurzen Ausflug ins Banat selbst erfahren haben. Da wollen wir unbedingt noch mehr von erleben.

    1. Danke für Deinen Kommentar, nun komme ich endlich dazu zu antworten. SOOO einen Kommerz hätte ich auch nicht vermutet. Das war der krasse Gegensatz zur sonstigen Fahrt durch Rumänien. Herzlichkeit, Offenheit – weites Land, einsame Natur, wundervoll. Banat haben wir nicht besichtigt, wir sind Nähe Debrecen über die Grenze und dann entlang der ukrainischen Grenze durch die kleinen Dörfer der Karpaten gefahren. In Rumänien waren wir nicht zum letzten mal, es hat uns fasziniert. Die Stippvisite möchten wir gerne ausweiten.

  2. Von außen bei Tageslicht sieht die Schlossburg eher romantisch als gruselig aus. Der Wahnsinnsrummel an dem „Dracula-Schloss“ bringt der Gegend immerhin sichere Einnahmen, was für die Einheimischen positiv ist. Aber ich verstehe genau, dass dich das Gedränge, der Napp und langes Anstehen nerven. Sagen, Mythen und Filmträume lassen sich selten an angeblichen Originalschauplätzen nachvollziehen. Aber ein Versuch war es ja trotzdem Wert! Dank deiner Recherche sind nun andere Dracula-Liebhaber vorgewarnt!

    1. Hey Gisa,
      Naja, vorgewarnt waren wir auch, aber ich glaube erst, was ich mit eigegen Augen sehe. In der Woche, nicht am Wochenende, morgens ganz früh, oder später Nachmittag, vielleicht hat man dann mehr Glück die Törzburg nicht so überfüllt vorzufinden. Vielleicht…

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