30km ehemals asphaltierte Straße, sind jetzt nur noch eine Schlaglochpiste durch die Wildnis. Ohne den Rat des bulgarischen Pärchens hätten wir uns nicht auf diese Straße getraut. Sie zeigten gestern Abend auf unser Auto, es folgte ein Daumen hoch und ein Fingerzeig in die Berge mit dem Hinweis: „You ok car, we not.“ Verstanden, die Empfehlung für morgen –  mitten durch den Nationalpark zu fahren.

Parc National Ceahlau in den Ostkarpaten

Aufbruch, ich setze mich hinters Steuer und auf geht’s, hinauf in die Berge. Ich bin der Meinung es geht nicht weiter, Robert sagt: “ Jetzt fahr einfach, du denkst zu viel“. Rund und rot Verbot, den Text dazu können wir nicht lesen. Schnell ist die Strasse keine Strasse mehr. Äste hängen auf den Weg, große Löcher, abgerutschte Strassenteile – wir kommen nur langsam voran. Landschaftlich ist es wunderschön, wild und ursprünglich. Genau so haben wir es uns erhofft. Wir begegnen niemandem.

Von den hier wohnenden Tieren, wie beispielsweise Rotwild, Gämsen und Wildkatzen  haben wir durch unseren „Autolärm“ natürlich nichts mitbekommen. Allerdings haben wir am Abend zuvor im Sonnenuntergang kreisende Adler gesehen, sowie große Fledermäuse beobachten können.

Wir haben wieder ein anderes Ende der Karpaten erfahren, insgesamt ging es bis auf 1500 m Höhe und wieder hinunter  in den Kreis Neamt.

Cheile Bicazului = Bicaz-Klamm

Ziel heute ist Siebenbürgen, der Ort Viscri. Dazu passieren wir eine 60 km lange Klamm – die Bicaz-Klamm, auch ein Nationalpark. 10 km – der Höllenschlund- ist echt spektakulär, die Felsen ragen über 100 m in den Himmel, die schmalste Stelle scheint gerade einmal 6 m breit zu sein.

Lacu Roso oder Mördersee

Dann gelangen wir zu einem mystischen See. Er entstand 1837 durch einen Erdrutsch nach einem Gewitter. Der Legende nach jedoch hat die unglückliche Liebe eines Mädchens die Felsensteine zum Schmelzen bewegt. Sie sind vor lauter Rührung weich geworden und mit starkem Regen und Getöse in das Tal herabgerutscht, haben dort einen flachen See entstehen lassen. Noch heute gucken die Reste der verschütteten Bäume aus dem Wasser. Wundervoll, sehenswert, aber inzwischen touristisch – Robert sagt Disney – mir gefällt es.

Siebenbürgen

Der Landstrich zieht sich durch die Ostkarpaten, bis hin zu den Transsilvanischen Alpen = Südkarpaten. Warum es nun Siebenbürgen heißt, ist nicht wirklich belegt.  Vermutlich kommt der Name von der Gründung der 7 Dörfer: Hermannstadt, Kronstadt,  Bistritz, Schäßburg, Klasusenburg, Mühlbach und Broos durch die Siebenbürger Sachsens.

Weiter geht es für uns Richtung Gheogheni. Entlang des Flusses TamavaMare über teilweise unbefestigte Straßen. Wir nutzen die Karten von freytag & berndt, dort sind auch die kleinsten Straßen eingezeichnet.

Bei Brädesti gelangen wir auf eine größere Trasse, verlassen diese schnell wieder in Richtung Forenti. Wir lassen uns Zeit, halten hier und dort, um die Landschaft zu genießen, Kuh- und Schafhirten vorbei zu lassen.


Weiter geht die Fahrt über Ulies nach Petecu. Außer einem kleinen Jungen, der uns aus einem Fenster etwas zuruft und winkt, wirkt das kleine Dörfchen völlig verlassen.

Wir halten an einem  Bahnübergang, es gibt keine Station,  aber Menschen steigen ein und aus.

Die kleinen Wege sind ruppig, mit einem Camper oder PKW nur mit äußerster Vorsicht zu befahren. Wir freuen uns, dass wir fast niemandem begegnen. Über Beia, Palos, Cata und Hormond gelangen wir nach Rupea.

Kirchenburgen

Eine grosse Kirchenburg steht auf einer Anhöhe. Den Eingang haben wir schnell gefunden. Es gibt viele Kirchenburgen und Wehrkirchen in dieser Region, um 150 Stück. Damals dienten sie der Verteidigung gegen die Osmanen und Tataren.

 

Wir betreten die Kirchenburg und lernen, Rupea nennt sich auf deutsch: Reps, wurde im 12 Jahrhundert von den Siebenbürgern Sachsen gegründet. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Repser Burg, in diesem Fall keine Kirchenburg. Sie wurde durch Osmanen zerstört und wieder aufgebaut,  dann wieder durch Unwetter zerstört. Sie verfiel. Erst 1954 wurde sie restauriert. Sie ist eine der ältesten archäologischen Stätten Rumäniens und auf den Ruinen einer Verteidigungsanlage der Dacia (bedeutet Stein) erbaut. Die Fundamente sind über 2000 Jahre alt.

Dann geht unsere Fahrt weiter über Dacia bis nach Viscri – Ziel erreicht.

Viscri = Deutsch Weißkirch

Das Dorf ist  UNESCO Weltkulturerbe. Ich habe mich auf das Dörfchen gefreut. Segen oder Fluch – Hier leben statistisch 420 Einwohner und wir überlegen, ob sie sich freuen, wenn Massen von Menschen durch das Dorf pilgern? Hier winkt uns niemand zu, die Strassen sind relativ leer.

2 Handarbeitsstände  mit den typischen Strickwaren haben noch geöffnet. Es gibt hier das Projekt: Wollsocken für Viscri, dass 1999 entstand. Ca 70.000 Socken wurden bisher nach Deutschland verkauft. Die Wolle kaufen die Frauen den örtlichen Bauern ab und spinnen die Wolle selbst zu Garn. 700 Schafe leben in und um Viscri. Ich kaufe 2 Paar Socken, unterhalte mich mit der netten Rumänin, so weit möglich, in englisch über ihre Waren.  Mit ihren rauen Arbeiterhänden zeigt sie mir noch Jacken, Mützen, Schuhe. Ich frage ob ich sie fotografieren darf. Gestrickt wird übrigens hauptsächlich im Winter, denn dann ruht die besser bezahlte Feldarbeit.

Es ist spät geworden, wir benötigen noch einen Übernachtungsplatz. Es hiess, im Dorf können wir mit dem Auto stehen und übernachten. Wir möchten nicht im Dorf schlafen, fühlen uns unwohl hier zu kampieren, weiter geht die Reise.

Übrigens spielt auch ein Buch aus der Serie „Der kleine Vampir“ in Deutsch Weisskirch, die Familie Schlotterstein wohnt in der dortigen Kirchenburg.

Sighisoara = Schässburg

Wir folgen der Empfehlung des rumänischen Pärchens und finden zügig den Platz im Zentrum, fussläufig zur historischen Altstadt. Schnell haben wir aufgebaut, dann ist es auch schon dunkel, ich habe einfach nur Hunger….

Transilvania oder Siebenbürgen

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8 Gedanken zu „Transilvania oder Siebenbürgen

  1. Hi Ihr Beiden, auch wenn ich es bisher nicht auf die Reihe bekommen habe einen Kommentar abzugeben, bin ich doch ein treuer Leser des Blogs. Auf jeden Fall ist’s spannend, abwechslungsreich, aufregend, kulturell, mitfühlend, anstrengend, interessant und was einem sonst noch zu so einer Tour einfallen könnte. Habt ihr schon Halbzeit? Schreib doch mal wie ihr mit den Platzverhätnissen im Hotel Landyfornia, insbesondere bei der täglichen Klamottensuche. Essensausgabe und sonstigen Revisionen klarkommt. Dann kommen auch die Nachahmer auf Ihre Kosten.
    LG von Caddy-Carsten

    1. Moin Caddy-Carsten, die Landyfornia Beschreibung folgt von zu Hause, wenn wir die 4 Wochen rum haben. Kann nur sagen, bisher klappt alles nahezu perfekt. Ja, leider ist schon Halbzeit. Du bekommst heute noch einen 360 Grad Link, dort siehst Du unseren aktuellen Standort. Liebe Grüße heute aus Bulgarien. Kirsten

  2. Hey, tolle Bilder, alles märchenhaft, kann ich mir so kaum vorstellen.
    Dort kann man sicher gut einen Film drehen, aber fürs Team wäre es
    sicher schwierig in dem Gelände.
    Gute Fahrt!

    1. Nabend, es ist wunderbar und es sind so viele tolle neue Eindrücke, die ohne Dokumentation gar nicht zu merken wären…seit in Griechenland, leider spielt das Wetter nicht mit, der Regen holt uns immer wieder ein, viele Grüße vom Strand bei Xanthi

  3. Moinsen, habe euch bzw. den Landy sowie den Drohnenkapitän selbstverständlich auf der Luftaufnahme entdeckt.
    Nur wie kann man das Luftbild einem definierten Ort (Länge/Breite) zuweisen? Habt ihr die Route eigentlich in Echtzeit mitgetrackt?
    LG CC.

    1. Wie, mich hast Du nicht entdeckt? Ja, die Route wird vom Garmin aufgezeichnet und später im Blog veröffentlicht. Luftbilder üben wir noch ;-)…gibts später auch noch Infos. Ich weiß ich bin weit hinterher im Blog, aber es gibt jeden Tag etwas Neues, spannende Menschen die wir kennen lernen, tolle Orte die wir sehen, überraschende Wendungen der Route….geschrieben wird später at home LG vom beach down von Xanthi

    1. Unterhaltungen unterwegs sind die größte Bereicherung, ob Abends im Restaurant vor Ort, oder mit lieben Menschen unterwegs, die einsame Strecken kennen, oder on the road mit Händen und Füßen wenn es darum geht etwas zu kaufen oder den Weg zu erfragen …Sorry komme nicht hinterher mit den Blogbeiträgen. Ich freue mich, über alle Leser Gruß an Brunhilde . Update: von Hermannatadt ging es weiter Richtung Bran und dann hatten wir ungeplante Nachtfahrt über die Grenze nach Bulgarien …Campingplatz sollte in Rumänien offen sein, war geschlossen. Heute sind wir in Kroatien, auch wieder über Umwege…Albanien war wundervoll, jetzt ist es schon wieder nach 23:00 Uhr, wir haben knappe 6000 km auf der Uhr, noch ca 2000 km vor uns. Aktuelle Posts von Bildern gibt’s bei Instagram – aber Berichte erst später…. so ein Bericht dauert 3-4 Stunden mit Bildern und Korrekturen. Ich hoffe Du schaust wieder vorbei, auch wenn ich die Reise nicht aktuell dokumentiere, gute Nacht aus Dubrovnik

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