Roadtrip

Unser heutiges Ziel sind die Klöster von Meteora. Der direkte Weg führt uns durch das Bergmassiv des Olymp, den Wohnort und die Wiege der Götter. Wir sind abseits großer Straßen, auf kleinen Gebirgswegen, steilen schottrigen Pisten, teilweise mit Geländeübersetzung und Differenzialsperre unterwegs. Tourismus ist hier ein Fremdwort.

Start bei Kilometerstand 4823

Navieingabe: kürzeste Strecke – geradewegs durch das Gebirge. Der Olymp ist das höchste Gebirge Griechenlands. 1981 es von der  UNESCO zum Biospärenreservat erklärt. Das mächtige Massiv erhebt sich in der Ferne vor uns, während das Meer hinter uns langsam dem Blick entschwindet. Der höchste Gipfel, der Mytikas, ist in dichten Nebel gehüllt. Seinen knapp 3000 m hohen, grau-gezackten Kamm bekommen wir heute leider nicht zu sehen.

RoadtripHier kannst du Dir unsere heutige Route ansehen.

Livadi im Hange des Mytikas

Wir gelangen in das kleine Örtchen Livadi. Es liegt im Hang des riesigen Bergmassives auf 1100m Höhe. Weiße Häuschen mit roten Dächern stehen links und rechts der engen Straße. Roadtrip

Aber auch Kopfsteinpflaster und Steinhäuser entdecken wir am Rande des Ortes. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, wir fühlen uns in die Vergangenheit zurückversetzt. Langsam folgen wir einem Maultiergespann, bevor es für uns  wieder aus dem kleinen Bergdorf hinausgeht.

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Abseits der Straße

Fahren wir anfänglich über schmale geteerte Straßen, sind es später fast nur Schotterpisten. Wir sind alleine unterwegs in der Hochgebirgslandschaft. In der altgriechischen Mythologie war hier die Heimat der Götter und die Gipfel galten als lichterfüllte Orte. Hier hat Zeus der Göttervater gegen die Giganten gekämpft. Die Landschaft ist beeindruckend, ursprünglich und wild.

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Allerdings steige ich hier nicht immer mit einem guten Gefühl aus. Erst einmal sehen wir uns um, ob irgendwo die wilden Hunde am Straßenrand oder im Gebüsch lauern. Vor ein paar Tagen soll eine Touristin im Norden Griechenlands von Wölfen getötet worden sein. Das können wir uns nicht vorstellen, wohl aber das sie von Hunden angefallen wurde.

RoadtripWie aus dem Nichts kommt der riesige schwarze Hund angeschossen, rennt direkt auf den Wagen zu, springt hoch und versucht in die Reifen zu beißen.

Kleine Dörfer einsame Wege

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Wir fahren durch das Dorf Praitorio. Der kleine „Ort“ hat einen winzigen Park im Zentrum mit einem gegenüberliegenden Kafenio. Die Komboloi schwingenden Herren jeden Alters erstarren, die Kombolois stehen still, als wir vorbei fahren. Schnell wird die Sonnenbrille abgesetzt, um uns besser sehen zu können. Eigentlich ist es ja auch viel zu bewölkt für die Sonnenbrille. Aber das stört viele Griechen gar nicht. Staunend verdrehen sie sich den Hals, bevor das Gespräch wieder aufgenommen wird und ihre Kombolois wieder durch die Finger fliegen. Eine schmale Straße führt hinaus aus dem Dorf, durch einen kleinen Fluss, der jetzt nach langer Trockenheit nur ein schmales Rinnsal bildet. Dann wird es wieder einsam.

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Auch hier hält der Herbst langsam Einzug. Die ersten Blätter haben sich bunt verfärbt. Die Temperaturen sind hier recht angenehm, wenn die Sonne durch kommt, wird es schnell richtig warm. Aber oben im Gebirge ist es auch schon empfindlich kalt.

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Es ist still hier oben. Nur das vertraute Motorengeräusch des Landys und das Knirschen der Räder auf dem unterschiedlichen Belag ist zu hören. Gewaltig – hier oben fühle ich mich ganz klein.

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Eine Kuhherde liegt direkt an dem Weg.

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Dann kommen wir vorbei an Wellblechunterständen und einem armseligen windschiefen Haus. In der Tür steht eine junge Frau in zerlumpter Kleidung,  ein Baby schreit auf ihrem Arm. Weitere Kinder gucken hinter hier hervor, klammern sich an ihre Beine. Mißtrauisch folgen uns mindestens 5 Augenpaare. Achtung! Blick nach vorne, ein Hunderudel erhebt sich kommt auf uns zugeschossen.  Das erinnert mich an unsere Fahrt durch die Karpaten über die höchste Passstraße. Eine Ecke weiter liegen große abgenagte Knochen auf der Straße.

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Ein paar Kilometer weiter ist wieder eine Ansammlung heruntergekommener Häuser. Wir biegen ab auf eine geteerte Straße. Dort stehen wir vor einer Kuh. Ungläubig schaut sie uns an, bevor sie zögerlich Platz macht und uns hindurch fahren läßt.

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Lange bleiben wir nicht auf der asphaltierten Straße, gelangen noch einmal tiefer in die letzten Ausläufer des Olymp Gebirges hinein.

Dem Himmel so nah

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Dieses mal sind es putzige Schweine, die uns neugierig beäugen und widerwillig Platz machen. Auf 700m Höhe halten wir noch einmal an – Motor aus. Absolute Stille, kein Vogel, keine Kuhglocke, kein Ziegengemecker. Es riecht nach frischen Bergkräutern. Wir stehen an der Felskante und genießen den stillen, duftenden Moment schweigend. Ein Gefühl von Freiheit und Glück, ich könnte die Welt umarmen. Zeus, was hast Du für ein tolles Heim.

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Zivilisation

Zurück auf der asphaltierten Straße begegnen wir einer Herde Ziegen mit zwei Hirten. Die Räder stehen und wir warten bis sie vorüber sind. Winken, bye-bye, die Hirten rufen uns Kalo Taxidi – gute Reise – zu. Wir biegen ab, auf die Hauptstraße in Richtung Kalambaka. Das Olymp Massiv liegt nun hinter uns. In der Ferne sehen wir die Felsen von Meteora in den trüben Himmel ragen.

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Meteora

Für die 180km haben wir den ganzen Tag benötigt. Teilweise ging es nur mit 20km/h vorwärts. Der Tag ist vergangen wie im Fluge. Wo sind die Stunden geblieben? Meine Gedanken schweifen ab: Von nun an geht es nur noch gen Norden – der Heimat entgegen – über die Hälfte unserer Reisezeit ist um. Schnell schiebe ich die Gedanken beiseite, schließlich stehen noch Albanien und Kroatien auf der Reiseroute.

Für heute jedoch haben wir das Tagesziel erreicht, die Klöster von Meteora. Es ist ein Ziel, auf das ich mich besonders gefreut habe. Die Besichtigung des UNESCO-Weltkulturerbes steht an. Warum heißt der Ort Meteora? Wann  wurde er gegründet und wer hat ihn gegründet? Sind die Klöster noch bewohnt?

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…dazu im nächsten Beitrag mehr. Erst einmal richten wir uns häuslich ein, auf dem Camping Vrachos in Kastraki.

29. September 2017
Olymp – dem Himmel so nah

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2 Gedanken zu „Olymp – dem Himmel so nah

  1. Am meisten haben mich Deine Worte über die windschiefe Wellblechhütte, über die zerlumpte arme Mutter mit ihren armen Kindern am Bein hier in der Wiege der Götter und dem Himmel so nah berührt. Hat der Göttervater mit Griechenlands Elend kein Erbarmen ? L.G. Eli

    1. Moin Eli, danke für Deinen von Herzen kommenden Kommentar. Ich habe mich gefragt, ob es fließend Wasser und Strom gibt, wohl eher nicht. Es sah ziemlich elend aus, ja, aber vielleicht sind die Menschen glücklich? …in der fast unberührten Natur, mit ihrem Vieh? …ohne Netz und die immer schnelllebigere Welt? Ich weiß es nicht.
      Und der Göttervater sollte denen gehörig auf die Finger hauen, die sich noch immer am Staat bereichern, dann gäbes auch weniger Elend in Griechenland. Grüße aus dem Norden Kirsten

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