Off-Road Training

Off-Road Fahrertraining

Ich bin mit einem mulmigen Gefühl schlafen gegangen. Unruhig war die Nacht. Die Red Lady rutscht den steilen Hang hinab. Wir stürzen bei unserer Tour durch Europa mit dem Reisemobil von einer schmalen Brücke. Ich falle und falle und falle… „Aufwachen! Hallo, bist du jetzt wach?“, Roberts Stimme dringt langsam zu mir durch „wir müssen bald losfahren“.

Ankunft

Der Nebel des Traumes hebt sich, ich bin wieder in der Realität. Ich bin aufgeregt und springe aus dem Bett. Endlich, heute ist es soweit, heute löse ich meinen Geburtstagsgutschein ein: Off-Road Fahrertraining Level I, auf dem Land Rover Schulungsgelände bei Wülfrath. Schon lange freue ich mich auf diesen Tag, beschäftige mich gedanklich damit. Aber, ich habe auch Angst. Was kommt hier auf mich zu?

1 Stunde später parken wir und sehen uns um. Das kleine weiße Schulungsgebäude sieht einsam aus auf dem riesigen Übungsgelände. Steile Wege führen in dem ehemaligen Kalkabbaugebiet hinauf zur Abbaukante. Mein Blick streift eine Holzbrücke, einen Teich und felsigen Untergrund, bevor wir das Schulungsgebäude betreten.

Land Rover Fahrertraining
Da hinten ist das Schulungsgebäude

Theorie und Praxis

Nun heißt es erst einmal Konzentration und die Off-Road Theorie begreifen: Differenzialsperre, High and Low Range, Traktionskontrolle. Fleißig schreibe ich mit, was Alexander, unser Trainer vom Land Rover Team, für unser Fahrertraining erklärt.

Steile Bergfahrt, rauf und runter, Spurrillen und Gräben, Schrägfahrten und Wasserdurchquerungen – das Verhalten des Autos im Gelände und wie ich mich zu verhalten habe. Bei mir ist schon wieder das Kopfkino an: Was passiert wenn…
Was bei mir hängen bleibt: So langsam wie möglich und so schnell wie nötig.

Schon sitzen wir mit Alexander im weißen Defender und er fährt mit uns ein paar Steigungen und eine Schräge, erklärt nebenbei. Sieht alles ganz easy aus in der Praxis. Dann hält er an: „Jetzt bist Du dran“.

Off-Road Fahrertraining

Der erste Schotterhang 50% Steigung

Erst halten, Gelände prüfen, überlegen, dann los. Ich bin überfordert. Wohin sollte ich schalten? Welchen Gang sollte ich einlegen? Wie war die Theorie? Augen zu und durch ist ja noch „recht flach“. Ich fahre, besser hüpfe los. Keine 5 m komme ich den Hang hinauf, dann habe ich den Defender abgewürgt. Schnell: Bremse und Kupplung, sonst geht es rückwärts, sagt mir mein Gefühl.

Und was machen die Männer? Unterhalten sich über Idle Jack  und Anti Stall. Was interessiert das mich? Houston, ich habe ein Problem. Spricht noch jemand mit mir? Hallo Männers, und nun? Ich stehe hier mitten im Hang!

Off-Road Fahrertraining
Über Stock und Stein

Und was ist nun Idle Jack und Anti Stall

Was ist mir passiert? Zu hoher Gang, zu langsam, zu wenig Gas. Aus. Alexander „freut“ sich, dass ich genau diesen Fehler gemacht habe.

Richtig wäre gewesen: Low Range = Geländegang und dann 1. Gang. Was passiert dann? Der Defender merkt, dank Anti Stall, dass er sich anstrengen muss, es hinauf geht. Er hält seine Drehzahl konstant auf ca. 800 U/min, zieht sich den Berg hoch. Aber das funktioniert nur Low Range im 1. Gang, abwürgen ist nun unmöglich.

Neuer Versuch, ich stehe wieder unter: Kupplung kommen lassen UND Fuß vom Gas. Nun tuckere ich, wie durch Zauberhand gezogen nach oben. Ich bin begeistert. So einfach? Ja, so einfach.

Und was ist denn nun Idle Jack. „Das werde ihr später merken“, sagt Alexander.

Brücke Fahrertraining
Null Sicht nach vorne, zu steil, da hilft nur der Blick aus dem Seitenfenster

Hilfe, der Berghang ist abgerutscht

Nach der Brücke und der Wasserdurchfahrt wartet die nächste Herausforderung: Du stehst auf Deiner Tour vor einem abgerutschten Hang, ein kleiner Teil der Straße ist noch frei.

Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken. Flucht sagt der Bauch. Aber hier wird geübt, ich fahre mit einem Reifen auf der Straße und mit dem anderen Reifen in den Hang, hier als schräge Wand imitiert. Das Auto steht so schräg, dass der Beifahrer fast den Boden berühren kann. Wow, es geht. Der Respekt vor meiner Red Lady steigt.

Fahrertraining Schrägfahrt
Nicht mein Ding, habe das Gefühl wir kippen um.

Allerdings wäre in der Realität bei mir hier wohl Schluss und ich würde Plan B wählen. Woher weiß ich ob, die Strecke dahinter noch befahrbar ist? Woher weiß ich ob der abgerutschte Hang hält?  Und wieder rückwärts fahren in Schräglage? Nein, danke.

Aus am Steilhang

Ich fahre einen Steilhang hinauf, Low Range im 1. Gang ca. 20 m. Dann sagt Alexander: „Auto aus, Füße von den Pedalen“. Der Wagen steht. Brenzlige Situation, finde ich. Ich soll nun zurück setzen, den Hang hinunter, aber wie?

Jetzt kommt Idle Jack ins Spiel. Hierdurch wir das Motorbremsmoment reduziert. Bedeutet, einfach gesagt: Der Motor bremst sich selbst. „Hab Vertrauen“, denke ich mir.

Der Landy ist noch aus: Bremse ist jetzt getreten, Rückwärtsgang eingelegt. Nun die Kupplung kommen lassen, nun den Fuß von der Bremse und dann Motor starten. Und… der Landy fährt gemächlich rückwärts hinunter, ich muss ihn nur auf dem schmalen Pfad halten.

Unten angekommen, bin ich restlos begeistert. Wir wiederholen das Manöver. Super!

110% Gefälle, ohne mich

Es heißt wieder aussteigen, Strecke angucken, Strategie überlegen. Zu Beginn des Tages wäre ich genau diese steile Strecke nicht hinunter gefahren. „Ohne mich“, waren die Gedanken bei der Ankunft. Aber jetzt: Los, ich kann es kaum erwarten. Low Range, 1. Gang, Füße neben die Pedale und auf geht’s. Langsam und sicher bewegen wir uns nach unten. Yes! Ich will mehr!

Steilhang Fahretraining
Es ist aus dem Defender gesehen viel steiler als es von unten aussieht, 110 % Gefälle

Felsstufen und Treppen

Wir sichten das Terrain und besprechen die Strategie. Rauf, wie gehabt. Aber runter nur mit Motorbremse geht hier nicht. Runter: Gang einlegen, aber die Kupplung treten, immer ein wenig bremsen und langsam. Da wir die Treppen nicht hinunter springen wollen, fahre ich sie in einem Winkel von ca. 45 Grad an. Ich kann es gar nicht glauben, Stufe für Stufe geht es hinauf und hinab, völlig problemlos. Ich grinse in mich hinein.

Defender Fahrertraining
Ganz einfach, Treppe runter, Treppe rauf

Ich bin glücklich. Mein Kopfkino spielt mir gerade wieder tolle Bilder ein. Ich fahre mit der  Red Lady die „Spanischen Treppe“ hinauf. Super Bild auf den Stufen, mit der Red Lady vor der weißen Kirche.

April 2017
Ich habe es überlebt

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6 Gedanken zu „Ich habe es überlebt

  1. Bevor dies hier in einem Gastbeitrag und nicht im gewünschten Kommentar endet, nur soweit, so kurz. Während du mir mit dieser Aktion nicht nur einen, sondern zwei Schritte voraus bist, nämlich einen Landy dein eigen nennst, nun auch noch damit fahren kannst, habe ich meinen ersten ernsthaft in betracht gezogenen Landy besichtigt – jedoch nicht ohne mir zuvor von Rooobert (Carmen fängt schließlich auch mit CAR an) eine „To Proof“ Liste erfragt zu haben. Sehr hilfreich und lustig, wenn nahezu jeder auf dieser Liste aufgeführte Punkt mit nein beantwortet werden muss. Hier nur einige Beispiele: Serviceheft Km-Verbindlichkeit, nein / Mike Sanders Hohlraumversiegelung, nein /ABE’S f. Reifen und Fahrwerk in Fahrzeugpapieren, nein. Preisl. Verhandlungspielraum, wen wunderts’s , nein. Schließlich gab’s aber doch noch ein jaaa. Schlamm in der Batteriebox unterm Fahrersitz. 2-3 cm , vom Pilozän bis zum Pleistozän. Das war ja dann wohl ein nein zu diesem Landy. Dazugelernt haben wir an diesem Wochenende allerdings beide was. Liebe Grüße Carm.., ähh Carsten.

    1. Moin Carmen, Du meinst 3 Schritte. Mir muss auch niemand eine Checkliste schicken, ich könnte das inzwischen selbst 😉 . Spaß beiseite, das Fahrertraining war 110% lohnenswert. Respekt, was das Auto so kann. Ja, wir haben beide etwas gelernt. Ich drücke Dir die Daumen für Deine weitere Defendersuche….und für Deinen spaßigen Kommentar 🙂

  2. ..und die alte weisse Dame auch.
    Es ist schon erstaunlich, was diese alte Generation schon kann und selbst Ältere Treppen rauf und wieder runterträgt, wenn man weiss, was zu tun ist.
    Weiterhin viel Spass mit euren Spielzeugen.

    1. Ja Dieter, das hast Du recht. Ein Loblied auf alle Defender, ich bin restlos überzeugt. Aber Du willst mir doch hier nicht etwa erzählen, dass ich ALT bin? 😉 schönen Abend wünsche ich

  3. Ganz schön mutig, Kirsten! Bin schon gespannt auf deine „Echtzeit-Abenteuer“!!! Wollt ihr an eurem Landy auch Kameras vorn und hinten anbringen? Wäre sicher spannend wie ein Krimi! LG Gisa

    1. Moin Gisa, ja in australien hatten wir auch eine GoPro vorne im Wagen. Aber ich gebe zu, komme mit der Technik noch nicht zurecht, wie ich die Filmchen klein bekomme für den Blog, sonst wären hier schon einige drin.

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