Aladzha KLoster

Willkommen im Land der Klöster, Berge und weiten Strände. Auf ein billiges Ziel an der Schwarzmeerküste wird Bulgarien oft reduziert. Korruption und organisierte Kriminalität haben für negative Schlagzeilen gesorgt. Von Pauschaltourismus, Pferdekarren, Bauruinen, hilfsbereiten Menschen, historischen Stätten, leckerem Essen…

Bei Kilometerstand 3562 km der Reise geht es weiter in Bulgarien

Schwarzes Meer
Ich beobachte den Sonnenaufgang gerne am Strand

Die Räder rollen wieder. Wir sind froh, dass es weiter geht. Zwar hat uns der Strandtag gut getan, einfach in der Sonne zu liegen, zu faulenzen und auf das Meer hinaussehen, aber der Ort stimmt uns traurig, macht nachdenklich. So viele Bauruinen, ehemals schöne Anwesen, die verfallen und dieser ungepflegte Platz, an dieser wundervollen Bucht. Gestern Abend beim Essen, im einzigen noch geöffneten Restaurant, haben wir uns mit den Bulgaren unterhalten – es sei nicht leicht hier. Die Kinder der Kellnerin wohnen in Deutschland, verdienen ihr Geld dort.  „So wie viele andere Kinder auch. Schlechte Ausbildung, schlechte Bezahlung, wenige Jobs“, sagt sie. Die Touristen überfluten die Hochburgen Zlatni Pyasatsi, Slanchev Bryg oder Albena – im Sommer – Pauschaltourismus. Das Gros kommt mit dem Flugzeug und wird mit dem Bus zum Hotel gefahren. Hier außerhalb der Hochburgen sind nicht viele Touristen.

Bulgarien
Abgeerntete Felder und hügelige Landschaft mit Laubwäldern begleiten uns auf unserer Fahrt

Zlatni Pyasatis = Goldstrand

Was in Bulgarien auffällt ist die Präsenz der Polizei auf der Straße. Alle paar Kilometer sind Kontrollen. Die Autofahrer halten sich an die Geschwindigkeit, auch wenn sie wie die Berserker überholen. Wir tingeln über kleine Straßen durch bergige Natur, überholen Pferde- und Eselsgespanne, sehen  alte Frauen die Waren am Straßenrand anbieten. Trotz der Armut, die auch hier augenscheinlich auf dem Land herrscht, begegnen uns alle Menschen freundlich. Und wenn es mit der Sprache nicht klappt, helfen die Hände und ein freundliches Lächeln. Wenn Du Dich für die Geschichte und Kultur von Bulgarien interessierst, kann Du Dir hier weitere Informationen holen.

Die Straße windet sich nun einen Berg hinauf. Irgendwo hier, im zum Ort gleichnamigen Naturpark, soll es ein Felsenkloster geben. Ein Parkplatz – dort ist es.

Aladzha Kloster
Wie überall in Bulgarien sind Ausgrabungen und die zugehörigen Anlagen sehr gepflegt.

Steinstufen führen durch eine gepflegte Anlage mit Laubwald hinauf zum Eingang. Eintritt: 5 BGN ( 1 Leva = 0,50€). Wir haben noch kein bulgarisches Geld. „Nein, keine Euro, nein keine Kreditkarte“, klärt uns die Dame an der Kasse geduldig lächelnd auf, in gebrochenem englisch. Ich möchte unbedingt hinein. Keine Chance.

Aladzha Kloster
Solltest Du das Felsenkloster besuchen wollen, hier die Öffnungszeiten

Wir fahren hinunter in den Ort. Hotels reihen sich aneinander in Bulgariens größtem Seebad an der nördlichen Schwarzmeerküste. Menschen drängen sich die Promenade entlang. Ich erblicke eine Art Eifelturm und ein Riesenrad, während ich im Landy sitze und Robert Geld am Automaten holt. Restaurants, Bars, Clubs, Fastfoodketten – wer Party will, der hat sie hier. Es scheint, als wenn Busladungen voller Menschen hier her chauffiert werden. Unser Reisemobil wird bestaunt und fotografiert. Nichts für uns, schnell sind wir aus dem Rummel wieder verschwunden.

Aladzha Felsenkloster

Ein zweites Mal stehen wir an der Kasse und können nun bezahlen. Nach ein paar Schritten durch die akkurate parkähnliche Anlage stehen wir vor einem ca. 40m hohen beigen Felsen. Er ist teilweise ausgehöhlt.

Aladzha Kloster
Wie lange mag es gedauert haben, bis ein Raum fertig gestellt war?
Aladzha Kloster
Früher kletterten die Mönche über Holzstegen hinein, da haben wir es bequemer.

Wir gelangen über einen Leiterturm hinauf in die Aushöhlungen. Funde beweisen, dass die Felsennischen schon im 5.-6. Jahrhundert bewohnt waren.

Aladzha Kloster
Die Räume waren nicht besonders hoch.

Ehrfürchtig gehen wir von Raum zu Raum. Kapelle, Friedhof und Reste von Wandmalereien zeugen von der einstigen Anwesenheit christlicher Mönche. Der christliche  Name des Klosters ist allerdings unbekannt.

Aladzha Kloster
Faszinierend, dass die Malereien all die Jahre überdauert haben.

Das Wort „Aladzha“ stammt aus dem Persisch-arabischen und bedeutet: Bunt, farbenreich. Nach dem Fall von Bulgarien unter osmanische Herrschaft, wurde das Kloster um das 14. Jahrhundert verlassen.

Wir besichtigen das kleine zugehörige Museum.

Aladzha Kloster
Ein Überblick über das klösterliche Leben wird im kleinen Museum nebenan dargestellt.

Dann gehen wir zurück zu unserem Reisemobil. Brav steh es dort und wartet auf uns. (ok, wo soll es auch hin ;-)) Bisher hatten wir keine Pannen, keine Probleme, nichts – zuverlässig schnurrt der TD4 Kilometer für Kilometer und trägt uns über Stock und Stein.

Antique de Fortress at cape St. Atanas

Ein bisschen überreden muss ich Robert, dem Schild der Ausgrabung zu folgen, die ich entdeckt habe. Wieder einmal verlassen wie die planmäßige Route. Die kleine Straße führt vorbei an Bauruinen hinunter ans Meer.

Byala
Irgendwie unrealistisch sehen die, in die Natur eingewachsenen Bauruinen aus.

Wir stehen vor einem milchigen, oval gebogenen Plexiglas, das den Miniaturnachbau einer Ausgrabungsstätte überspannt. Im 6. Jahrhundert vor Christus sind im jetzt verschlafenen Badeort Byala hinter Warna die ersten Griechen angekommen.

Byala
Der Nachbaus der Ausgrabungsstätte befindet sich noch vor dem Eingang, direkt an der Straße.
Byala
Ein Besuch der kleinen Ausgrabungsstätte lohnt sich

Der Eintritt kostet wieder 5 BGN und die Ausgrabungsstätte beginnt keine 500m vom Kassenhäuschen entfernt.

Bayala
Verschiedene Lagen aus verschiedenen Zeiten wurden hier freigelegt

Die Stätte ist bis auf die Archäologen, die fleißig an den Ausgrabungen arbeiten menschenleer.

Byala
Das Gelände ist noch lange nicht fertig untersucht.
Byala
Ausgrabungen und moderne Darstellung machen sichtbar, wie die Menschen hier einst gelebt haben.

Ganz am Zipfel des Caps steht ein alter Leuchtturm. Von dort können wir auf die weit entfernet Küste blicken. Bettenburgen erheben sich am weiß leuchtenden Sandstrand. Irgendwo dort liegt auch Nesebar, unser nächstes Ziel.

Byala
So sieht das Ausgrabungsgelände von oben aus.

Der Weg führt uns durch das bergigere nahezu unbewohnte Inland, Serpentinen rauf und runter. Die bulgarische Fahrweise ist äußerst unangenehm und endet oft tödlich. Teilweise fahren sie so dicht auf, dass ich sinngemäß den Mohn des Frühstückbrötchens zwischen den Schneidezähnen sehen kann. Viele Kreuze mit Blumernschmuck und Bildchen der Verkehrsopfer säumen die Straßenkante der schon leicht herbstlichen Landschaft.

Slanchev Bryg = Sonnenstrand

Wir erreichen die von weitem schon gesehene Stadt mit den Bettentürmen – Sonnenstrand. Die wohl damals romantische Bucht wurde vor ca. 20 Jahren für den Tourismus entdeckt. Direkt hinter der Strandstraße beginnen die hohen Betonbauten, wahrlos in allen Formen, Farben und Höhen aneinander geklatscht.

Schwarzes Meer
Pauschalreiseburgen ohne Ende

Das Wahrzeichen, der 8 km lange Strand mit dem feinkörnigen Sand ist wunderschön, nur darfst Du Dich eben nicht umdrehen. Jetzt Ende September ist der Strand leer, viele Bars, Clubs und Restaurants scheinen geschlossen auf der Pauschal-Partymeile. Der Übergang von Sonnenstrand nach Nesebar ist  fließend, die Hotelkette reißt nicht ab.

Nessebar
Auf dem Weg nach Nesebar werden die Hotels etwas kleiner

Nesebar – UNESCO Weltkultuerbe

Jedoch wimmelt es in Nesebar von Touristen. Wir sind genervt, haben gar keine Lust auf dieses Chaos. Wir folgen den Schildern zur historischen Altstadt und gelangen über einen langen Damm ans Ziel.

Nessebar
Die Straße führ über den Damm in das historische Zentrum

Auch hier waren die alten Griechen schon im 6. Jahrhundert vor Christus. Im 8. Jahrhundert nach Christus wurde die Stadtmauer mit dem Stadttor errichtet.

Nessebar
Die alte Stadtmauer von Nesebar

In den verschiedenen Perioden der wechselnden Machthaber wurden viele kleine Kirchen erbaut, die heute noch gut erhalten sind oder restauriert werden. Wir besichtigen die St. Stepahns Church.

Nessebar
St. Stephans Church
Schwarzes Meer
Kirchenpanorama innen
Nessebar
Wie viele Jahre mag der Künstler gebraucht haben?

Schade finden ich, dass überall Nippesbuden, Restaurants und Souvenirstände sind. Ich hätte gerne das Flair der alten Stadt gespührt und nicht die schupsenden Ellenbogen der Touristen aus aller Herrenländer.

Nessebar
Was mag hier erst in der Sommersaison los sein?
Nessebar
Ruinen einer Kirche mitten im Stadtkern der historischen Altstadt, man beachte OHNE Menschen. Ich habe lange gewartet.

Auch in den Touristenhochburgen sind Pferdekarren zu sehen, allerdings in der Luxusvariante, um die Touristen damit zu befördern.

Nessebar
Pferdekarren als Touristenattraktion

Genug Kultur für heute wir sehnen uns nach Natur und Ruhe. Für heute Abend habe ich den kleinen Campingplatz  Zlatna Ribka (Gold Fish Roayl) direkt am Strand noch hinter Burgas, nahe Sosopol herausgesucht. Auf dem Platz sind nur wenige Gäste.

Zurück in der Natur

Nach dem Rummel heute tut es gut das Reisemobil abzustellen, das Hubdach aufzuklappen, die Foxwing zu spannen, Tisch und Stühle darunter zu stellen, sich auf den Stuhl plumpsen zu lassen und in Ruhe ein Glas Wein zu trinken, während das Meer rauscht und die Möven kreischen.

Schwarzes Meer

Aber Hunger haben wir auch. Es soll ein Beach-Restaurant geben.

Schwarzes Meer
End of Season
Schwarzes Meer
Gegenlicht, so wird das nichts…

Wir sind wieder die einzigen Gäste. „Ja, es ist Ende der Saison“, sagt uns der junge Besitzer. „Aber ihr könnt bleiben. Was möchtet ihr haben, meine Mutter kocht euch etwas?“ Vorweg Schopska und dann Fisch aus der Region. Der Salat ist wieder köstlich, frisch und knackig vom Feld, nicht aus dem Gewächshaus. Der Fisch ist einfach zubereitet und wir ohne viele Beilagen serviert – lecker. Mit der Hand dierekt inden Mund, gegessen werden die kleinen Fische mit Kopf und Schwanz. Bei den Größeren mag ich das nicht. Vor lauter Hunger habe ich, als das Essen kam, die Bilder vergessen.

Anschließend sitzen wir wieder vor unserem gemütlichen Heim und planen die morgige Route.

Schwarzes Meer
Abendliche Tourenplanung
Schwatzes Meer
Morgen werden wir Griechenland erreichen, dafür müssen wir unser Garmin erst einmal mit einer neuen Karte füttern.

Ich hätte gerne die historische Altstadt von Sosopol, ein paar Kilometer entfernt, besichtigt. Ich hätte Bulgarien gerne noch besser kennen gelernt und wäre liebend gerne in das Landesinnere gefahren, durch Berge, Wälder und kleine Dörfer. Jedoch haben wir keine Zeit – Ziel morgen: Griechenland… aber fahren wir durch die Türkei? Ja, oder nein, das wäre der kürzeste Weg.

Montag, 25. September 2017
Dobre Doshli Bulgarien

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2 Gedanken zu „Dobre Doshli Bulgarien

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