Hotel Adam Bräu

Bodenmais Bayerischer Wald

Habe ich alles? Laufklamotten, die Pulsuhr am Arm. Startknopf drücken und los. Knappe 40 min und 5 km später stehe ich wieder an der Hoteltür. Schweißüberströmt. Puls wie beim Zieleinlauf. Was ich bisher gesehen habe, bergauf bergab, durch den Wald, die Straße entlang, hat mir gefallen. Ich bin gespannt auf die vor mir liegende Woche. Der Rest der Truppe reist einen Tag nach mir an.

Am Wegesrand

Umgeben von bergiger Landschaft und Hochwäldern liegt Bodenmais im Bayerischen Wald. Ein Bach hat sich entlang meiner Laufstrecke durch ein Waldstück geschlängelt, Mountainbiker sind mir entgegen gekommen. Die Buchstaben JOSKA haben mein Blickfeld gestreift. Die Hauptstraße ist mit Glaskunst gesäumt. Ich habe eine Holzschnitzerei entdeckt in einer Nebenstraße und ein Hinweisschild auf ein Silberbergwerk gesehen. Und vor dem Hotel habe ich die hoteleigene Brauerei erspäht.

Adam Bräu
In Bodenmais, dem Ferienort Nr. 1 im Bayerischen Wald, befindet sich das Hotel Adam Bräu****

Die Truppe

Anreisetag. Die Truppe ist  am späten Nachmittag komplett – ein erstes Treffen. Alles Journalisten, bis auf mich, von Zürich bis Henstedt-Ulzburg. Wir sind untergebracht im Hotel Adam Bräu. Ich fühle mich wohl in dem geräumigen Zimmer mit Balkon und Blick auf Ort, Berge und Hochwald.

Abends im Restaurant Adam Bräu essen wir zusammen. Bei Forelle, Schnitzel, Burger, Brotsuppe und Käsespätzle erzählt jeder etwas über sich. Radiomoderatorin, Ressortleiterin, Volontär, Wirtschaftsjournalistin, PR Agentur, Buchautor, Bodenmais Tourismus, der Referent, ein namhafter Reisejournalist und dazwischen ich. Ein bunt gemischter Haufen. Ein Thema eint uns: Wir sind hier, um etwas über den Reisejournalismus zu erfahren.

Hotel Adam Bräu
Am Abend zum Essen gibt es verschiedene Sorten des selbstgebrauten Bieres

Es geht los

Am ersten Seminartag beschäftigen wir uns mit der Branche, den Trends, der Themenfindung und der Planung von Reisen. Klassischer Journalismus oder Blog, print oder online? Berufsethik und Berufsverbände. Neuland für mich.

Wieder einmal hinterfrage ich den Inhalt meines Blog. Auch wenn ich es eigentlich weiß: Zu allgemein! Auch wenn ich es nicht hören will: Wen interessiert das, was ich da schreibe? Auch wenn es schmerzt: Das kann jeder! Mal ehrlich: Ich wäre auch schon weg!

Die nächste Aufgabe des Seminar wird vorbereitet. Am nächsten Tag ist jeder für sich unterwegs, um Material für einen Beitrag zu sammeln. Ortstermin. Interview. Recherche.

On Tour beim Recherchetag

Den Termin hatte ich mir schon von zu Hause organisiert. Ich starte zeitig vom Hotel. Wanderstiefel, Treckinghose, das Brötchen für die Mittagspause, Fotoausrüstung, Buch und Stift, Adresse des Treffpunktes. Check – alles dabei.

Ich bin mit einem Ranger des Nationalparks Bayerischer Wald verabredet. Am Treffpunkt angekommen, wandern wir gleich los. „Morgens ganz früh, wenn der Nebel sich in das Tal senkt, unter Dir liegt wie ein weißer Teppich, dann ist es hier am Schönsten“, erzählt mir der Ranger. „Du siehst die Alpen. Der Watzmann ist zum Greifen nahe“.

schachten
Brotzeit auf der Lindbergschachten

2 1/2 h später sitzen wir auf einer Bank auf 1250m im Sonnenschein. Auf der Lindbergschachten. Schachten nennt man die abgeholzten Waldstücke auf denen früher Rinder grasten. Inzwischen haben sich dort Heidelbeersträucher und Borstengras großflächig ausgebreitet. Ein beliebtes Gebiet, nicht nur für die vom aussterben bedrohten Auerhühner, sondern auch für Beerensammler. Ich habe mein Notizbuch auf den Beinen und notiere eifrig, was wir auf dem Weg hinauf besprochen haben.

Mich interessieren die Fotofallen, deren Kontrolle zur Arbeit des Rangers gehört. Ich erfahre, dass auch ein Wolfspärchen und Elche auf den Bildern zu sehen sind, sich hier wieder angesiedelt haben. Aber auch, dass in der Nähe einer Kamera abgetrennt Luchsbeine gefunden wurden. Die Raubkatze scheint nicht jedermanns Freund zu sein. Auch in Bodenmais wurde eine getötete Lüchsin mit Jungen im Bauch aufgefunden. Inzwischen ermittelt die Polizei.

Im Nationalpark heißt es: Natur, Natur sein lassen. Windwurf und Borkenkäfer haben für riesige Freiflächen gesorgt. Sie werden wieder zuwachsen, nicht neu bepflanzt, sondern gedeihen wie die Natur es bestimmt.

Natur, Natur sein lassen

Während wir weiter gehen, schiebt der Ranger dicke Äste vom Weg und kontrolliert, ob die Wanderschilder noch fest im Boden verankert sind. Er sorgt für die Sicherheit auf den Wegen und steht den vielen Wanderern für Führungen und Fragen zur Verfügung. Das Klopfen eines Spechtes begleitet uns.

Nationalpark Bayerischer Wald
Nach einer Weile haben wir ihn entdeckt

Nach über 5 Stunden bin ich zurück am Ausgangspunkt. Ich werde nun noch dem Tipp des Rangers folgen und das Haus der Wildnis im Nationalparkzentrum Falkenstein besuchen. Hier gibt es noch weitere Informationen für mich und mit ein wenig Glück bekomme ich auch noch Wölfe und Luchse vor die Kamera.

Bayerischer Wald
Wölfe im Nationalparkzentrum Falkenstein

Und was hat der Rest der Truppe entdeckt?

Bei JOSKA darfst Du blasen

Ich erfahre, dass die 5 Buchstaben, die mein Blick am ersten Tag bei meinem Entdeckungslauf streifte, zur Kristallwelt von Josef Kargerbauer gehören. Er hat eine Erlebniswelt rund um die Glasbläserei erschaffen. Hier kannst Du mit Hilfe der Glasmacher Deine eigene Glaskugel blasen und mit nach Hause nehmen.

Weltbekannt sind die Pokale die hier gefertigt werden: DTM, Sportlerehrung, Formel 1, Skiweltcup-Pokale, Women’s Award, Steiger Award. Das sind nur einige davon. Vielen Dank Marco Felgenhauer für das Bild von der Glasbläseri und den Gondeln am großen Arber, die gleich folgen.

http://www.woidlife-photography.de/
06.06.2015: Glasbläser in der Joska Glashütte, Produktion der FIS Weltcup Kugel – © Marco Felgenhauer / Woidlife Photography

Woid Woifes Welt

Er spricht mit dem Wald, ist ein Original aus Bodenmais. Eigentlich heißt er Wolfgang Schreil. Mit ihm kannst Du Wanderungen in den Wald unternehmen und Geschichten aus seinem Leben im Einklang mit der Natur erfahren. Was genau Du auf seinen Führungen entdecken oder sehen wirst, kann er Dir nicht versprechen, denn für ihn gilt es, sich einfach auf die Geheimnisse des Waldes einzulassen.

Gipfelglück am Großen Arber

Bei meiner Fahrt zum Treffpunkt mit dem Ranger, bin ich an einem Parkplatz eines Skigebiets vorbei gekommen. Dem Skigebiet am Großen Arber, dem höchsten Berg im Bayerischen Wald. Das ist der krasse Gegensatz zu Woid Woifes Welt. Kitsch und Trubel um besondere Gondeln: Die Herzblatt-Kuschelgondel für Verliebte. Erinnert mich an Rudi Carells Worte: „Und hier ist dein Herzblatt.“

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29.08.2016: Großer Arber Bergbahn, Wandern mit Gondelbahn, völlig verrückte Gondelfahrten – © Marco Felgenhauer / Woidlife Photography

Und, wer es mag: Mit der Hochzeitsgondel geht es hinauf zum höchsten Standesamt. Da steht dem Gipfelglück nichts mehr im Wege.

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29.08.2016: Großer Arber Bergbahn, Wandern mit Gondelbahn, völlig verrückte Gondelfahrten – © Marco Felgenhauer / Woidlife Photography

Asthmatherapie im Silberbergwerk

Bodenmais liegt direkt am Fuße des Silberbergs. Hier wurde früher Silber gewonnen, später Vitriol gesotten. Vitriol sind kristallwasserhaltige Sulfate, die beispielsweise zum Färben von Stoffen verwendet wurden.

Heute kannst Du die Stollen des Bergwerkes im Rahmen einer Führung besichtigen.

Vor Jahren, bei eben solch einer Führung, bemerkte eine Mutter, dass das Asthma ihres Sohnes im Berg deutlich weniger wurde.

Es entstand eine neue Therapie, die Untertage-Klima-Therapie im Silberbergwerkstollen. Dort herrscht sein anderes Klima, die Lufttemperatur beträgt 5°C und die Luftfeuchtigkeit liegt bei 90%. Die Luft ist pollen- und allergenfrei.  Behandelt werden z.B.: Asthma Bronchiale, Chronisches Asthma.

Schön und gut, was bringt mir das?

Die letzen Seminarstunden sind schnell vergangen. Texte wurden ausgetauscht und redigiert. Es wird gnadenlos gestrichen…

Nun sitze ich im Auto, 779 km liegen vor mir. „Oh je“, haben die Anderen bei der Verabschiedung gesagt, „So weit, wieso fliegst Du nicht?“ Macht nichts, ich fahre gerne. Zeit für mich. Zeit meine Eindrücke und Gedanken zu sortieren, mir klar zu werden.

Erst entlang der Tschechischen Grenze über Landstraßen, dann geht es aus die Autobahn. Die Gedanken sind beim Seminar und wieder bei meinem Blog. Ein roter Landy mit befüllter Ladefläche reißt mich aus den Gedanken. Schneller Blick in den Rückspiegel – so einen möchte ich auch haben, einen kleinen roten Landy. Kleiner als der grüner Defender, der jetzt ein Hubdach bekommt und ausgebaut wird. Zack – bin ich gedanklich einmal mehr mit dem Landy unterwegs in ferne Länder…

Fazit:

Vor meinen Augen taucht die Heimat auf, Hamburger Hafen, Elbtunnel. Noch 30 min, dann sitze ich auf unserem roten Sofa, als wenn ich nicht weg gewesen wäre. Nicht ganz, denn meine Gedanken habe ich neu sortiert und so mein ganz persönliches Fazit von der vergangenen Woche gezogen:

  • super: ich habe wundervolle Menschen kennen gelernt
  • spitze: ich habe Einblick in den Reisejournalismus bekommen
  • aber: ich muss lernen mich auf das Wesentliche zu konzentrieren
  • und: das Wichtigste, meine Blognische sind die Landy-Reisen mit mir persönlich
  • außerdem: damit die „Seele nicht mehr baumelt“, „die Moderne nicht die Antike trifft“ und „der Schnee nicht die Heidelbeeren, sondern die Heidelbeersträucher bedeckt“ werde ich meinen Schreibstil verbessern
  • und dann: wird mein Blog Erfolg haben
  • und dann: liest Du vielleicht einen Reisebericht von mir in einer Zeitschrift
  • Und jetzt: baue ich den Blog um und werde endlich mit der Planung unserer Landy-Europa-Reise beginnen
Reisejournalismus Seminar 3.-7. April 2017
Bayerischer Wald – wer will schon lesen was ich schreibe?

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4 Gedanken zu „Bayerischer Wald – wer will schon lesen was ich schreibe?

  1. Na, das scheint doch was gebracht zu haben – schöner Bericht über ein zunächst mal kein Jedermanns-Thema. Kurz, abwechslungsreich und mit interessanten Bilden gespickt. Bin schon gespannt auf den nächsten Landy-Bericht und zwar mit dem Grünen, nicht mit einem fiktiv – hypothetischen Roten – wer wird denn da schon wieder abschweifen wollen. Nicht, dass wir uns demnächst 2 Blogs erlesen müssen, weil die Autorin dem Landyfieber erlag. Allerdings: Verstehen könnt ich’s. Ciao, muss zum Fieber messen.

    1. Lieber Carsten, Danke schön :-). Aber keine Sorge, es bleibt bei diesem einen
      Blog, er wird die Tage umgebaut. Ansonsten, lass Dich überraschen, wie es weiter geht. Ich schreibe gerade am nächsten Beitrag. Ich wünsche Dir schöne Osterfeiertage. Viele Grüße
      Kirsten

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